Vorzeitiger Blasensprung: Was tun?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

Beim vorzeitigen Blasensprung tritt Fruchtwasser vor dem errechneten Geburtstermin aus. Bei solch einem medizinischen Notfall ist schnelles Handeln gefragt.

Schwangere Frau hält ihren Bauch
Ein vorzeitiger Blasensprung gilt als medizinischer Notfall Foto:  istock/nataliaderiabina
Inhalt
  1. Vorzeitiger Blasensprung: Was ist das?
  2. Welche Anzeichen hat ein vorzeitiger Blasensprung?
  3. Welche Ursachen hat ein vorzeitiger Blasensprung?
  4. Was tun beim vorzeitigen Blasensprung?
  5. Welche neuen Behandlungsmöglichkeiten gibt es beim vorzeitigen Blasensprung?

Beim vorzeitigen Blasensprung tritt bereits vor dem errechneten Geburtstermin Fruchtwasser aus. Das Leben des ungeborenen Kindes kann bedroht sein, wenn nun nicht schnell gehandelt wird. Abhängig vom Zeitpunkt werden Ärzte dann eine Geburt einleiten oder abwarten und Antibiotika verabreichen.

 

Vorzeitiger Blasensprung: Was ist das?

Die Fruchtblase umgibt während der Schwangerschaft den Fötus. Sie ist mit Fruchtwasser, einer Lösung aus Salzen, Eiweißen und Zuckern, gefüllt, und platzt zu Beginn des Geburtsvorgangs durch die Wehen. Tritt bereits Flüssigkeit vor Wehenbeginn aus, sprechen Gynäkologen vom vorzeitigen Blasensprung.

 

Welche Anzeichen hat ein vorzeitiger Blasensprung?

Meistens verursacht ein vorzeitiger Blasensprung keine typischen Beschwerden. Je nach Größe des Risses geht das Fruchtwasser in Form von Tröpfchen oder in Form eines Schwalls ab. Es ist blassrosa.

 

Welche Ursachen hat ein vorzeitiger Blasensprung?

In vielen Fällen sind Infektionen der Scheide, die nach oben wandern, Auslöser eines vorzeitigen Blasensprungs. Auch vorzeitig einsetzende Wehen oder Mehrlingsschwangerschaften können dazu führen. Eher selten führen gynäkologische Untersuchungen des Fruchtwassers zum vorzeitigen Blasensprung. Ob andere Risikofaktoren, wie Nikotin oder Alkohol eine Rolle spielen, ist unklar. Während der Schwangerschaft sollten solche Genussmittel vermieden werden. 

Foto: iStock
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Was tun beim vorzeitigen Blasensprung?

Ein vorzeitiger Blasensprung ist immer als medizinischer Notfall zu betrachten. Betroffene Frauen sollten den Notarzt verständigen; der Weg muss sofort in die nächste Klinik mit Gynäkologie führen. Was Ärzte unternehmen, hängt von der individuellen Situation ab.

  • Bei einem Blasensprung nach vollendeter 36. Schwangerschaftswoche (SSW) werden sie nach kurzem Abwarten die Geburt einleiten.
  • Zwischen der 28. und der 36. Schwangerschaftswoche ist erst einmal abzuwarten. Anhand von Blutwerten untersuchen Ärzte, ob es zu Infektionen des Fruchtwassers beziehungsweise der Plazenta kommt. Dieses sogenannte Amnioninfektionssyndrom rechtfertigt eine frühere Geburtseinleitung.
  • Zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche raten Ärzte ebenfalls, abzuwarten. Um die Lungenreifung des ungeborenen Kindes zu beschleunigen, verabreichen sie Kortison. Zum Schutz vor Infektionen kommt ein Antibiotikum mit hinzu. Auch wehen hemmende Medikamente gehören zur Behandlung.
  • Die Prognose vor der 24. Schwangerschaftswoche ist eher schlecht, weil die Lungen des Ungeborenen zu wenig entwickelt sind. Mit Bettruhe und ständiger Überwachung bestehen zumindest gewisse Chancen, die Schwangerschaft weiterzuführen. Auch verschiedene Medikamente werden bei einem vorzeitigen Blasensprung verabreicht.
 

Welche neuen Behandlungsmöglichkeiten gibt es beim vorzeitigen Blasensprung?

Forscher untersuchen derzeit eine experimentelle Therapie des vorzeitigen Blasensprungs in frühen Schwangerschaftswochen. Ihr Ziel ist, Risse in der Fruchtblase mit einem biologischen „Flicken“, dem Amnion Patch, zu reparieren. Speziell nach Verletzungen infolge ärztlicher Untersuchung hat sich das Verfahren beim vorzeitigen Blasensprung bereits bewährt.

Quellen:

Gätje, Regine et al. (2015): Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe, Stuttgart: Thieme-Verlag.

Rath, Werner & Strauss, Alexander (2017): Komplikationen in der Geburtshilfe, Berlin: Springer-Verlag.

Weber, Stefanie (2017): BASICS Gynäkologie und Geburtshilfe, München: Els

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