Warum Diabetiker den Herzinfarkt oft nicht bemerken

Verena Elson Medizinredakteurin
Ein Patient wird in den Krankenwagen gebracht
Bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde – darum ist es fatal, wenn er nicht rechtzeitig erkannt wird. Bei Diabetikern bleiben die typischen Symptome häufig aus © iStock

Bei starken Schmerzen in der Brust läuten bei den meisten Menschen die Alarmglocken: Sie sind das bekannteste Anzeichen eines Herzinfarkts. Doch bei Diabetikern bleiben die Schmerzen häufig aus. Wie kommt es dazu und was können Betroffene tun um vorzubeugen?

In einer Studie mit 39 Diabetikern, die alle bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, untersuchten Wissenschaftler des University College London, wie Diabetiker einen Herzinfarkt erleben.

Dabei zeigte sich: Die Mehrzahl der Teilnehmer hatte die Symptome – etwa einen leichten Schmerz in der Brust und unspezifische Beschwerden wie Schwächegefühl – als zu schwach wahrgenommen, um sie auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Wie kommt das?

 

Warum spüren Diabetiker bei einem Herzinfarkt weniger?

Ein erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer die Blutgefäße. In der Folge werden die Nerven nicht mehr mit genügend Nährstoffen versorgt und sterben ab. Zudem stellt der Körper bei einem dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel seinen Stoffwechsel um. Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die wiederum nervenschädigend wirken. Diese sogenannte diabetische Neuropathie führt dazu, dass Betroffene ein verringertes Schmerzempfinden haben und Verletzungen weniger stark oder gar nicht wahrnehmen.

So kommt es beispielsweise zu dem sogenannten diabetischen Fuß, bei dem tiefe, schlecht heilende Wunden an den Füßen entstehen, die teilweise lange unbehandelt bleiben, weil die Betroffenen sie nicht bemerken. Betrifft die Neuropathie die Nerven am Herzen, kann es sein, dass der Patient durch sein verringertes Schmerzempfinden den Herzinfarkt nicht wahrnimmt – in solchen Fällen sprechen Mediziner von einem „stummen Herzinfarkt.“

 

Vorsorge und Wachsamkeit – für Diabetiker besonders wichtig

Das geringe Schmerzempfinden kann für Diabetiker bei einem Herzinfarkt lebensgefährlich werden. Denn da der stumme Herzinfarkt häufig später oder gar nicht erkannt wird, ist das Risiko daran zu sterben besonders hoch.

Für Diabetiker und ihre Angehörigen ist es darum wichtig, auch leichte und unspezifische Symptome eines Herzinfarkts ernstzunehmen. Dazu gehören neben leichten Schmerzen im Arm oder im Brustbereich Atemnot, Schwächegefühl und eine vorübergehende Bewusstlosigkeit. Auch ein Engegefühl in der Brust, plötzlich auftretende Angst, Übelkeit, Erbrechen und kalter Schweiß können auf einen Herzinfarkt hinweisen.

Zusätzlich sollten Diabetiker regelmäßig ihre Herzgesundheit von einem Arzt überprüfen lassen, beispielsweise mit einem Belastungs-EKG. Auch der Blutdruck sollte regelmäßig im Alltag und unter Belastung kontrolliert werden – beispielsweise mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung.

Diabetiker sollten außerdem versuchen, ihre persönlichen Risikofaktoren für einen Herzinfarkt so weit wie möglich einzuschränken. Das gelingt neben einer eventuellen Gewichtsabnahme durch eine ausgewogene Ernährung (Transfette meiden, viel Gemüse, Fisch und pflanzliche Öle) und regelmäßigen Sport. Wie viel Sport sie sich zutrauen können, sollten Betroffene mit ihrem Arzt absprechen – die besten Sportarten für Diabetiker finden Sie hier. Raucher sollten außerdem mit dem Rauchen aufhören – damit senken sie ihr Herzinfarkt-Risiko erheblich.

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