Während der Hirn-OP: Warum Ärzte Patienten zum Lachen bringen

Vivien Rumstieg

Eine Operation am Gehirn ist wohl für die meisten Menschen angsteinflößend – erst recht, wenn der Patient dabei wach und bei Bewusstsein ist. Doch nun haben Forscher eine Möglichkeit entwickelt, Patienten die Angst zu nehmen und sie sogar zum Lachen zu bringen.

Hirn-Operation
Ärzte haben eine Methode entdeckt, mit der sie Patienten während der Hirn-OP im wachen Zustand zum Lachen bringen können, um für Entspannung zu sorgen Foto:  iStock/VILevi

Wenn Menschen am Gehirn operiert werden (beispielsweise, um einen Hirntumor zu entfernen), ist es oft notwendig, dass sie während der Operation wach sind. Liegt der Tumor in der Nähe von funktionell wichtigen Gewebestrukturen des Gehirns, können die Ärzte so während der gesamten Operation prüfen, ob die Bereiche ihre Funktion noch erfüllen.

Während der OP müssen Patienten auf visuelle oder verbale Aufforderungen reagieren können. Fähigkeiten wie Sprechen und Sehen können ausschließlich beim wachen Patienten überprüft werden. Während der Behandlung werden Tests durchgeführt, um sicherzustellen, dass der Patient keine Hirnschädigungen davonträgt. 

Viele Patienten haben große Angst vor Wachoperationen am Gehirn und entscheiden sich für eine Vollnarkose. Wer sich für die Operation bei vollem Bewusstsein entscheidet, kann trotz guter Vorbereitung auf die Situation in Panik geraten. 

 

Entspannt durch die Hirn-OP

In einer aktuellen US-Studie haben Ärzte nun entdeckt, dass die direkte elektrische Stimulation eines bestimmten Teils des Gehirns (Cingulum-Bündel) Ängste mindert und Gelächter auslöst, ohne dass eine Sedierung notwendig ist. Sie hatten den Effekt zufällig bei der Behandlung einer 23-jährigen Patientin entdeckt, die unter Epilepsie und Angstzuständen litt.

Zur Untersuchung der epileptischen Anfälle, wurden Elektroden ins Gehirn gesetzt. Sie zeigten an, in welchen Hirnarealen die Anfälle ausgelöst werden. Als die Ärzte das Cingulum-Bündel mithilfe der Elektroden stimulierten, begann die Patientin zu lachen und entspannte sich.

 

Hat die Hirnstimulation während der OP Zukunft?

Diese neuartige Methode wurde bereits bei drei Patienten getestet. Eine Patientin wurde bei der Stimulation gefilmt und sollte versuchen sich an ein trauriges Ereignis zu erinnern. Dies gelang ihr jedoch nicht, sie musste ununterbrochen Grinsen. Trotz der positiven Erfahrungen sehen Experten die Methode auch kritisch: es ist vor der eigentlichen Operation ein weiterer Eingriff notwendig, um die Elektrode im Hirn zu platzieren. Da jede Operation mit einem gewissen Risiko behaftet ist, könne diese neuartige Methode wahrscheinlich nicht mit bereits erprobten Methoden mithalten.

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