Warum Diabetiker gut schlafen sollten

Carolin Banser
Mann mit CPAP
Die sogenannte obstruktive Schlafapnoe (OSA) erhöht das Risiko einer Erblindung bei Typ-2-Diabetes © istock

Schlafapnoe und Diabetes gehen oft miteinander einher. Wie gravierend die Folgen sein können, erfahren Sie hier.

Jedes Jahr erblinden in Deutschland rund 6000 Diabetiker aufgrund eines Netzhautleidens (diabetische Retinopathie). Laut einer Studie der Universität Birmingham haben Typ-2-Diabetiker, die zusätzlich unter obstruktiver Schlafapnoe leiden, ein zusätzlich erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten vier Jahre eine sogenannte diabetische Retinopathie zu entwickeln, als Diabetes-Patienten, die erholsam schlafen. Die diabetische Retinopathie ist eine der häufigsten Ursachen für den Verlust des Augenlichts in den westlichen Industrieländern. Dabei werden die kleinsten Blutgefäße durch hohe Zuckerwerte geschädigt und können so die Netzhaut nicht mehr ausreichend versorgen. Folge: Sie stirbt ab.

Die sogenannte obstruktive Schlafapnoe – kurz OSA –  ist eine spezielle Form der Schlafstörung und zugleich die häufigste. Während des Schlafs erschlaffen die Zunge, der weiche Gaumen oder auch der Kehldeckel, sodass die oberen Atemwege blockiert werden. Dann kommt es zu sogenannten Apnoen. Solche Atemaussetzer können sich mehrmals pro Stunde wiederholen. Oft fehlt dann Sauerstoff im Blut. Etwa fünf bis zehn Prozent der Deutschen leiden darunter – häufig, ohne es zu wissen.

 

Zusammenhang zwischen OSA und diabetischer Retinopathie bekannt

Frühere Forschungen haben bereits einen Zusammenhang zwischen OSA und diabetischer Retinopathie vermuten lassen. Doch jetzt haben Wissenschaftler erstmals Untersuchungen über die Auswirkungen der OSA auf die Entwicklung der diabetischen Retinopathie bei Patienten mit Typ-2-Diabetes durchgeführt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich im Fachmagazin American Journal of Respiratory und Critical Care Medicine.

230 Patienten mit Typ-2-Diabetes nahmen an der Studie teil. Ausgenommen waren Personen, bei denen bereits eine OSA oder Atemwegserkrankungen diagnostiziert wurden. Anhand spezieller bildgebender Verfahren konnten bei den Patienten Veränderungen der Retina dargestellt und analysiert werden. Unter Verwendung eines sogenannten Polygraphie-Geräts wurde der Atemfluss beurteilt.

Die Ergebnisse zeigten, dass die diabetische Retinopathie bei Patienten mit OSA fast doppelt so häufig auftrat (42,9 Prozent) wie bei der Kontrollgruppe ohne OSA (24,1 Prozent). Die Studie ergab außerdem, dass Diabetes-Betroffene mit OSA im Durchschnitt 43 Monate später eine moderate bis schwere diabetische Retinopathie entwickelt hatten (18,4 Prozent). Bei Diabetes-Patienten ohne OSA waren nur rund 6,1 Prozent von der Augenerkrankung betroffen.

 

Eine Behandlung der Schlafapnoe kann das Retinopathie-Risiko verringern

Die Forscher konnten beweisen, dass Patienten, die im Rahmen der OSA-Behandlung eine Atemmaske trugen, die an ein Beatmungsgerät gekoppelt war (eine spezielle Beatmungsmethode, deren Luftstrom dafür sorgt, dass der Rachenbereich kontinuierlich offengehalten wird), ein geringeres Risiko hatten, an einer Retinopathie zu erkranken. Der leitende Autor der Studie – Doktor Abd Tahrani – empfiehlt Ärzten daher, bei Typ-2-Diabetikern verstärkt nach Schlafproblemen zu fragen, um eine mögliche Apnoe im Schlaflabor abklären zu lassen.

Er fügte hinzu: "Es ist wichtig, dass Mediziner sich bewusst machen, dass ihre Patienten, die auch an OSA leiden, ein besonders erhöhtes Risiko haben, eine fortgeschrittene Retinopathie zu entwickeln. Daher sollten entsprechende präventive Maßnahmen eingeführt werden.“

 

Schlafapnoe erfolgreich bekämpfen

Ein CPAP-Beatmungsgerät (CPAP für Continuous Positive Airway Pressure) versorgt Patienten mit nächtlichen Atemaussetzern wieder mit genügend Sauerstoff. Wird das Gerät vom Arzt verordnet, übernimmt in vielen Fällen sogar die Krankenkasse die Kosten für ein Leihgerät.

Wie Sie außerdem erholsam in den Schlaf finden, können Sie in dieser Bildergalerie entdecken.

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