Warum leiden immer mehr Kinder an Depressionen?

Ein trauriges Kind
Zwei bis vier Prozent der Grundschüler machen laut Experteneinschätzungen längere depressive Phasen durch © Fotolia

Die Zahl der Depressionen bei Kindern und Jugendlichen steigt, melden Psychiater. Doch woher kommt das und wie äußern sich Depressionen bei Kindern?

Morgen beginnt der Kongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in München. Zu diesem Anlass macht der Leiter des Kongresses, Gerd Schulte-Körne von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität München, auf die steigende Zahl der Depressionen bei Kindern und Jugendlichen aufmerksam. Bei 14 Prozent der Jugendlichen treten depressive Phasen von mehreren Wochen oder Monaten auf, bei Grundschülern sind es immerhin zwei bis vier Prozent.

 

Was sind die Anzeichen von Depressionen bei Kindern?

Wenn ein Kind sich ständig zurück zieht, müde, abgeschlagen, traurig oder aggressiv wirkt, kann das den Beginn einer depressiven Phase signalisieren. Auch körperliche Symptome wie Bauchschmerzen sind mögliche Anzeichen. All diese Symptome müssen aber in jedem Fall von einem Facharzt untersucht werden, um die Diagnose zu bestätigen.

 

Was macht Kinder depressiv?

Als Ursachen für Depressionen bei Kindern nennen Experten unter anderem Überforderung und Mobbing in Schule und sozialen Netzwerken, von der beinahe 30 Prozent der Schüler betroffen sind. Die stundenlange Nutzung des Internets führt bei vielen außerdem zu einem unnatürlichen Schlaf-Wach-Rhythmus und zu Bewegungs- und Lichtmangel.

Neben erlebten Traumata können außerdem Dauerstreit oder Trennung der Eltern ausschlaggebend sein. Auch Kinder depressiver Eltern sind besonders gefährdet. Rund die Hälfte der Kinder von Betroffenen erkrankt bis zu ihrem 21. Lebensjahr selbst an einer psychischen Störung. Dabei spielt neben der erblichen Vorbelastung die schwierige Situation zuhause eine Rolle. Der Nachwuchs leidet unter fehlender Aufmerksamkeit, Streit und der bedrückenden Atmosphäre zu Hause. Viele Kinder fühlen sich außerdem für das Leid ihrer Eltern verantwortlich und sind ständig bemüht, ihre Eltern aufzuheitern. Gelingt das nicht, empfinden sie das als ihr persönliches Versagen.

 

Wie ist der Stand der Forschung?

Mehrere Forschungsprojekte beschäftigen sich zurzeit mit Behandlungs- und Vorbeugemethoden zu Depressionen bei Kindern – darunter Studien der Berliner Charité und der Ludwig-Maximilians-Universität München. Doch bisher gibt es nur wenige abgeschlossene Studien zum Thema. Ein Grund dafür ist laut Experteneinschätzungen das große Schweigen, dass das Thema Depressionen bis heute umgibt – so haben einige Wissenschaftler trotz der großen Zahl von Betroffenen Schwierigkeiten, Teilnehmer für ihre Forschungsprojekte zu finden.

Hamburg, 3. März 2015

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