Warum habe ich ständig kalte Finger?

Kalte Finger im Winter
Mit der kalten Jahreszeit kommen auch die kalten Finger. Wer jedoch das ganze Jahr hindurch über kalte Hände und Füße klagt, sollte sich unbedingt untersuchen lassen © Fotolia

Wenn wir uns im Winter draußen aufhalten, frieren unsere Finger am meisten. Das ist normal: Die Extremitäten sind immer etwas kühler als der Rest des Körpers, weil die lebenswichtigen Organe wie Herz und Gehirn als erstes und am gründlichsten mit Blut versorgt werden. Doch wenn die Finger sich auch im geheizten Raum wie Eiszapfen anfühlen, könnte eine Krankheit dahinterstecken. Wir haben die häufigsten Ursachen für Sie zusammengestellt.

 

Raynaud-Syndrom

Hinter chronisch kalten Fingern kann das sogenannte Raynaud-Syndrom stecken. Dabei ziehen sich die Blutgefäße in den Fingern anfallartig zusammen und es kommt zu Durchblutungsstörungen. Auch Störungen im weiblichen Hormonhaushalt können eine Rolle spielen. Etwa 80 Prozent der Frauen sind davon betroffen. In der Folge erblassen die Finger – im Volksmund wird das Phänomen darum auch als Leichenfinger oder Weißfingerkrankheit bezeichnet. Die Finger fühlen sich kalt und manchmal taub an und können auch schmerzen. Von dem Raynaud-Syndrom können auch Zehen, Nase oder Ohren betroffen sein.

Die Anfälle werden häufig durch Kälte oder Stress ausgelöst. Vielen Betroffenen helfen beheizbare Handschuhe, auch der Verzicht auf gekühlte Getränke und kalte Lebensmittel kann die Anfallhäufigkeit vermindern. Außerdem hilft gezielte Entspannung gegen den Stress – die besten Tipps finden Sie hier. Helfen diese Maßnahmen nicht, können Medikamente (z.B. Nifedipin oder Nitroglyzerin) eingesetzt werden – das wird vor allem notwendig, wenn Gewebeschädgungen auftreten.

Auch wenn das Raynaud-Syndrom meist harmlos ist, kann es Symptom einer anderen Erkrankung sein, beispielsweise von Rheuma, Arterienverkalkung, Multiple Sklerose und verschiedene Krebserkrankungen. Betroffene sollten das von einem Arzt abklären lassen.

 

Schilddrüsenunterfunktion

Es gehört zu den Aufgaben der Schilddrüse, die Körpertemperatur zu regulieren. Ist ihre Aktivität vermindert, verlangsamen sich die Körperfunktionen. Die Folgen: Müdigkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung – und ständiges Frieren, auch in den Fingern.

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird mit Schilddrüsenhormonen (Thyroxin) behandelt. Betroffene sollten regelmäßig ihr Blut untersuchen lassen, um festzustellen, ob die Therapie ausreichend wirkt. Die Hormone müssen in der Regel dauerhaft eingenommen werden.

 

Durchblutungsstörungen

Kalte Finger können auch ein Anzeichen für eine arterielle Durchblutungsstörung sein. Durch Ablagerungen in den Gefäßwänden sind diese so sehr verengt, dass das Blut nicht ungehindert fließen kann. Kneippbäder sowie Saunagänge fördern die Durchblutung.

 

Blutarmut

Blutarmut (Anämie) tritt auf, wenn Ihr Körper nicht genügend rote Blutkörperchen aufweist oder die Menge an Hämoglobin im Blut niedrig ist. Anämie führt zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Körpers, die kalte Finger hervorrufen kann. Ursachen können Eisenmangel, ein Blutverlust (aufgrund der starken Regelblutungen, Geschwüre, Blutungen im Magen-Darm-Trakt), bestimmte Krebsarten und Verdauungsstörungen (wie Zöliakie oder Morbus Crohn) sein. Zusätzlich zu kalten Händen kann eine Anämie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Kurzatmigkeit und blasse Haut verursachen. In den meisten Fällen können die Eisenmangel-Anämie sowie ihre Symptome mit einem Eisenpräparat behandelt werden.

 

Niedriger Blutdruck

Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann aus verschiedenen Gründen auftreten. Die häufigsten sind Dehydrierung, Blutverlust, bestimmte Medikamente und Störungen des Hormonhaushalts. Zu einem niedrigen Blutdruck kommt es, wenn die Blutgefäße nicht stark genug pulsieren und das Blut weiter befördern, oder wenn das Herz nicht genug Blut in den Körperkreislauf pumpt. Wenn Sie Symptome einer Hypotonie bei sich feststellen, z.B. Schwindel, verschwommenes Sehen, Müdigkeit, Übelkeit, Schwäche, und Verwirrung, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Das hilft: Zehnmal die Hände zur Faust ballen und wieder öffnen. Dadurch wird Blut zusätzlich in den Kreislauf gepumpt. Weitere Tipps finden Sie hier.

 

Stress und Angst

Angst vor etwas zu haben oder unter Stress zu stehen, hat Auswirkungen auf die Körperteile – die Hände bilden da keine Ausnahme. Wenn Sie chronischen Stress oder Angst erleben, geht Ihr Körper in den Modus "Kampf oder Flucht". Unter Anspannung schüttet der Körper Adrenalin aus. Die Folge: Die Blutgefäße in den Extremitäten verengen sich und wir bekommen kalte Finger und Hände (sowie Zehen und Füße).

Warme Getränke wärmen von innen, bauen Spannungen ab und reduzieren Stress: ungesüßte Tees, vor allem grüner und Kräutertee, heißes Wasser oder warme Milch mit Honig wirken sofort.

 

Medikamente

Auch Medikamente können schuld an Ihren kalten Fingern sein. Es gibt viele Medikamente, die die Blutgefäße – insbesondere die Arterien – verengen können. Einige dieser Medikamente sind Beta-Blocker, einige Krebsmedikamente, Migräne-Medikamente und OTC-Schmerzmittel. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, um herauszufinden, ob eine der Medikamente, die Ursache Ihrer Beschwerden sein könnten und fragen Sie nach Alternativen.

 

Rauchen

Auch Nikotin kann einen Einfluss auf Ihre Finger haben: Es bewirkt, dass die Blutgefäße sich verengen und sich Plaque in den Arterien bildet. Dadurch wird der Blutfluss zu den Extremitäten gestört.

Aber: Kalte Finger können Sie durch eine gesunde Lebensweise vermeiden: Verzichten Sie auf Zigaretten, achten Sie auf eine gesunde Ernährung und genügend sportliche Bewegung.
 

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