Wann sind Babys bereit für die erste Beikost?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: "Das Essen von Brei erfordert ein bisschen Übung, das Kind muss sich erst an die neue Konsistenz gewöhnen und den Transport der Nahrung mit der Zunge nach hinten üben" © privat

Viele Eltern sind verunsichert: Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Einführung von Beikost? Was sollte man beachten, wenn Allergien in der Familie bekannt sind? Und was darf ich meinem Kind im ersten Lebensjahr auf gar keinen Fall verabreichen?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Die Einführung der Beikost ist ein Thema, bei dem sich viele Eltern unsicher sind und Angst vor Fehlern haben. Dabei ist die Einführung der Beikost gar nicht so kompliziert, wenn Sie ein paar Grundregeln kennen. Ob ein Kind bereit für die erste Nahrung außer Muttermilch oder Flaschennahrung ist, erkennen Sie leicht. Ab dem vollendeten vierten bis zum vollendeten sechsten Lebensmonat ist es soweit – Ihr Kind schaut Ihnen beim essen überaus interessiert zu, „verfolgt“ den vollen Löffel oder die Gabel, die Sie in der Hand halten, mit den Augen – spätestens dann ist es Zeit für den ersten eigenen Löffel.

Wenn Sie unsicher sind, bieten Sie Ihrem Kind ein paar Löffel Brei an – verweigert es diese Nahrung und befördert es sie postwendend wieder nach draußen, warten Sie einfach noch ein paar Tage ab und versuchen Sie es erneut. Das Essen von Brei erfordert ein bisschen Übung, das Kind muss sich erst an die neue Konsistenz gewöhnen und den Transport der Nahrung mit der Zunge nach hinten üben.

Zu Beginn der Beikosteinführung kann es gut sein, dass Ihr Baby nur wenige Löffel essen mag und Sie den Rest der Mahlzeit als gewohnte Milchnahrung verabreichen. Das ist ganz normal und muss Sie nicht beunruhigen. Viele Eltern starten mit einem Kartoffel-Möhrenbrei. Es spricht aber auch nichts dagegen, wenn Sie mit Pastinake, Zucchini oder Kürbis beginnen.

Zwischen der Neueinführung eines Lebensmittels und dem nächsten – wie weiteren Gemüsesorten, Fleisch oder Fisch – sollten Sie üblicherweise ein paar Tage warten, damit Sie sofort merken, wenn Ihr Baby mal etwas nicht gut verträgt. Jeden Monat wird eine Milchmahlzeit durch einen Brei ersetzt. Sie beginnen also mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleischbrei, im nächsten Monat führen Sie einen Milch-Getreidebrei ein, dann einen Obst-Getreidebrei und gegen Ende des ersten Lebensjahres ist Ihr Kind dann auch bereit für die erste Brotmahlzeit.

Für einen späteren Beginn der Beikost nach dem vollendeten vierten bis sechsten Lebensmonat und gegen die frühe Einführung von Fleisch, Fisch und Eiern spricht aus heutiger, ernährungsmedizinischer und allergologischer Sicht nichts. Im Gegenteil: Viele Studien der letzten Jahre zeigten, dass die frühe (ab dem vollendeten vierten Lebensmonat) und vielfältige Einführung von Nahrungsmitteln das Risiko für spätere Allergien minimiert*.

Auch Kuhmilch kann der Ernährung ab dem vollendeten vierten Lebensmonat nach und nach in kleineren Mengen beigefügt werden – als Naturjoghurt, in Gebäck, zur Zubereitung von Getreidebreien oder in Form von kleineren Stücken Käse. Von größeren Mengen Kuhmilch, beispielsweise als Ersatz von Flaschennahrung, sollte im ersten Lebensjahr abgesehen werden, da sie zu wenig Eisen enthält, um den Bedarf Ihres Babys zu decken.

Es gibt allerdings auch Nahrungsmittel, die für Kinder im ersten Lebensjahr überhaupt nicht geeignet sind:

  • Honig (Gefahr des Säuglingsbotulismus, eine lebensgefährliche Erkrankung durch Bakteriengifte hervorgerufen)
  • Rohmilchkäse
  • Rohe Fleisch-, Wurst- und Eierwaren (können Bakterien enthalten, die schwere Magen-Darminfekte verursachen)
  • Stark gesalzene Speisen (die Niere der Kinder unter einem Jahr kann Salze noch nicht so gut ausscheiden)
  • Kleine, harte Lebensmittel (wie Nüsse, ungekochte, große Stücke Möhre, Apfel, Birne, etc. sind wegen der Gefahr des Verschluckens sogar über das erste Lebensjahr hinaus nicht empfehlenswert)
  • Nicht raffinierte, kaltgepresste Öle (da Schadstoffe erst durch die Raffinierung entfernt werden).

Mit diesem kleinen Leitfaden kann eigentlich nichts mehr schiefgehen – nun müssen Sie Ihrem Kind nur noch die Freude am Essen vorleben!

*S3-Leitlinie für Allergieprävention 2009. www.awmf.org; Fleischer et al., J Allergy Clin Immunol: In Practice 2013;1:29-36: Primary Prevention of Allergic Disease Through Nutritional Interventions

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