Warum Kinder Gefahren so oft unterschätzen

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Das Gefahrenbewusstsein von Kindern entwickelt sich erst im Laufe der Zeit. Je jünger sie sind, desto eher unterschätzen sie mögliche Risiken im Alltag.“ © Privat

Kinder sind von Natur aus neugierig und wollen ihre Umwelt entdecken. Dabei tendieren sie oft dazu, mögliche Gefahren zu unterschätzen. Woran das liegt und wie Eltern für Sicherheit sorgen können, erklärt Kinderärztin Dr. Nadine Hess.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Kinder entwickeln sich jeden Tag weiter – und mit jeder neuen Fähigkeit wächst auch der Drang, diese zu erproben und die eigene Umwelt zu erkunden. Die Neugierde ist etwas ganz Natürliches und sollte von Eltern grundsätzlich unterstützt werden. Denn eine neue Fähigkeit muss durch Ausprobieren trainiert werden, damit sie sicher ausgeführt werden kann. Dabei sollte jedoch beachtet werden, dass Kinder nicht nur unerfahren, sondern auch leicht ablenkbar sind. Gefahren nehmen sie – wenn überhaupt – kaum wahr.

Gefahrenbewusstsein bei Kindern
Für Kinder ist jedes Hindernis eine Herausforderung – Angst kennen die Kleinen kaum© Alamy
 

Kinder unterschätzen Gefahren

Generell entwickelt sich bei Kindern oft erst ab etwa vier Jahren ein Gefahrenbewusstsein, das sich in erster Linie aus eigenen Erfahrungen und Belehrungen der Eltern zusammensetzt. Doch auch dann kann das Kind meist nur unmittelbare Gefahren erkennen: Risiken im Voraus zu identifizieren und entsprechend zu handeln, lernt es erst mit der Zeit. Das liegt vor allem daran, dass sowohl das Seh- als auch das Hörvermögen zwar von Geburt an vorhanden sind, sich aber noch entwickeln müssen. Kinder nehmen deshalb ihre Umwelt auch anders wahr als Erwachsene. So ist beispielsweise die Sicht der Kleinen durch ihre geringe Körpergröße im Alltag oft eingeschränkt, weshalb sie den Straßenverkehr anders wahrnehmen als ihre Eltern.

 

Was macht Neugierde so gefährlich?

Kinder sind sehr kreativ – auch in der Art und Weise, in der sie neu Erlerntes testen wollen. Und Eltern unterschätzen diesen Einfallsreichtum oft.  So kann es sein, dass ein Kind plötzlich anfängt, Bäume hochzuklettern, eben weil es das Klettern an sich gerade gelernt hat. Angst haben die Kleinen dabei nur selten. Und die Eltern bemerken die neue Leidenschaft des Kindes schlimmstenfalls erst, wenn es schon vom Baum gefallen ist und sich vielleicht etwas gebrochen hat. Daher sollten Eltern immer mal wieder kontrollieren, womit sich der Nachwuchs die Zeit so vertreibt – besonders, wenn das Kind draußen an einer Straße spielt. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie die Kleinen unter Dauerbewachung stellen sollen. Aber nehmen Sie sich die Zeit, immer mal wieder nach dem Rechten zu sehen. Es kann auch helfen, das Kind zu fragen, was es sich für den Tag vorgenommen hat und feste Zeiten auszumachen, in denen es sich von sich aus melden soll.

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