Von wegen gesund! Warnung vor Etikettenschwindel

Ein Mann im Supermarkt
Verbraucher sollten die Inhaltsangaben auf Lebensmittelverpackungen genau studieren und sich nicht von falschen Gesundheitsversprechen in die Irre führen lassen © Shutterstock

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch fordert weitreichende Gesetzesänderungen bei der Etikettierung von Lebensmitteln. Der Grund: Verbraucher werden mit falschen Versprechen in die Irre geführt.

„Etiketten führen Verbraucher ganz legal in die Irre“, so der Vorwurf von Foodwatch. Die Verbraucherschutzorganisation hat darum einen 15-Punkte-Plan aufgestellt, in dem sie Gesetzesänderungen zu verschiedenen Aspekten der Etikettierung von Lebensmitteln fordert.

 

Vorsicht bei Gesundheitsversprechen

Beispielsweise würden Käufern Gesundheitsversprechen  gegeben, die nicht einzuhalten seien. „Lebensmittel sind keine Medikamente“, heißt es in dem Maßnahmenplan. „Gesundheitsbezogene Werbeaussagen (Health Claims) sind häufig irreführend und nicht dazu geeignet, eine ausgewogene Ernährung zu fördern – sie sollten daher grundsätzlich verboten werden.“ Foodwatch spielt dabei auf Begriffe wie „Fitness“ und „Wellness“ auf Verpackungen von Lebensmitteln an, die einen hohen Zuckergehalt haben.

 

Ungesunde Produkte für Kinder

„Kinder essen zu viele Süßwaren und Snacks und trinken zu viele Softdrinks“, warnt Foodwatch in dem 15-Punkte-Plan. „Als Kinderprodukte dürfen daher nur noch ausgewogene, den Ernährungsempfehlungen für Kinder entsprechende Lebensmittel vermarktet werden.“ Die Organisation warnt ausdrücklich vor Zuckerbomben, die mit Comicfiguren oder Spielzeugen für Kinder attraktiv gemacht werden. Im Frühjahr hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits eine Einschränkung der Werbung für zuckerhaltige Lebensmittel für Kinder gefordert. Die besten Tipps, wie Sie Ihren Kindern Gesundes schmackhaft machen, finden Sie hier.

 

Falsche Herkunftsangaben

Foodwatch warnt außerdem vor Kennzeichnungen wie „aus der Region“. Denn bisher kann ein Hersteller mit solchen Slogans werben, wenn mindestens ein Teil des Herstellungsprozesses in einer bestimmten Region stattgefunden hat – auch wenn das Lebensmittel ursprünglich aus einem anderen Land stammt und einen weiten Transportweg hinter sich hat. Foodwatch will das ändern: „Hersteller müssen verpflichtet werden, die Herkunftsländer der Hauptzutaten ihrer Produkte anzugeben“, heißt es in dem Maßnahmenplan. „Mit regionaler Herkunft darf nur dann geworben werden, wenn dies durch die tatsächliche Herkunft der Zutaten gedeckt ist und die Ursprungsregion (für Deutschland mindestens bundeslandgenau) für alle Zutaten angegeben wird.“

Zu den weiteren Forderungen von Foodwatch gehören unter anderen die nach klaren und verständlichen Auflistungen von Aromen und Zusatzstoffen, klaren Nährwertangaben und realistischen Produktabbildungen.

 

Verbraucher sollten wachsam sein

Die Foodwatch-Experten empfehlen Verbrauchern, nicht auf den Etikettenschwindel der Lebensmittelindustrie hereinzufallen. Von der Regierung fordern sie eine Änderung der Gesetzgebung für mehr Klarheit für Käufer. Bis es so weit ist, bleibt Verbrauchern wohl nur, tatsächlich bei Produzenten ihrer Region einzukaufen, wenn sie regionale Lebensmittel wünschen und bei Gesundheitsversprechen auf der Verpackung die Inhaltsangaben genau zu studieren.

Hamburg, 5. Juni 2015

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