Vorzeitiger Samenerguss: Schatz, morgen komme ich später!

Wenn Männer zu früh kommen
Unzufrieden? Das muss nicht sein. Paare können lernen, im Bett ein gemeinsames Tempo zu finden. So lässt sich ein vorzeitiger Samenerguss vermeiden © Fotolia

Er war schon wieder Erster? Experten verraten, was Sie beim Thema vorzeitiger Samenerguss tun können und wie Paare zusammen das richtige Tempo finden lernen.

5,4! Klingt nach einer guten Leistung im Eiskunstlauf, ist aber die durchschnittliche Dauer von Sex ohne Vorspiel in Minuten. Laut einer Studie des US-Psychologen Eric Corty sind Männer und Frauen mit dem Thema vorzeitiger Samenerguss nicht gerade glücklich. Sie halten sieben bis 13 Minuten beim Koitus für wünschenswert. Alles unter zwei Minuten ist eindeutig zu knapp. Wenn ein Mann ständig zu früh kommt, sprechen Fachleute von Ejaculatio praecox und die betrifft jeden fünften Mann. Was können Sie dagegen tun, bevor er den Mut und sie die Lust verliert?

 

Das sagt der Urologe Prof. Dr. Hartmut Porst

Die Medizin unterscheidet beim frühen Samenerguss zwei Varianten: Die "angeborene Form" tritt praktisch mit dem ersten Sex auf. Schuld sind die Gene, die für den zu frühen Transport des Botenstoffs Serotonin verantwortlich sind, der die Ejakulation auslöst – ein vorzeitiger Samenerguss ist nicht mehr zu verhindern. Die "erworbene Form" dieser Sexualstörung zeigt sich, wenn Krankheiten vorliegen oder mit der Zeit Erektionen schwächer werden. Männer versuchen dann, ihren Orgasmus gezielt auszulösen, ehe die Gliedsteife nachlässt. Die beste Hilfe ist, ihn liebevoll zu motivieren, zum Arzt zu gehen. Gerade bei Patienten mit der angeborenen Form können Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die auch bei Depressionen eingesetzt werden, den Orgasmus hinauszögern. Bei der anderen Gruppe wird geklärt, ob eine Erkrankung vorliegt und wie sie behandelt werden kann.

 

Vorzeitiger Samenerguss: Das rät die Paar- und Sexualtherapeutin Berit Brockhausen

Ich erlebe oft, dass diese Störung bei Männern auftritt, für die es ungewohnt ist zu spüren – stattdessen funktionieren sie einfach. Das gilt für den Körper und die Gefühle. Dieser Typ Mann hat passenderweise oft eine Partnerin, die nur durch Geschlechtsverkehr zum Orgasmus kommt und weder Petting noch Oralverkehr mag. Selten ist eine solche Verbindung zufällig, weil die Störung beide vor tiefen und intensiven Gefühlen schützt. Wenn ein Mann in die Sexualtherapie kommt, gebe ich ihm keine Techniken an die Hand, die machen nur mehr Druck. Vielmehr sage ich: Schluss mit dem angestrengten Funktionieren! Ich erkläre, wie er möglichst unbelastet lernt, sich mit dem eigenen und dem Körper der Partnerin zu beschäftigen. Ohne Sex. Wenn er eine feste Freundin hat, lade ich dazu ein, sie zur Therapie mitzubringen. Dann schlage ich vor, daran zu arbeiten, dass sie genauso schnell zum Orgasmus kommt. Meist stellt sich heraus, dass es beiden gar nicht um die sexuelle Funktion geht, sondern um das, was Sex ausmacht: Nähe, Spaß, Genuss, Begehren.

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