Ärzte warnen: nicht vor dem Fernseher einschlafen

Verena Elson Medizinredakteurin

Es ist einfach so gemütlich: In die Kissen kuscheln, Fernseher an und entspannen. Und einschlummern. Doch letzteres sollten wir tunlichst vermeiden, zeigt eine aktuelle Studie.

Eine Frau ist vor dem Fernseher eingeschlafen
Vor dem Fernseher einschlafen macht dick, zeigt eine aktuelle Studie Foto:  iStock/seb_ra

Frauen, die mit laufendem Fernseher oder einem anderen künstlichen Licht schlafen, haben ein erhöhtes Risiko für Übergewicht und Fettleibigkeit – das fanden Wissenschaftler um Yong-Moon Park an den National Institutes of Health in Bethesda (Maryland) heraus. 

Die Forscher werteten Daten von 43.722 Frauen aus, die im Rahmen der sogenannten Sister Study erfasst wurden. Die Sister Study ist eine große Kohortenstudie mit mehr als 50.000 Frauen aus den USA und Puerto Rico, deren Schwestern an Brustkrebs erkrankt sind.

Die Probandinnen waren zu Studienbeginn zwischen 35 und 74 Jahre alt. In Fragebögen machten sie Angaben zu ihren Schlaf- und Einschlafgewohnheiten: ob sie etwa bei laufendem Fernseher einschliefen, nachts Licht brennen ließen oder in kompletter Dunkelheit schliefen. Zu Studienbeginn und fünf Jahre später gaben die Frauen ihr Gewicht, ihre Größe, ihren Taillen- und Hüftumfang sowie ihren Body-Mass-Index (BMI) an.

 

Vor dem Fernseher einschlafen macht dick

Die Forscher beobachteten: Frauen, die mit Licht oder laufendem Fernseher schliefen, nahmen in dem fünfjährigen Beobachtungszeitraum mit einer um 17 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit 11 Pfund (ca. fünf Kilogramm) oder mehr an Gewicht zu als Frauen, die in kompletter Dunkelheit schliefen. Ein kleines Nachtlicht im Schlafzimmer hatte keine Auswirkungen; Licht, dass von außen in den Raum drang, nur sehr geringe.

 

Warum lässt mich nächtliches Licht zunehmen?

Der Zusammenhang zwischen dem nächtlichen Licht im Schlafzimmer und der Gewichtszunahme wurde in der Studie nicht untersucht. Die Forscher vermuten allerdings, dass er hormonelle Gründe hat: „Menschen sind genetisch an eine natürliche Umgebung angepasst, die aus Sonnenlicht am Tag und Dunkelheit in der Nacht besteht“, erklärt Co-Autorin Chandra Jackson. „Die Exposition gegenüber künstlichem Licht in der Nacht kann hormonelle und andere biologische Prozesse so verändern, dass das Risiko für gesundheitliche Probleme wie Übergewicht zunimmt.“

Vergangene Studien zeigten bereits: Wer schlecht schläft, nimmt schneller zu. Und wer nachts Licht ausgesetzt ist, schläft schlechter. Das liegt daran, dass das Licht den Körper davon abhält, eine ausreichende Menge des „Schlafhormons“ Melatonin auszuschütten.

 

Fernseher aus dem Schlafzimmer verbannen

Auch die Gewichtszunahme nach unerholsamen Nächten hat hormonelle Gründe: Menschen, die täglich weniger als sechs Stunden schlafen, produzieren vermehrt das Hormon Ghrelin, das für die Steuerung von Hunger und Sättigung verantwortlich ist. Befinden sich große Mengen davon im Körper, drosselt es den Energieumsatz und verhindert, dass die Fettspeicher abgebaut werden.

Die Studienleiter raten Frauen darum, den Fernseher und andere Lichtquellen aus dem Schlafzimmer zu verbannen – damit ist ein erster, einfacher Schritt getan, Übergewicht vorzubeugen.

Quelle:
Park, Y.-M. et al. (2019): Association of Exposure to Artificial Light at Night While Sleeping With Risk of Obesity in Women, in: Jama Internal Medicine.

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