Warum Fett vor Demenz schützt

Rasmus Cloes
Dicker und dünner Mann
Übergewicht steht mit vielen Krankheiten in Verbindung. Vor Demenz scheint es hingegen zu schützen © Fotolia

Eine neue Studie stellt alles infrage, was bisher über Demenz bekannt war. Die These: Übergewicht kann einen vor der Krankheit bewahren. Doch es gibt eine Schwachstelle.

Ein guter Grund, ein paar Pfunde zuzulegen: Wer im mittleren Lebensalter übergewichtig ist, dessen Demenzrisiko liegt im Vergleich zu Normalgewichtigen um 30 Prozent niedriger. Bei Untergewichtigen erhöht sich das Risiko dagegen um etwa ein Drittel.

Die Ergebnisse der großen Studie, die vor kurzen in der Fachzeitschrift Lancet Diabetes and Endocrinology veröffentlich wurde, haben sogar die Wissenschaftler selbst überrascht. Sie schreiben: „Bislang wurde fälschlicherweise behauptet, dass Übergewichtige ein höheres Demenzrisiko haben. In Wirklichkeit zeigt sich, dass erhöhtes Gewicht sogar schützt.“

 

Übergewicht schützt vor Demenz

Laut der Studie haben Menschen mittleren Alters (40 Jahre und älter) mit einem BMI von unter 20 das höchste Risiko. Ihre Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens an Demenz zu erkranken, ist um 34 Prozent erhöht – im Vergleich zu Menschen mit einem BMI zwischen 20 und 25.

Und dieser Trend setzt sich fort. Personen mit einem BMI von über 40 – Fachleute sprechen ab diesem Wert von krankhafter Fettleibigkeit – hatten ein 29 Prozent geringeres Demenzrisiko. Hier können Sie Ihren BMI berechnen.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass Ärzte, Gesundheitswissenschaftler und Politiker ihr Wissen über Demenz und Übergewicht fundamental überdenken müssen“, sagt Professor Stuart Pocock, einer der Autoren der Studie. Verstünde man eines Tages, warum dass so ist, würde es komplett neue Möglichkeiten für die Therapie von Demenz eröffnen.

 

Keine Erklärung für die Verbindung zwischen BMI und Demenz

Für ihre Studie, untersuchten die Forscher Gesundheitsdaten von zwei Millionen Menschen aus Großbritannien. Daran konnten sie allerdings nur die Verbindung zwischen BMI und Demenz feststellen – Aussagen über Ursachen können sie anhand der Daten nicht treffen. Studienleiter Dr. Nawab Qizilbash sagte dem englischen Guardian: „Wir haben dieses Ergebnis, das alle vorherigen Studien überschattet. Wir müssen uns jetzt fragen, ob es eine andere Erklärung dafür gibt.“

In ihrer Studie vermuten die Wissenschaftler, dass Ernährung, Bewegung, genetische Faktoren oder Gewichtsveränderungen eine Rolle bei der Entwicklung von Demenz spielen könnten. Andere Studien weisen auf einen Einfluss von Vitamin E oder C hin. Aber das bleiben Vermutungen.

 

Experten sind skeptisch

Auch andere Experten betrachten die Ergebnisse mit Vorsicht. Dr. Simon Ridley, wissenschaftlicher Leiter bei der gemeinnützigen Forschungseinrichtung Alzheimer’s Research UK, sagte: „Viele andere Studien haben uns gezeigt, dass Übergewicht das Demenzrisiko erhöht. Jetzt sehen wir, wie schwer es ist klare Aussagen zu treffen.“

Hinzu komme noch, dass der BMI nicht unbedingt etwas über den Fitnessgrad einer Person aussage. Er fügt noch hinzu: „Der beste Bekannte Schutz vor Demenz bleibt eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, der Verzicht aufs Rauchen und ein niedriger Blutdruck."

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