Vorsorgeuntersuchung fürs Kind: In welchem Lebensmonat?

Michael van den Heuvel Medizin- und Wissenschaftsjournalist

In Deutschland gibt es einige Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche. Das sind die U1 – U11 und die J1 – J2. Bei jeder Früherkennungsuntersuchung geht es darum, Krankheiten oder Entwicklungsstörungen zu erkennen. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen meistens die Kosten.

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Inhalt
  1. Wann steht welche Vorsorgeuntersuchung für Kinder an?
  2. Wie dokumentiert der Arzt jede Vorsorgeuntersuchung für Kinder?
  3. Wer übernimmt die Kosten der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder?
  4. Ist die Vorsorgeuntersuchung für Kinder Pflicht?

Jede Vorsorgeuntersuchung für Kinder trägt dazu bei, eventuelle Erkrankungen zu erkennen und früh zu behandeln. Dabei orientieren sich Früherkennungsuntersuchungen am Alter des Babys, Kleinkindes, Schulkindes oder des Jugendlichen.

 

Wann steht welche Vorsorgeuntersuchung für Kinder an?

Bei jeder Vorsorgeuntersuchung bestimmt der Arzt Größe und Gewicht von Baby oder Kind. Er hört die Lungen, das Herz sowie den Bauchraum ab. Er impft nach Einverständnis der Eltern, wobei Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut als Grundlage herangezogen werden. Gegen Masern besteht Impfpflicht. Hinzu kommen je nach Alter spezielle Untersuchungen der Kinder. Die Vorsorgeuntersuchungen werden unterteilt in U1 – U11 und J1 – J2:

  • U1 (2. bis 4. Lebensstunde): Grunduntersuchung auf Komplikationen nach der Geburt, auf mögliche Krankheiten oder Deformationen
  • U2 (3. bis 10. Lebenstag): Test auf angeborene Stoffwechselerkrankungen
  • U3 (4. bis 5. Lebenswoche): Prüfung der altersgemäßen Entwicklung, der Reflexe, der Organe und der Sinne, Untersuchung der Hüftgelenke
  • U4 (3. bis 4. Lebensmonat): Untersuchung der Motorik, der Sinne, der Beweglichkeit
  • U5 (6. bis 7. Lebensmonat): Untersuchung der altersgerechten körperlichen Entwicklung, der Motorik und der Sinne
  • U6 (10. bis 12. Lebensmonat): Untersuchung der Augen, der Ohren, des Bewegungsapparats, der Sprache und der Interaktion mit dem Arzt
  • U7 (21. bis 24. Lebensmonat): Untersuchung des Körpers inklusive Feinmotorik und Tests auf Seh- beziehungsweise Entwicklungsstörungen
  • U7a (34. bis 36. Lebensmonat): Tests der Sprache, der Koordination und der Feinmotorik
  • U8 (46. bis 48. Lebensmonat): Bewertung der motorischen und kognitiven Fähigkeiten, speziell des Hör- und Sehvermögens
  • U9 (60. bis 64. Lebensmonat): Erneute Seh- und Hörtests sowie Tests der motorischen und kognitiven Fähigkeiten
  • U10 (8. bis 9. Lebensjahr): Diagnose eventueller Verhaltens- und Entwicklungsstörungen
  • U11 (10. bis 11. Lebensjahr): Nachweis möglicher Leistungsstörungen in der Schule, die medizinische Ursachen haben; Beratung zu gesundheitsbewusstem Verhalten
  • J1 (13. bis 15. Lebensjahr): Erkennen von Haltungsschäden, Beratung zur Pubertät und zu schulischen Problemen
  • J2 (17. bis 18. Lebensjahr): Diagnose von Stoffwechselerkrankungen und Störungen bei der Pubertät; Beratung zur Sexualität und zu sozialen Problemen

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Wie dokumentiert der Arzt jede Vorsorgeuntersuchung für Kinder?

Eltern erhalten direkt nach der Geburt ein Kinderuntersuchungsheft. Es wird wegen seiner Farbe auch „gelbes Heft“ genannt. Darin erfassen Ärzte alle Vorsorgeuntersuchungen von der U1 bis zur U9. Eltern sollten dieses Untersuchungsheft zu jedem Termin mitbringen.

Foto: iStock
Service Wissenswertes über die J1-Untersuchung bei Jugendlichen

 

Wer übernimmt die Kosten der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder?

Gesetzliche Krankenkassen müssen alle Kosten für die Früherkennungsuntersuchung U1 bis U9 bei Kindern und J1 bei Jugendlichen tragen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte rät, auch die U10 und U11 für Kinder und die J2 für Jugendliche wahrzunehmen. Dies übernehmen einige – aber nicht alle – Krankenversicherungen freiwillig. Im Zweifelsfall sollte man sich vorab erkundigen.

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Ist die Vorsorgeuntersuchung für Kinder Pflicht?

Die Regeln für Früherkennungsuntersuchungen sind in den Bundesländern unterschiedlich. In einigen Bundesländern ist ein Teil der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder verpflichtend, sodass Ärzte melden müssen, ob Kinder bei den jeweiligen U-Untersuchung waren. Nehmen Eltern die Termine nicht wahr, folgen Erinnerungen. Auch das Jugendamt kann informiert werden. Grundsätzlich müssen Eltern nachweisen, dass Kinder und Jugendliche gegen Masern geschützt sind. Diese Impfungen erfolgen automatisch, wenn jeder Termin für die nächste Vorsorgeuntersuchung fürs Kind eingehalten wird.

Quellen:

Illing, Stephan; Claßen, Martin (2017): Klinikleitfaden Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.

Speer, Christian P. et al. (2018): Pädiatrie, Berlin: Springer-Verlag.

Förg, Theresa (2019): BASICS Pädiatrie, München: Elsevier/Urban&Fischer.

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