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Schwangerschaftskomplikation: vorzeitige Plazentaablösung

Michelle Kröger

Normalerweise wird der Mutterkuchen, auch die Plazenta genannt, nach der Geburt des Kindes vom Körper ausgestoßen. Es wird hierbei auch von der Nachgeburt gesprochen. Jedoch kann es in seltenen Fällen auch vorkommen, dass sich die Plazenta schon vor der Entbindung und damit während der Schwangerschaft teilweise oder vollständig ablöst. Bei einer vollständigen Ablösung besteht eine medizinische Notfallsituation. 

Eine Ablösung des Mutterkuchens ist gefährlich für Mutter und Kind
Eine Ablösung des Mutterkuchens ist gefährlich für Mutter und Kind Foto:  iStock/ciseren
Inhalt
  1. Was ist eine vorzeitige Plazentaablösung?
  2. Vorzeitige Plazentaablösung – die Ursachen
  3. Symptome einer vorzeitigen Plazentaablösung
  4. Wie geht man bei einer vorzeitigen Plazentaablösung vor?
 

Was ist eine vorzeitige Plazentaablösung?

Eine vorzeitige Plazentaablösung (Abruptio placentae) stellt eine schwere Schwangerschaftskomplikation dar. Sie ist sehr gefährlich, tritt jedoch eher selten auf – nur bei etwa 0,5 bis 1 Prozent aller Schwangerschaften. Wird die Plazenta, der Mutterkuchen, normalerweise erst nach der Geburt als sogenannte Nachgeburt vom Körper ausgeschieden, so löst sie sich bei der vorzeitigen Plazentaablösung bereits während der Schwangerschaft von der Gebärmutter. Durch die teilweise oder vollständige Ablösung wird der Stoffwechselkreislauf zwischen Mutter und Kind unterbrochen. Eine vorzeitige Plazentaablösung führt zu einer rapiden Unterversorgung des Kindes und zu starken Blutungen im Uterus. Im Falle einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta besteht akute Lebensgefahr für Mutter und Kind. Das Überleben des ungeborenen Babys ist abhängig vom Stadium der Ablösung sowie der Schwangerschaftswoche. Bei der Mutter entscheidet neben dem Stadium der Ablösung auch der Blutverlust über ihr Überleben. Eine Ablösung kann mittig oder im Randbereich der Plazenta beginnen. 

Sollte es in einer vergangenen Schwangerschaft bereits zu einer Ablösung der Plazenta gekommen sein, so beträgt die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Plazentaablösung in einer nächsten Schwangerschaft bis zu 15 Prozent. 

 

Vorzeitige Plazentaablösung – die Ursachen

Folgende Risikofaktoren können eine vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens auslösen: 

  • Trauma (Verkehrsunfall, Stoß, Sturz)
  • Starker Zug an der Plazenta, z.B. durch eine zu kurze Nabelschnur oder Umschlingungen
  • Plötzliche Druckveränderungen (z.B. nach der Geburt des ersten Zwillings oder durch einen Blasensprung)
  • Gefäßveränderungen (z.B. bei Präeklampsie)
  • Plazentainsuffizienz
  • Erhöhtes Alter der Mutter
  • Myome
 

Symptome einer vorzeitigen Plazentaablösung

Je nachdem, welches Ausmaß die Plazentaablösung angenommen hat, zeigen sich unterschiedliche Symptome. Die Ablösung selbst ist schmerzfrei. Meist tritt die Ablösung erst nach mehreren Stunden auf, zum Beispiel in Folge eines Sturzes. Lassen Sie sich nach einem Unfall oder Sturz am besten sofort medizinisch durchchecken.  

Folgende Anzeichen können auf eine vorzeitige Ablösung der Plazenta hinweisen:

  • Brettharter Bauch
  • Druckempfindliche Gebärmutter
  • Schmerzhafte Kontraktionen der Gebärmutter
  • Vaginale Blutungen (äußerliche Blutungen eher gering, innerliche Blutungen meist sehr stark)

Lassen Sie Blutungen, Schmerzen oder vorzeitige Kontraktionen immer zeitnah von einem Arzt abklären. Dieser kann eine eventuelle Plazentaablösung per Ultraschalluntersuchung feststellen. 

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Wie geht man bei einer vorzeitigen Plazentaablösung vor?

Die Schwangere muss bei einer vorzeitigen Ablösung der Plazenta sofort in eine Klinik eingewiesen werden. Dort werden sie und ihr ungeborenes Kind stationär aufgenommen und intensiv überwacht. Je nachdem, ob sich die Plazenta teilweise oder vollständig gelöst hat und wie stark die inneren Blutungen der Mutter ausfallen, ändert sich das weitere Vorgehen. 

Handelt es sich um eine geringe Ablösung und unterliegen Mutter und Kind keiner akuten Gefahr, werden vor der 35. SSW zunächst meist medikamentöse Schritte eingeleitet, etwa zur Lungenreifung. Auf diese Weise soll das Ungeborene zum Beispiel auf eine Frühgeburt vorbereitet und das Risiko eines Atemnotsyndroms minimiert werden. Die Schwangerschaft wird so lange wie möglich aufrechterhalten – natürlich unter ständiger und intensiver Überwachung. 

Ist die Ablösung hingegen nach der 35. SSW geschehen, so wird die Schwangerschaft meistens mithilfe eines Kaiserschnitts beendet. Nach der 35. SSW ist die Lunge häufig schon vollständig ausgereift. Der Erhalt der Schwangerschaft würde schwerwiegende Komplikationen mit sich bringen. Mehr als bei einer sofortigen Entbindung. 

Sollten eine vollständige Plazentaablösung sowie starke Blutungen festgestellt worden sein, kommt es ebenfalls zu einem Notfall-Kaiserschnitt, der die Schwangerschaft beendet. Nur wenn das Kind bereits im Uterus verstorben ist (intrauteriner Fruchttod), wird die Geburt durch Medikamente eingeleitet und das Kind vaginal entbunden. 

 
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