Warum Impfungen schon im ersten Lebenshalbjahr sinnvoll sind

Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Die ersten Impfungen sind so wichtig für Kinder, das selbst Frühchen schon geimpft werden.“ © privat

Immer wieder werden wir Kinderärzte gefragt, ob die ersten Impfungen nicht erst nach einem halben Jahr durchgeführt werden können, statt – wie laut Empfehlungen der Impfkommission (STIKO – Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes) – bereits ab dem Alter von sechs (Rotaviren) bis acht Wochen (Sechsfach- und Pneumokokken-Impfung).

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

„Das Kind ist noch so klein, das ist doch sicher noch nicht gut, es jetzt schon zu impfen, oder?“ Diese Frage stellen besorgte Eltern sehr häufig. Eines vorweg: ich kann zu gut nachvollziehen, dass man seinem Kind nichts unnötiges zumuten möchte und gerade so etwas unangenehmes wie eine Spritze oder eine nicht besonders gut schmeckende Schluckimpfung so lange wie nur möglich hinauszögert. Aber: gerade die ersten Impfungen sind so wichtig für Ihr Kind!

 

Diese Impfungen sind besonders wichtig

Der ab der achten Lebenswoche zugelassene Sechsfachimpfstoff enthält neben der Diphterie-, Tetanus-, Polio-, Haemophilus-influenza-B- und Hepatitis-B- auch eine Keuchhusten-Komponente. Und insbesondere diese ist für die ganz Kleinen wichtig. Zum einen deshalb, weil Keuchhusten bei Säuglingen zu Apnoen, also Atemaussetzern führen kann, die tödlich sein können. Zum anderen, weil es für Keuchhusten keinen sogenannten Nestschutz gibt, die Antikörper also nicht von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Hinzukommt, dass weder die durchgemachte Erkrankung, noch die Impfung lebenslang vor Keuchhusten schützen.

 

Keuchhusten-Impfung muss aufgefrischt werden

Was viele nicht wissen: Man muss den Impfschutz auch als Erwachsener immer wieder auffrischen, auch wenn eine Keuchhustenerkrankungen bei Erwachsenen viel weniger dramatisch verläuft, als bei Kindern. Man hat oft nur einen lästigen Reizhusten, der nicht weggehen mag. Aber es kommt nur selten zu regelrechten Hustenkrämpfen, die bis zum Erbrechen führen. An Keuchhusten denkt man in der Regel bei Erwachsenen gar nicht. Somit kommt es immer wieder zu unerkannten Keuchhusteninfektionen bei Erwachsenen, die gefährlich für Babys sein können.

 

Rotaviren-Impfung schützt vor schweren Erkrankungsverläufen

Zusätzlich empfiehlt die STIKO die Impfung gegen 13 Pneumokokken-Erreger. Besonders Kinder bis zu einem Alter von zwei Jahren können an dem Erreger schwer erkranken, im schlimmsten Falle kann die Erkrankung sogar einen tödlichen Verlauf nehmen.

Auch die Rotaviren-Impfung, die ab dem Alter von sechs Wochen nach Geburt zugelassen ist, ist gerade für die Kleinsten sinnvoll. Häufig erkranken sie an der Magen-Darminfektion so schwer, dass sie im Krankenhaus wegen akuter Austrocknung mit Infusionen behandelt werden müssen. Eine Erkrankung an Rotaviren ist auch durch die Impfung nicht immer zu vermeiden, die schweren Verläufe, die stationär therapiert werden müssen, können jedoch zu einem sehr hohen Prozentsatz vermieden werden.

 

Auch Frühchen werden schon geimpft

Und eine Information gebe ich den Eltern bezüglich des Alters mit auf den Weg: selbst Kinder, die bereits in der 25. Schwangerschaftswoche – und somit 15 Wochen zu früh – auf die Welt kommen, impfen wir sechs, beziehungsweise acht Wochen nach der Geburt mit den gleichen Impfstoffen wie die reifgeborenen Kinder im Alter von 2 Monaten. Daran sieht man sehr deutlich: die Impfung ist so wichtig, dass wir selbst Kinder, die eigentlich noch gar nicht auf der Welt wären (wenn sie nicht zu früh geboren wären), impfen. Das liegt daran, dass der Impfstoff so sicher und gut verträglich ist, dass selbst die ganz Kleinen damit geschützt werden können. Die möglichen Folgen bei einer Erkrankung wie Masern (Impfung ab 11 Monaten empfohlen) oder Polio sind sehr schwer und können im schlimmsten Falle zum Tod führen. Wenn man dann bedenkt, dass man solche Folgen mit einer Impfung vermeiden kann, dann nimmt man einen kleinen Pieks oder eine nicht so gut schmeckende Schluckimpfung doch gerne in Kauf. Bei Fragen und Sorgen bezüglich der empfohlenen Impfungen wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Kinderarzt. Er wird Ihre Bedenken sicherlich aus dem Weg räumen können.

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