Wann sollte mein Kind ins Bett und wie viel Schlaf braucht es?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Kinderärztin Dr. Nadine Hess: „Viele Teenager sind Nachteulen. Doch auch für sie ist genug Schlaf sehr wichtig, daher sollten Eltern das Schlafverhalten im Auge behalten.“ © Privat

Viele Teenager sind Nachteulen. Doch laut einer neuen Studie fällt es den Betroffenen aus diesem Grund schwer, ihre Emotionen und ihr Verhalten zu kontrollieren. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wann Kinder am besten schlafen gehen sollten und was gegen Einschlafprobleme hilft.

 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Bedingt durch den Rhythmus der inneren Uhr fällt es gerade vielen Teenagern schwer, vor elf Uhr abends zu schlafen. Viele von ihnen sind sogar richtige Nachteulen, die gerne lange wach sind und von alleine selten früher als zwölf Uhr zu Bett gehen. Eine neue US-Studie deutet nun darauf hin, dass diese Teenager aber nicht nur mit Übermüdung zu kämpfen haben: Wer freiwillig lange aufbleibt, habe demnach eher Schwierigkeiten, tagsüber sein Verhalten und seine Emotionen zu kontrollieren. Und auch die Schüler, die generell tagsüber häufig müde sind, haben mit der Selbstkontrolle Schwierigkeiten. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse mit 2.017 Schülern zwischen der siebten und zwölften Klasse, die durchschnittlich 15 Jahre alt waren.

 

Schlafstörung oder selbstbestimmtes Wachbleiben?

Die Forscher stellten fest, dass es einen Unterschied macht, ob die Teenager freiwillig länger wach blieben oder bedingt durch Schlafstörungen weniger als sieben Stunden Schlaf bekamen. Die Teilnehmer, die unter Schlafstörungen litten, hatten im Vergleich kaum bis keine Probleme, sich selbst zu kontrollieren. „Anders gesagt, wenn es um die Fähigkeit geht, Verhalten und Emotionen zu kontrollieren, ist es nicht wichtig, wie lange man schläft. Sondern dass man dem natürlichen Schlafrhythmus des Körpers folgt“, so Studienautorin Dr. Judith Owens.

Schlafprobleme Kind
Hat das Kind Schwierigkeiten mit dem Einschlafen, sollte sein Tagesablauf beobachtet und eventuell verändert werden. Regelmäßige Bewegung macht beispielsweise eher müde© Fotolia

Doch was bedeutet das nun für das eigene Kind? Generell sollte sich die Zeit, zu der es schlafen geht, danach richten, wie viel Schlafbedarf es hat und wann es aufstehen muss. Experten empfehlen folgende Schlafenszeiten nach Altersgruppe:

  • Bis zu drei Monate: 16 bis 18 Stunden
  • Vier bis fünf Monate: 14 bis 15 Stunden
  • Sechs bis zwölf Monate: 13 Stunden
  • Ein bis vier Jahre: 12 Stunden
  • Fünf bis sechs Jahre: 11,5 Stunden
  • Sieben bis neun Jahre: 11 Stunden
  • Zehn bis elf Jahre: 10,5 Stunden
  • Zwölf bis 13 Jahre: 10 Stunden
  • 14 bis 17 Jahre: 9 Stunden

Es handelt sich hierbei jedoch nur um Richtwerte – der Schlafbedarf ist individuell verschieden und kann sogar genetisch bedingt sein. Braucht beispielsweise ein Elternteil eher weniger Schlaf, kann das auch auf das Kind zutreffen. Hilfe bei der Feststellung kann ein Schlaftagebuch geben. Notieren Sie, von wann bis wann Ihr Kind genau schläft und richten Sie die Schlafenszeiten danach aus. Braucht der Nachwuchs etwa zehn Stunden Schlaf pro Nacht und muss beispielsweise zu Schulzeiten um sieben Uhr aufstehen, sollte es um 21 Uhr ins Bett gehen.

 

Problemfall Teenager

Bei Teenagern ist das natürlich häufig schwerer durchzusetzen als bei kleineren Kindern. Da Experten aber auch in einem Alter zwischen 14 und 17 Jahren neun Stunden Schlaf empfehlen, sollten Eltern die Schlafenszeiten zumindest im Auge behalten. Wenn der Teenager abends einfach nicht müde ist, sollte man sich seinen Tagesverlauf ansehen: Macht der Nachwuchs beispielsweise regelmäßig Sport oder sitzt er lieber zu Hause am Computer? Generell gilt: Wer sich viel bewegt, ist auch eher müde. Ermuntern Sie Ihr Kind also dazu, etwas mehr Sport zu treiben und beobachten Sie, wie sich das auf das Schlafverhalten auswirkt.

Auch die Ernährung kann sich auf den Schlaf auswirken: Am Abend sollte auf schwere Mahlzeiten wie Pizza sowie koffeinhaltige Getränke verzichtet werden. Achten Sie darauf, dass das Zimmer vor dem Zubettgehen noch einmal gut durchgelüftet wird und dass alle Elektrogeräte vollständig abgeschaltet werden – auch Stand-by-Lichter beeinträchtigen den Schlaf. Besonders wichtig: Computer und Smartphones sollten etwa eine Stunde vor dem Schlafengehen nicht mehr verwendet werden. Die sogenannten blauen Wellenlängen ihres Lichts machen uns nämlich wach. Noch mehr Tipps, die Ihrem Kind beim Ein- und Durchschlafen helfen, finden Sie im Artikel „Was kann ich tun, wenn mein Kind schlecht schläft?“

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