Warum Multitasking gefährlich sein kann

Verena Elson Medizinredakteurin
Frau beim Multitasking
Britische Wissenschaftler haben nachgewiesen, dass Multitasking – also gleichzeitiges Verrichten mehrerer Tätigkeiten – Gehirnschäden verursachen kann © Shutterstock

Im Web surfen, während der Fernseher läuft, und nebenbei SMS schreiben? Multitasking kann ernsthafte Konsequenzen haben, fanden britische Forscher jetzt heraus. Praxisvita verrät, warum Sie sich immer nur auf eine Aufgabe konzentrieren sollten.

 

Multitasking lässt das Gehirn schrumpfen

Wenn Sie gerade Ihr Smartphone in der Hand haben, während Sie diesen Text lesen, legen Sie es lieber schnell weg – Ihr Gehirn könnte sonst Schaden nehmen. Denn mediales Multitasking lässt wichtige Teile des Gehirns schrumpfen – das haben britische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie nachgewiesen.

Dazu befragten sie Probanden zu ihrem medialen Verhalten – speziell danach, wie häufig sie mehrere elektronische Geräte wie Computer, Fernseher und Smartphone parallel verwendeten. Je häufiger die Teilnehmer das taten, desto höher wurde ihr sogenannter Media Multitasking Index (MMI) eingestuft.

Anschließend wurde ihr Gehirn mit einem bildgebenden Verfahren untersucht. Das Ergebnis: Bei Teilnehmern mit einem hohen MMI war in einer bestimmten Gehirnregion, dem sogenannten Anterioren Cingulären Cortex (ACC), weniger graue Masse vorhanden als bei Probanden mit einem niedrigen MMI. Der ACC ist zuständig für Entscheidungsfindung, Problemlösung und Impulskontrolle.

 

Multitasking verringert die geistige Leistungsfähigkeit

Die Studie baut auf früheren Forschungsergebnissen auf, wonach mediales Multitasking zu Konzentrationsstörungen, Depressionen, Angstgefühlen und schlechteren Schulnoten führen kann.

2001 hatten US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass Multitasking am Arbeitsplatz die Produktivität um durchschnittlich 40 Prozent vermindert. Wer telefoniert und gleichzeitig eine Mail beantwortet, kann sich auf keins von beidem richtig konzentrieren – es entstehen leichter Fehler und der Arbeitsprozess dauert länger.

Eine Studie der Universität in Stanford zeigte 2009, dass Probanden, die sich als häufige Multitasker bezeichneten, bei Testaufgaben schlechter abschnitten als andere. Und zwar sowohl bei Aufgaben, die ein schnelles Wechseln der Tätigkeit erforderten, als auch bei solchen, die eine Fokussierung auf eine Aktivität verlangten. Die Auswertung zeigte, dass die Multitasker sich nicht nur weniger gut konzentrieren konnten als andere Probanden, sie konnten auch schlechter zwischen relevanten und irrelevanten Inhalten unterscheiden.

Experten raten deshalb dazu, sich bei der Arbeit immer mindestens 20 Minuten auf eine Aufgabe zu fokussieren, E-Mails nur in festgelegten Intervallen zu checken und sich in der Freizeit stets auf eine Beschäftigung zu konzentrieren.

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