Warum arbeitet ein Hund im Krankenhaus?

Ein zweijähriger Hund ist der neue „Hygiene-Beauftragte“ in einem kanadischen Krankenhaus. Was steckt dahinter?

Patienten und Angestellte des Vancouver General Hospitals haben sich längst in ihn verliebt: Angus. Der schwarz-weiß gefleckte English Springer Spaniel wuselt durch die Gänge des Krankenhauses und beschnüffelt jede Ecke und jeden Winkel. Aber sind Hunde an sterilen Orten wie Krankenhäusern überhaupt erlaubt? Dieser Hund ja! Er ist nämlich eine Art Hygiene-Beauftragter für das Vancouver General Hospital.

 

Ein feiner Riecher für alles Gefährliche

Seinen neuen Job verdankt der zweijährige Angus seiner Besitzerin Teresa Zurberg. Nachdem sie sich im Krankenhaus wegen einer Schnittwunde am Knie behandeln lassen hatte, erlitt sie eine Infektion mit dem Krankenhaus-Keim Clostridium difficile, kurz C. diff. Sie musste eine Woche in der Klinik verbringen und verlor innerhalb kurzer Zeit zehn Kilogramm. „Es war furchtbar, ich wäre fast gestorben“, erinnert sie sich an die schwere Zeit. Zurberg arbeitet eigentlich als Tiertrainerin und bildet Vierbeiner als Drogen- und Sprengstoffspürhunde aus. Das brachte sie auf die Idee, dass Hunde auch Krankenhauskeime aufspüren könnten. Ihr eigener Spaniel Angus durchlief daraufhin eine eineinhalbjährige Ausbildung und wurde danach direkt vom Vancouver General Hospital eingestellt. Er hat sogar seinen eigenen Hausausweis.

Clostridium difficile ist ein typischer Krankenhauskeim, der zu Durchfällen, Fieber und Bauchkrämpfen führen kann. Bei schweren Krankheitsverläufen können die Durchfälle tödlich enden. Man geht davon aus, dass etwa 20 bis 40 Prozent der Krankenhauspatienten mit C. difficile besiedelt sind. Hauptrisiko für eine Infektion sind schlechte Hygiene und eine durch zu viel Antibiotika-Einnahme geschädigte Darmflora.

Damit ist Angus der einzige Hund auf der Welt, der den Keim erkennen kann. „Wir finden immer neue Wege, die medizinische Versorgung zu verbessern“, sagt Gesundheitsminister Terry Lake. „Manchmal liegt die Lösung eben nicht in mehr Technologien, sondern im besten Freund des Menschen“.

Auch die Krankenhausmitarbeiter freuen sich über ihren neuen Kollegen: „Wir sind begeistert, dass Angus unser Infektionsbekämpfungsteam im Kampf gegen C. diff unterstützt“, sagt Dr. Elizabeth Brice, Regionaldirektorin der medizinischen Infektionskontrolle der Vancouver Coastal Health. „Wie wir wissen, ist Angus noch jung und seine Ausdauer wird wachsen. Deshalb prüfen wir gerade noch mehr Optionen, um ihn einzusetzen“.

 

Der neue Kollege räumt auf

Zur Zeit ist es Angus’ Aufgabe, auf Fluren und in den Zimmern des Krankenhauses C. diff aufzuspüren und Alarm zu schlagen. Sobald ein Bereich identifiziert ist, wird er mit modernen UV-Licht-Robotern desinfiziert, die die Bakteriensporen zu 99,9 Prozent entfernen. „Wir können jetzt große Bereiche in einer kurzen Zeit checken“, sagt Angus’ Besitzerin und Trainerin Teresa Zurberg stolz.  

In Deutschland werden Hunde im klinischen Bereich vor allem in der Diabetes-Früherkennung eingesetzt, da sie einen erhöhten Blutzuckerspiegel am Atem der Patienten erschnüffeln können. Studien haben gezeigt, dass Hunde auch in der Lage sind, Krebs und Epilepsie in der Atemluft wahrzunehmen. Das Beispiel aus Kanada zeigt, dass die feinnasigen Vierbeiner in Zukunft vielleicht einen festen Platz in der medizinischen Vorsorge einnehmen könnten.

© by WhatsBroadcast

Hamburg, 6. Juli 2016

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.