Wann braucht mein Kind eine Mandelentfernung?

Expertin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Eine neue Leitlinie gibt vor, wann eine Entfernung der Mandeln beim Kind sinnvoll ist. Eltern sollten sich dafür umfänglich vom Arzt beraten lassen.“ © Fotolia

Früher riet man häufig zur Mandelentfernung, wenn ein Kind mehrmals im Jahr eine Mandelentzündung hatte. Dabei ergibt die Operation nur in bestimmten Fällen Sinn. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt, wann sich der Eingriff lohnt und welche Komplikationen sich ergeben können.

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

In vielen Fällen sind es nicht die Ärzte, sondern die Eltern, die auf eine Entfernung der Mandeln („Tonsillektomie“) drängen, wenn ihr Kind häufiger im Jahr Mandelentzündungen bekommt.  Doch das ist nicht immer sinnvoll: Laut einer neuen AWMF-Leitlinie (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, erstellen in Deutschland allgemein gültige Leitlinien fast aller Fachbereiche), die sich mit der Behandlung entzündeter Gaumenmandeln befasst, sind konservative Behandlungsmethoden im Normalfall vorzuziehen. Operationen sollten nur in bestimmten Fällen durchgeführt werden.

Kranker Junge im Bett
Wenn eine eitrige Mandelentzündung mit Antibiotika behandelt wird, ist das Kind nach etwa zwei Tagen nicht mehr ansteckend. Trotzdem sollte es sich dann noch einige Tage erholen© Fotolia
 

Mandel-OP: Zu beachten ist die Anzahl der Infekte pro Jahr

Die neue Leitlinie teilt die Notwendigkeit für eine Tonsillektomie danach ein, wie häufig im Jahr eine Mandelentzündung auftritt. Dabei wird von sogenannten „Episoden“ gesprochen. Die Leitlinie definiert darunter eine ärztlich diagnostizierte eitrige Mandelentzündung, die mit Antibiotika behandelt wird. Treten weniger als drei Episoden pro Jahr auf, ist die Tonsillektomie überflüssig. Sind es dagegen mehr als sechs Episoden, sollte der Eingriff erfolgen. Zwischen drei und fünf Episoden kann die Operation in Betracht gezogen werden, wenn in den nächsten sechs Monaten weitere eitrige Mandelentzündungen auftreten.

 

Tonsillektomie birgt immer Risiken

Wichtig bei der Entscheidung für oder gegen die OP sollten auch mögliche Komplikationen des Eingriffs sein. Beispielsweise kann es zu behandlungsbedürftigen Nachblutungen, auch noch einige Tage nach der Operation kommen. Eine Entwarnung gibt es dafür, was den Einfluß der Operation auf das Immunsystem angeht: Neue Studien belegen, dass die Tonsillektomie keine negativen Auswirkungen auf das Immunsystem eines Kindes hat.

Fällt die Entscheidung gegen den Eingriff, gibt die Leitlinie auch vor, wie die medikamentöse Behandlung aussehen sollte: Bei Kindern im Alter zwischen drei und 14 Jahren sollte, sofern die Entzündung durch Streptokokken ausgelöst wurde, Penicillin über eine Zeitspanne von sieben Tagen verabreicht werden. Liegt eine Unverträglichkeit des Medikamentes vor, kann alternativ mit dem Arzneistoff Erythromycin behandelt werden.

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