The Walking Dead – gibt es sie wirklich?

Crew Serie The Walking Dead
Am Wochenende läuft der zweite Teil von Staffel 5 der Serie „The Walking Dead“ in den USA an, am Montag auch in Deutschland. Für Millionen Zuschauer beginnt damit ein angenehmer Zeitvertreib – doch für Menschen mit dem Cotard-Syndrom sind Horrorfilme bitt © Shutterstock

Der zweite Teil von Staffel 5 der Kultserie „The Walking Dead“ ist gestartet. Was viele nicht wissen: Es gibt tatsächlich Menschen, die glauben, tot zu sein. Der Fall der 17-jährigen Haley Smith beweist es.

Das sogenannte Cotard-Syndrom ist eine wahnhafte Störung: Betroffene glauben, tot zu sein, nicht zu existieren oder sich im Verwesungsprozess zu befinden – manche haben das Gefühl, ihr Blut, einzelne Körperteile oder Organe verloren zu haben. Einige hungern sich sogar zu Tode, weil sie meinen, nichts mehr essen zu müssen. Die Störung betrifft zwei Bereiche des Gehirns: den sogenannten Gyrus fusiformis, der für das Erkennen von Gesichtern verantwortlich ist, und die sogenannte Amygdala, in der Emotionen verarbeitet werden.

 

Cotard-Syndrom nach Elterntrennung

Auch die 17-jährige Haley Smith aus Alabama erkrankte an dem seltenen Syndrom: Drei Jahre lang war sie davon überzeugt, tot zu sein. Auslöser war die Trennung ihrer Eltern, unter der sie sehr litt. „Eines Tages, als ich in einer Englischstunde saß, hatte ich plötzlich dieses merkwürdige Gefühl, tot zu sein – und ich wurde es nicht wieder los“, erzählt sie. Sie suchte Hilfe bei der Schulkrankenschwester, doch die konnte keine Ursache für ihre Beschwerden finden.

Auf dem Heimweg hatte sie das Bedürfnis, einen Friedhof aufzusuchen, um in der Nähe anderer toter Menschen zu sein. „Doch weil es keinen in der Nähe gab, ging ich nach Hause in der Hoffnung, das Gefühl sei am nächsten Morgen verschwunden“, erinnert sie sich. Das klappte zunächst – doch nach einigen Tagen kamen die merkwürdigen Gedanken wieder, und diesmal blieben sie.

 

Sie liebte Friedhöfe und Zombiefilme

Haley Smith begann, die Schule zu schwänzen, verschlief den Tag und blieb nachts wach. „Ich träumte davon, auf dem Friedhof zu picknicken und verbrachte viel Zeit damit, Horrorfilme anzusehen – die Zombies zu sehen entspannte mich, ich fühlte mich wie unter Familienmitgliedern.“ Sie aß, was sie wollte – schließlich glaubte sie, nicht mehr zunehmen zu können – und meldete sich immer seltener bei ihren Freunden.

Doch schließlich hielt sie es nicht mehr aus und vertraute sich einem von ihnen an. „Ich dachte, er würde mich für einen Freak halten – aber er nickte nur und hörte mir zu. Das gab mir die Kraft, es meinem Vater zu erzählen.“ Dieser drängte sie, einen Psychologen aufzusuchen. Doch erst nach zwei Jahren brachte sie den Mut dafür auf.

Dann erhielt sie endlich die Diagnose – Cotard-Syndrom. Die Erleichterung war groß: „Es war ein wundervolles Gefühl, zu wissen, dass ich eine echte Krankheit hatte. Ich ging ins Internet und fand die Geschichten von anderen Menschen, die an der Störung litten. Es ging mir soviel besser, als ich wusste, dass ich nicht die einzige mit diesem Problem war.“

 

Heilung durch Disneyfilme

Die Gespräche mit ihrem Therapeuten brachten eine schnelle Besserung. Doch sie fand eine weitere Medizin, die ihr half: Disney-Filme. „’Ariel die Meerjungfrau’, ‚Aladdin’, ‚Die Schöne und das Biest’, ‚Bambi’ – ich sah sie mir alle an. Ich fragte meinen Freund Jeremy: ‚Wie kann ich tot sein, wenn mir Disneyfilme ein so gutes Gefühl geben?’“

Inzwischen ist Haley Smith geheilt. Nach ihrer Genesung entschied sie, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, um andere Betroffene zu ermutigen, sich ihren Freunden oder ihrer Familie anzuvertrauen – denn dieser Schritt war es, der sie auf den Weg der Besserung brachte.

Hamburg, 7. Februar 2015

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.