Vorsicht – diese Medikamente sind Dopingmittel

Maria Schwarapowa
Am Montag gab Tennisprofi Maria Scharapowa zu, dass ein Dopingtest bei ihr positiv ausgefallen war © gettyimages

Der Dopingskandal um Tennisstar Maria Scharapowa sorgt für großes Aufsehen. Doch auch in so mancher Hausapotheke verbergen sich verbotene Dopingmittel – Praxisvita klärt auf.

Tennisprofi Maria Scharapowa bekannte sich am Montag auf einer Pressekonferenz in Los Angeles zu einem positiven Dopingtest bei den Australian Open im Januar. Jetzt muss sie mit einer mehrjährigen Sperre rechnen. Alles ein Versehen, beteuert die Russin: Sie habe es aus medizinischen Gründen genommen – doch Experten werfen ihr vor, grob fahrlässig gehandelt zu haben.

 

Woher wissen Leistungssportler, welche Substanzen verboten sind?

Welche Medikamente als Dopingmittel eingestuft und verboten sind, entscheidet die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) jährlich von Neuem. Im Herbst des Vorjahres veröffentlicht sie jeweils eine aktuelle Liste mit verbotenen Substanzen, die vom 1. Januar bis zum 31. Dezember gilt und von Sportlern und ihren medizinischen Betreuern gewissenhaft geprüft werden sollte.

Aspirintabletten
Aspirin kann nur bedenkenlos eingenommen werden, wenn es nicht mit Pseudoephedrin vermischt ist. Dieser Wirkstoff darf darf bei einer Wettkampf-Dopingkontrolle nur unterhalb eines Grenzwertes von 150 µg/ml Urin© Alamy

Benötigt ein Sportler eins der aufgeführten Medikamente aus Krankheitsgründen, muss er nicht zwangsläufig auf die Teilnahme an Wettkämpfen verzichten – er hat dann die Möglichkeit, einen Antrag auf eine Medizinische Ausnahmeregelung zu stellen.

 

Was hat Maria Scharapowa eingenommen?

Die Substanz Meldonium (Handelsname Mildronat), die bei Maria Scharapowa gefunden wurde, stand seit dem 1. Januar 2016 auf der Verbotsliste. Es handelt sich um ein Herz-Kreislauf-Medikament, das gegen mangelnde Durchblutung und Sauerstoffversorgung des Körpers verschrieben wird. In Deutschland ist das Mittel nicht zugelassen.

Dass Meldonium jetzt als Dopingmittel eingestuft wurde, liegt an seinen positiven Nebenwirkungen: Es wirkt leistungssteigernd, Sportler erholen sich schneller und haben mehr Energie.

Scharapowa nahm das Medikament nach eigenen Angaben seit 2006 wegen Herzrhythmusstörungen und Diabetes ein. Sie habe zwar eine E-Mail mit einem Link zu den aktuellen Änderungen auf der Verbotsliste erhalten, habe diesen aber nicht angeklickt.

Ex-WADA-Chef Dick Pound kritisierte Scharapowa scharf: Gegenüber der BBC wies er darauf hin, dass die Sportlerin drei Monate Zeit gehabt hätte, sich über die Änderungen auf der Liste zu informieren. Außerdem sei eine langjährige Einnahme aus medizinischen Gründen extrem ungewöhnlich – die Einnahme zur Leistungssteigerung sei dagegen weit verbreitet.

 

Welche Medikamente sind außerdem verboten?

So manche Hausapotheke enthält Medikamente, die als Dopingmittel eingestuft und im WETTKAMPF verboten sind. Dazu gehören unter anderem die Erkältungsmittel Aspirin Complex (verbotene Substanz: Pseudoephedrin), Wick MediNait (verbotene Substanz: Ephedrin) und BoxaGrippal (verbotene Substanz: Pseudoephedrin), das Antiallergikum Reactine duo (verbotene Substanz: Pseudoephedrin) und der Hustensaft Spasmo-Mucosolvan (verbotene Substanz: Clenbuterol). Sogar das homöopathische Mittel Nux Vomica gilt als Dopingmittel (verbotene Substanz: Strychnin).

Ob ein Wirkstoff verboten ist, kann das in der Datenbank NADAmed eingesehen werden. Bei Unsicherheiten sollten Betroffene mit ihrem Arzt sprechen.

 

Wen kann es treffen?

Laut der Nationale Anti Doping Agentur (NADA) können alle Sportler kontrolliert werden, die

  • Kadermitglieder sowie Elitepassinhaber oder Profis mit Lizenz sind,
  • Teilnehmer an nationalen und internationalen Wettkämpfen sind,
  • dem Doping-Kontroll-System der NADA angeschlossen sind.
 

Wie läuft eine Dopingkontrolle ab?

1. Besuch beim Training

Damit die Kontrollen effektiv sein können, finden sie unangekündigt statt. Der Kontrolleur kann den Sportler also auch während des Trainings besuchen, dieses darf aber beendet werden!

2. Ja, ich bin es wirklich!

Um Tricksereien zu vermeiden, muss der Sportler seinen Personalausweis vorzeigen. Aber auch der Kontrolleur muss sich mit seinem NADA-Ausweis (kl. Bild) identifizieren.

3. Auswahl des Urinbechers

Jetzt muss der Sportler wählen, mit welchem Urinbecher gearbeitet wird. So soll ausgeschlossen werden, dass ihm manipulierte Testgegenstände gegeben werden, die dann falsche Werte ausweisen!

4. Gemeinsam auf Toilette

Unangenehm, aber nötig: Der Kontrolleur muss den Sportler auf die Toilette begleiten. Nur so kann er bezeugen, dass der Test-Urin auch wirklich vom jeweiligen Sportler stammt.

5. Auswahl des Probekits

Der Urin aus dem Becher (mind. 90 ml) muss in spezielle Flaschen gefüllt werden. Dafür muss der Sportler - ähnlich wie beim Urinbecher - das Kit selbst auswählen.

6. Einfüllen des Urins

In den Probekits befinden sich zwei Flaschen, jeweils eine für A- und B-Probe. Das Umfüllen darf nicht vom Kontrolleur vorgenommen werden!

7. Versiegeln der Flasche

Mit einem Drehverschluss werden die Flaschen versiegelt. Ob das geklappt hat, muss vom Kontrolleur geprüft werden.

8. Test der Urindichte

Mit einem sogenannten Refraktometer testet der Kontrolleur die Urindichte der Probe. Ist die Flüssigkeit nicht konzentriert genug, muss erneut getestet werden!

9. Datenkontrolle und Unterschrift

Zum Abschluss muss der Sportler seine persönlichen Daten kontrollieren. Dazu gehören auch eingenommene Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel. Dann geht die Probe ins Testlabor!

 

Wer ist verantwortlich?

In Deutschland ist die NADA für die Umsetzung eines einheitlichen Dopingkontrollsystems verantwortlich. Die NADA ist eine unabhängige Einrichtung und setzt sich für sauberen Sport und ehrliche Leistungen ein.

ETWA 8.000 KONTROLLEN werden in Deutschland pro Jahr im Trainingsbetrieb durchgeführt, 5.000 weitere direkt nach Wettkämpfen.

DIE NADA GREIFT AUF Kontrolleure rund um die Welt zurück, um flexibel auf Trainingslager oder Auslandsaufenthalte der Sportler reagieren zu können.

RUND 10 MILLIONEN EURO beträgt das Gesamtbudget der NADA für das Jahr 2016, wovon zwei Mio. an die Dopinglabore gehen.

DAS SYSTEM DER NADA finanziert sich aus Geldern des Bundes, des Sports, der Wirtschaft und der Bundesländer.

Hamburg, 9. März 2016

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