Wann Ihr Kind schwimmen gehen darf – und wann nicht

Kinderärztin Dr. Nadine Hess: Wann Kinder nicht schwimmen gehen dürfen
Expertin Dr. Hess: „Wenn Ihr Kind ein Ekzem hat oder gar an einer Neurodermitis leidet, darf es schwimmen gehen – im Pool und auch im Salzwasser. Beides schadet nicht.“ © privat

Wenn das Kind gerade einen fieberhaften Infekt hat, ist den meisten Eltern klar, dass das Planschen buchstäblich erst einmal ins Wasser fallen muss. Aber was ist mit Kindern mit einem Ekzem? Oder mit Röhrchen im Trommelfell? Oder mit Warzen?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Gerade in der Sommer- und Feriensaison bekommt man als Kinderarzt oft die Frage gestellt, ob schwimmen gehen erlaubt ist. Meistens kann man die Frage mit „Ja“ beantworten. Aber es gibt ein paar Fälle, da geht es leider nicht.

 

Schwimmen gehen trotz Hautkrankheit?

Wenn Ihr Kind ein Ekzem hat oder gar an einer Neurodermitis leidet, darf es schwimmen gehen – im Pool und auch im Salzwasser. Beides schadet nicht. Allerdings müssen Sie darauf achten, dass Sie Ihr Kind danach gut eincremen. Nicht nur Sonnencreme ist hier wichtig, sondern vor allem die Pflegecreme, die Sie ohnehin täglich verwenden.

Kind darf schwimmen gehen
Kinder, die ein Ekzem oder Neurodermitis haben, dürfen schwimmen gehen. Danach sollten Sie das Kind mit Pflegecreme eincremen© Fotolia

Wenn die Wasserschlacht vorbei ist, braucht ein Kind mit diesen Hautproblemen unbedingt rückfettende, Feuchtigkeit gebende Pflege. Durch den Aufenthalt im Wasser geht beides – Fett und Feuchtigkeit – verloren und dies in ganz besonderem Maße bei Kindern, die eine ekzematische Hauterkrankung haben.

 

Schwimmen gehen ja, tauchen nein: Vorsicht bei Röhrchen im Ohr

Kinder, die einen Paukenerguss hatten, der operativ mit der Einlange von Trommelfellröhrchen behandelt werden musste, dürfen zwar schwimmen gehen, der Kopf darf aber nicht unter Wasser kommen – da sonst Wasser durch das Röhrchen in das Innenohr gelangen und eine Entzündung auslösen könnte.

Schwimmen gehen mit Röhrchen im Trommelfell nur Kopf über Wasser
Im Wasser spielen und schwimmen gehen mit Röhrchen im Trommelfell ist erlaubt – aber nur, wenn der Kopf dabei über Wasser bleibt© Fotolia

Einige HNO-Ärzte raten dazu, beim schwimmen gehen die Ohren mit Ohrstöpseln zu schützen, andere lehnen das gänzlich ab. Wenn Ihr Kind nicht taucht, der Kopf also nicht unter Wasser gerät, kann eigentlich nichts passieren – ob mit oder ohne Ohrstöpsel.

 

Mit Warzen ins Wasser?

Bei Warzenerkrankungen muss man zwei Typen unterscheiden – die sogenannten Schwimmwarzen (auch Mollusken genannt) und die Dorn- oder Plantarwarzen (Verrucae vulgares). Bei den Schwimmwarzen sollte aus Rücksicht auf die anderen auf das Baden verzichtet werden. Insbesondere, wenn die Kinder zusammen im Wasser toben, können die Schwimmwarzen verletzt werden und sich das teigige Sekret, welches die ansteckenden Viruspartikel enthält, entleeren und somit alle anderen potentiell anstecken.

Kind darf nicht schwimmen gehen
Schwimmen gehen mit Fußpilz, Impetigo oder Windpocken: leider nicht erlaubt© Fotolia

Die Plantarwarzen werden im Wasser nicht übertragen, die Infektion geschieht beim Barfußlaufen. Sollte Ihr Kind diese Warzen haben, ist es sinnvoll, diese mit einem Pflaster abzukleben, um die Ansteckungsgefahr für andere zu minimieren. Sich selbst und Ihr Kind können Sie vor einer Infektion mit Plantarwarzen schützen, indem sie Badeschuhe anziehen und sich nach dem Baden im Schwimmbad die Füsse gut abtrocknen und – das wäre zumindest eine sehr sichere Variante – auch desinfizieren. Das in den Schwimmbädern vorrätige Desinfektionsspray für die Füsse ist hier übrigens ungeeignet, es schützt nur vor Fußpilz.

 

Rücksicht nehmen: nicht mit Fußpilz schwimmen gehen

Hat man eine bekannte Infektion mit Fußpilz, sollte ein Schwimmbadbesuch aus Rücksicht ebenfalls unterbleiben, bis die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Das gilt auch für alle anderen, bekanntermaßen ansteckenden Hauterkrankungen – wie eine Impetigo oder auch Windpocken. Dass man damit nicht in ein Schwimmbad gehört, bis die Ansteckungsgefahr vorbei ist, versteht sich von selbst. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Kind schwimmen gehen darf oder nicht, wenden Sie sich an Ihren betreuenden Kinderarzt. Er gibt Ihnen gern eine Empfehlung.

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