Warum Frauen schneller frieren – und Männer schuld daran sind

Frau friert im Büro
Forscher der Universität Maastricht haben festgestellt: Frauen mögen es im Büro wärmer als Männer © Shutterstock

Während Männer im Büro alle Fenster aufreißen, ist vielen Frauen selbst im Sommer in den Räumen ständig kalt. Forscher haben jetzt eine Erklärung dafür gefunden.

Jeden Tag das Gleiche: Draußen herrschen hochsommerliche Temperaturen, drinnen kühlt die Klimaanlage so stark, dass Frauen sich nur mit heißem Tee und Strickjacke an die Arbeit machen können. Während Männer den Temperaturregler gern nach unten schieben, treiben Frauen ihn wieder in die Höhe. Der Mann schwitzt, die Frau friert. Ein Klischee? Das wollten jetzt zwei niederländische Biologen herausfinden und heizten damit die Debatte ums Raumklima an.

 

Stoffwechsel zwischen den Geschlechtern unterscheidet sich

Ihrer Meinung nach wird der Stoffwechsel von Frauen beim Beheizen und Kühlen von Büros zu wenig berücksichtigt. Vielmehr richtet sich die Raumtemperatur nach der Körperwärme von Männern. Für ihr Experiment ließen die Wissenschaftler Studentinnen Büroarbeiten in einem klimatisierten Raum verrichten. Anschließend wurden der Sauerstoff- und CO2-Gehalt im Raum, die Wärme der Haut und die Körpertemperatur der Studentinnen gemessen. Das Ergebnis: Die Stoffwechselrate der Frauen war 20 bis 32 Prozent niedriger als angenommen. Resultat: Der Körper von Frauen produziert weniger Eigenwärme.

 

Klimaanlagen richten sich nach Modell der 1960er Jahre

Dass Frauen bei der Einstellung der Raumtemperatur benachteiligt werden, hat einen einfachen Grund: Weltweit orientieren sich die Klimaanlagen noch immer an einem Modell aus den Sechzigerjahren. Dieses berücksichtigt den Stoffwechsel eines Mannes, der 40 Jahre alt ist und ein Gewicht von 70 Kilogramm auf die Waage bringt. Er produziert rund 60 Watt Wärmeenergie pro Quadratmeter Hautoberfläche. Junge Frauen hingegen kommen auf nur 48 Watt. Das bedeutet: Sie frieren schneller.

 

Frauen fühlen sich bei 25 Grad wohl

Die deutsche Arbeitsstätten-Regelung sieht eine Raumtemperatur zwischen 20 und 26 Grad Celsius vor – in Büros, in denen Tätigkeiten hauptsächlich im Sitzen ausgeübt werden. Boris Kingma, Biophysiker der Uni Maastricht und Studienverantwortlicher, erklärt, dass sich Frauen bei 25 Grad Celsius am wohlsten fühlen, Männer hingegen bei 22 Grad Celsius. „Viele Männer gehen davon aus, Frauen würden sich nur anstellen, aber sie können nichts dafür", sagt der Forscher. „Wenn man die Bedürfnisse der Menschen in den Gebäuden besser kennt, kann man diese so designen, dass sie deutlich weniger Energie verbrauchen.“

Die Studie ist in der Fachzeitschrift „Nature Climate Change“ erschienen.

Hamburg, 5. August 2015

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