Vorsicht vor dem Game-of-Thrones-Blues

Verena Elson

Die finale Staffel Game of Thrones ist angelaufen: Wer sich zur Einstimmung noch einmal alle vorherigen Staffeln zu Gemüte führen will, sollte sich das gut überlegen, wie Studien zeigen.

Game of Thrones-Plakat
Die Finale Staffel von Game of Thrones ist angelaufen. Hat stundenlanges Serienschauen Auswirkungen auf die Gesundheit? Foto:  Joel Carillet/iStock

Es scheint harmlos: Mit der Lieblingsdecke und einer Tüte Chips auf dem Sofa einkuscheln und für ein paar Stunden in die Welt von Game of Thrones, House of Cards oder Stranger Things eintauchen. Doch ein Blick in die Studienlage kann einem das Marathon-Serienschauen verderben: Sogenanntes Binge Watching (deutsch etwa „TV-Gelage“) steht in Zusammenhang mit Schlafstörungen, Übergewicht, Einsamkeit und depressiven Symptomen – Forscher sprechen sogar vom „Binge Watching Blues“.

 

Schlafstörungen durch Binge Watching

In einer 2017 veröffentlichten Studie zum Einfluss von Binge Watching auf die Schlafqualität befragten Forscher der University of Michigan in Ann Arbor 423 junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 25. Diejenigen, die häufig stundenlang Serien schauten, hatten doppelt so häufig mit Schlafstörungen und chronischer Müdigkeit zu kämpfen wie Befragte, die sich nicht als „Binge Watcher“ bezeichneten. Sie fanden außerdem heraus, dass Serienjunkies vor dem Schlafengehen im Schnitt häufiger aufgekratzt und gedanklich abgelenkt sind – vermutlich ist ihr Gehirn noch damit beschäftigt, das Geschehen in der Serie zu verarbeiten.

 

Exzessives Serienschauen geht auf die Hüfte

Wer häufig vor dem Fernseher sitzt, bewegt sich selten und neigt zudem dazu, unachtsam zu essen, warnen Forscher. So fanden Wissenschaftler der University of Pittsburgh in einer Langzeitstudie zur Wirkung von exzessivem Fernsehen auf das Gewicht heraus: Je mehr Zeit wir im Alter von 30 Jahren vor dem Fernseher verbringen, desto höher ist unser Risiko, fünf Jahre später übergewichtig oder fettleibig zu sein. Darum empfehlen Experten, Fernsehen und Essen strikt zu trennen. Wer sich beim Essen auf seine Nahrung anstatt auf den Bildschirm konzentriert, läuft weniger Gefahr über das Sättigungsgefühl hinaus zu essen.

 

Binge Watching und Depressionen

In einer Studie zum Zusammenhang zwischen Binge Watching und depressiven Symptomen fanden Wissenschaftler der University of Texas in Austin heraus, dass Binge Watcher sich mit höherer Wahrscheinlichkeit einsam fühlen und depressive Symptome zeigen als Menschen, die sich keinen stundenlangen Seriengelagen hingeben. Allerdings kann die Studie nicht beweisen, was zuerst da war: die depressiven Gefühle oder das exzessive Serienschauen. Die Forscher halten es für wahrscheinlich, dass Menschen, die sich einsam und depressiv fühlen, sich häufiger in ihre Serienwelt flüchten. Vielleicht wenig überraschend: Binge Watcher fühlen sich im Schnitt weniger dazu in der Lage, ihr Verhalten zu kontrollieren – sie schaffen es häufig nicht, den Ausknopf zu drücken.

 

Gefahr: Game-of-Thrones-Sucht

Eine einzelne Folge Game of Thrones wird diese Symptome sicherlich nicht herbeiführen. Doch Forscher warnen vor einer Sucht. Diese droht, wenn das Serienschauen oberste Priorität hat und die eigene Lebenswelt in den Hintergrund tritt; wenn es wichtiger wird, die nächste Folge der Lieblingsserie zu schauen, als mit Freunden und Familie Zeit zu verbringen.

Quellen:
Exelmans, Liese, and Jan Van den Bulck. (2017): Binge viewing, sleep, and the role of pre-sleep arousal, in: Journal of Clinical Sleep Medicine.

Chen, Chung-Yu, et al. (2015): Fifteen-Year Prospective Analysis of Television Viewing and Adiposity in African American and Caucasian Men and Women: The CARDIA Study, in: Sage Open.

Feelings of loneliness and depression linked to binge-watching television (2015), in: EurekAlert!
https://www.eurekalert.org/pub_releases/2015-01/ica-fol012615.php (Abrufdatum: 15.04.2019)

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