Warnung vor der modernen Antibabypille

Redaktion PraxisVITA

Die Techniker Krankenkasse weist auf ein höheres Thrombose-Risiko durch einige moderne Generationen der Antibabypille hin. Trotz stärkerer Nebenwirkungen werden die neuen Präparate häufiger verschrieben als ältere, ergibt eine Untersuchung der Krankenkasse.

Die Techniker Krankenkasse (TK) kritisiert die steigenden Verordnungen von modernen Generationen der Antibabypille. Der Grund ihrer Kritik: Neue Präparate bergen häufig ein wesentlich größeres Risiko für die Bildung von Thrombosen (Blutgerinnseln) als ältere Pillen – bei einigen Präparaten ist das Thrombose-Risiko noch nicht abschließend geklärt.

Dennoch werden die moderneren Generationen der Antibabypille als vermeintlich besser angesehen und wesentlich häufiger verschrieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der TK – die Erkenntnisse wurden im „Pillenreport 2015“ vorgestellt. Ein Forscherteam der Universität Bremen analysierte dazu Daten von TK-Versicherten.

„Alle derzeit verfügbaren Antibabypillen sind zuverlässige Verhütungsmittel, aber die verschiedenen Präparate haben unterschiedliche Risiken und Nebenwirkungen“ so Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK). Er plädiert dafür, dass Ärzte bei der Verschreibung der Antibabypille die Risiken sorgfältiger abwägen und im Zweifelsfall zu einem älteren Präparat greifen. Außerdem sollten sich junge Frauen seiner Meinung nach besser über Risiken und Nebenwirkungen informieren, bevor sie sich für ein Präparat entscheiden. „Es handelt sich um ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel und nicht um ein Lifestyle-Produkt.“

Antibabypille
Neue Generationen der Antibabypilly können das Thrombose-Risiko deutlich erhöhen© iStock
 

Welche Antibabypille erhöht das Thrombose-Risiko?

Bereits seit Entwicklung der Antibabypille ist bekannt, dass das Verhütungsmittel das Thrombose-Risiko erhöht – allerdings ist die Gefahr bei verschiedenen Präparaten unterschiedlich hoch. Das liegt an ihren Inhaltsstoffen: Antibabypillen enthalten sogenannte Gestagene. Das sind Hormone, die dem Körper eine Schwangerschaft vortäuschen und so den Eisprung verhindern. Wie stark die Pille das Thrombose-Risiko erhöht, hängt von den verwendeten Gestagenen ab.

In Deutschland sind zurzeit vier „Generationen“ der Antibabypille erhältlich – denn im Laufe der Zeit hat sich die Zusammensetzung der Wirkstoffe verändert. Während Präparate der ersten und zweiten Generation auf dem Gestagen Levonorgestrel basieren, werden in Pillen der dritten und vierten Generation neu entwickelte Gestagene wie beispielsweise Drospirenon eingesetzt.

Laut TK-Report besteht das geringste Thrombose-Risiko bei Präparaten mit den Gestagenen Levonorgestrel, Norgestimat und Norethisteron, während Drospirenon (z.B. in der Antibabypille Yasmin) ein bis zu doppelt so hohes Risiko birgt.

 

Hohes Risiko für Nebenwirkungen

Besonders die 2012 auf den Markt gebrachte moderne Antibabypille Zoely steht in der Kritik der Experten. Laut TK-Bericht ist ihre Qualität schlechter zu bewerten als die vergleichbarer Präparate. Das Thromboserisiko ist bei der Einnahme dieses Präparats demnach höher als bei anderen und auch andere Nebenwirkungen treten häufiger auf. Aufgrund von Sicherheitsbedenken ist diese Pille in den USA noch nicht zugelassen.

„Sie haben eine Zulassung, also werden sie verschrieben. Vor allem bei jungen Frauen, die nicht rauchen und kein Übergewicht haben, spricht auf den ersten Blick auch nichts gegen die modernen Antibabypillen“, so Professor Gerd Glaeske von der Universität Bremen. „Aber neu ist nicht immer gleich besser, im Gegenteil: Die Pillen der früheren Generationen schützen genauso gut vor einer ungewollten Schwangerschaft und haben ein geringeres Thromboserisiko.“

 

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