Vorhofflimmern: Neues Verfahren hilft, Schlaganfälle zu verhindern

Carolin Banser
Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfall-Risiko
Jeder fünfte Schlaganfall ist auf ein Vorhofflimmern des Herzens zurückzuführen. Mit dem neuen Verfahren könnten zukünftig mehr Schlaganfälle verhindert werden © istock

Etwa alle zehn Sekunden kommt es zu einem Schlaganfall infolge von Vorhofflimmern. Wissenschaftler haben jetzt ein neues Verfahren entwickelt, das Herzrhythmusstörungen besser erkennt und dabei helfen kann, Schlaganfälle zu vermeiden.

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung, an der etwa 1,8 Millionen Deutsche leiden. Betroffene verspüren Symptome wie Herzstolpern, Brustschmerzen, Atemnot oder Angstgefühle. Besonders gefährlich sind jedoch die daraus entstehenden Folgeschäden: Jeder fünfte Schlaganfall wird durch Vorhofflimmern ausgelöst.

Von großer Bedeutung ist es daher, Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen. Vor diesem Hintergrund haben Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Mainz ein Verfahren entwickelt, das es ermöglicht, Herzrhythmusstörungen besser zu diagnostizieren. Das einfache, günstige und ungefährliche diagnostisches Konzept zur Verhinderung von Schlaganfällen wurde kürzlich im Fachmagazin Lancet Neurology veröffentlicht.

 

Rund 400 Schlaganfall-Patienten untersucht

Für ihr Projekt „Find-AF-randomised“ untersuchten die Forscher um Professor Rolf Wachter von der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG, Privatdozent Dr. Klaus Gröschel von der Klinik und Poliklinik für Neurologie an der Universitätsmedizin Mainz und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) insgesamt 398 Schlaganfall-Patienten.

Ein Teil der Probanden erhielt ein Langzeit-EKG, das innerhalb von zehn Tagen drei Mal durchgeführt wurde. Der Kontrollgruppe wurde die Standarddiagnostik zuteil. Das Ergebnis: in der ersten Gruppe (mit Langzeit-EKG-Diagnostik) wurden drei Mal häufiger Herzrhythmusstörungen in Form des Vorhofflimmerns auf (13,5 Prozent) gefunden als in der Kontrollgruppe mit Standarddiagnostik (4,5 Prozent). Die Zahlen belegen, dass Herzrhythmusstörungen bei Schlaganfall-Patienten mit dem neuen Konzept tatsächlich besser aufgedeckt werden als mit aktuell verwendeten Diagnoseverfahren.

 

Warum Vorhofflimmern so gefährlich ist

Wenn es „flimmert“, kommt es pro Minute zu bis zu 350 unregelmäßigen Kontraktionen der Vorhofherzmuskeln. Dabei ziehen sich die Vorhöfe des Herzens nicht mehr richtig zusammen und können das Blut nur noch schlecht in die Herzkammern weiterpumpen. Dadurch wird die Pumpleistung des gesamten Herzens um etwa 20 Prozent verringert. Infolgedessen kann es zu Stauungen kommen. Fließt das Blut aber nicht mehr, fängt es an zu gerinnen. Die Konsequenz: Ein Blutklumpen kann sich bilden. Schlimmstenfalls gelangt dieses Gerinnsel in ein Herz- oder Gehirngefäß und verstopft es.

Professor Rolf Wachter erklärt, warum Vorhofflimmern so gefährlich ist. "Vorhofflimmern wird nicht erkannt, weil die Herzrhythmusstörung nur für wenige Minuten auftritt. Deshalb wird sie bei den aktuell üblichen Herz-Kreislaufuntersuchungen leicht übersehen." Mit dem neuen Verfahren können Mediziner die Herzrhythmusstörung besser erkennen und einen Schlaganfall als Folge verhindern.

Mediziner empfehlen Herzpatienten ab 35 Jahren, sich einer Langzeit-EKG zu unterziehen. Diese Untersuchung wird von der Kasse übernommen. Einziger Nachteil: Während dieser Zeitspanne kann man sich nicht duschen.

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