Warum Mütter keinen Thunfisch essen sollten

Redaktion PraxisVITA
Thunfisch-Sashimi
Gelbflossen-Thunfisch gehört zu den weltweit am meisten verzehrten Fischsorten – US-Forscher haben jetzt festgestellt, dass er einen Schutzmechanismus von Körperzellen außer Kraft setzt © Fotolia

Fetthaltiger Fisch ist wichtig für die Entwicklung des Kindes – Schwangeren und stillenden Frauen wird darum zu seinem Verzehr geraten. Doch nicht jeder Fisch ist dafür geeignet, zeigt jetzt eine US-Studie. Denn einige Fische sind stark mit gefährlichen Schadstoffen belastet.

Für ihre aktuelle Studie untersuchten Forscher der Scripps Institution of Oceanography in Kalifornien die Wirkung von sogenannten langlebigen organischen Schadstoffen oder POP (persistant organic pollutants) auf Körperzellen. Zu diesen Chemikalien gehören beispielsweise bestimmte Flammschutzmittel, Pestizide und industrielle Gifte. Für Landwirtschaft und Industrie sind sie wegen ihrer chemischen Stabilität wertvoll – doch diese Stabilität bedeutet auch, dass sie in der Umwelt nur sehr langsam abgebaut werden. So haben sie sich im Laufe von Jahrzehnten in den Ozeanen und seinen Bewohnern abgelagert.

 

Chemikalien setzen „Türsteher-Protein“ außer Gefecht

Das Team um Sascha C. T. Nicklisch brachte zehn verschiedene POP im Labor mit einem Protein namens P-Glykoprotein zusammen. Dieses Protein ist in jeder Körperzelle enthalten. Es fungiert als eine Art „Türsteher“, der Giftstoffe daran hindert, in die Zelle einzudringen. Konfrontiert mit den POP, hätte es eigentlich aktiv werden und die Chemikalien abtransportieren müssen. Doch stattdessen beobachteten die Forscher, dass P-Glykoprotein tatenlos blieb.

Diesen Ausfall des zelleigenen Schutzmechanismus führen die Wissenschaftler auf ein spezielles Verhalten der Schadstoffe zurück – diese binden so an P-Glykoprotein, dass dieses handlungsunfähig wird.

 

Thunfisch mit POP belastet

Anschließend analysierten Nicklisch und Kollegen Fleisch des Gelbflossen-Thunfischs auf die Präsenz der zuvor getesteten POP. Sie wählten diesen Fisch aus, weil er weltweit zu den am meisten verzehrten Fischarten gehört. Dabei fanden sie neun der zehn Giftstoffe im Fleisch des Fisches, teilweise in hohen Konzentrationen.

Die Giftstoffe reichern sich vor allem im Fettgewebe des Fisches an – da der Thunfisch ein besonders fetthaltiger Fisch ist, erklärt sich so auch die hohe Schadstoffkonzentration in seinem Fleisch. Die Forscher vermuten, dass andere fetthaltige Fische ähnliche Konzentrationen aufweisen.

 

Neugeborene besonders gefährdet

POP sind dafür bekannt, Schäden im Immunsystem, den Fortpflanzungsorganen und dem Nervensystem auslösen zu können. Besonders für Säuglinge in den ersten Lebensmonaten stellen sie eine Gefährdung dar, weil der Schutz vor Schadstoffen bei ihnen ohnehin noch weniger entwickelt ist. Da die Schadstoffe auch in die Muttermilch übergehen, sollten stillende Mütter darum versuchen, den Konsum belasteter Fische einzuschränken.

Ganz auf den Verzehr fetter Fische verzichten sollten stillende Frauen allerdings nicht. Denn sie sind reich an Omega-3-Fettsäuren, die wichtig für die Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensmonaten sind. Besser ist die genaue Auswahl der Fischart: Große Fische wie Thunfisch, Schwertfisch und Heilbutt, die in der Nahrungskette weit oben stehen, enthalten besonders viele Schadstoffe. Denn sie fressen täglich viele kleine Fische, die ebenfalls belastet sind – so reichert sich eine größere Schadstoffkonzentration in ihrem Körper an. Auf diese Fischarten sollten stillende Frauen darum verzichten und ihre Omega-3-Fettsäuren lieber aus kleineren Fischen wie Sardinen oder Sardellen beziehen, die weniger mit Schadstoffen belastet sind.

 

Alternative Zuchtfisch

Fische aus Aquakultur sind nicht den Schadstoffen des Meeres ausgesetzt – doch sie enthalten häufig Rückstände von Pestiziden und Antibiotika. Eine Alternative ist jedoch Fisch aus Öko-Aquakultur, beispielsweise mit dem Naturland-Siegel. Bei dieser Fischzucht sind den Erzeugern strenge Regeln auferlegt – die Tiere dürfen zum Beispiel nicht vorbeugend mit Medikamenten wie Antibiotika behandelt werden und das Wasser muss frei von Schadstoffen sein.

Hamburg, 17. April 2016

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