Von Emphysem geheilt: "Endlich wieder durchatmen"

Frei atmen trotz Emphysem
COPD und Emphyseme rauben vielen älteren Menschen die Lust am Leben. Eine neue Therapie gibt ihnen jetzt verlorene Lebensqualität zurück © Fotolia

Die Treppen zur Wohnung kam Marianne Keller kaum noch hoch. Ein Emphysem blähte ihre Lunge auf und nahm ihr die Luft zum Atmen. Ein Arzt schlug ihr eine neue Therapie vor, die dabei hilft, die Lunge zu entblähen. Das hat sie geheilt.

Ein Atemzug scheint das einfachste der Welt zu sein – bis eine Krankheit einem die Luft nimmt. Zehn Jahre ist es her, dass Marianne Keller den Begriff zum ersten Mal hörte: "Sie haben COPD", sagte ihr Hausarzt. Das ist eine chronische Lungen-Erkrankung, die meistens vom Rauchen kommt. Zu den Symptomen gehören Husten, vermehrter Auswurf und Atemnot bei Belastung. Vor allem die Ausatmung wird durch COPD erschwert. Häufige Atemwegsinfekte können ebenfalls Auslöser sein.

 

COPD und Emphysem

Die Erkrankung ist unheilbar – lediglich der Verlauf kann durch Behandlungen verlangsamt werden. Oft bilden sich gefährliche Emphyseme in der Lunge. Der Hausarzt riet der 72-Jährigen, sofort die Finger von den Zigaretten zu lassen – was sie auch befolgte. Denn zu dem Zeitpunkt konnte die Rentnerin kaum noch zehn Schritte laufen ohne von Atemnot gequält zu werden und ihr Zustand verschlechterte sich von Woche zu Woche.

Der Arzt verordnete Marianne Keller Inhalationssprays zur Erweiterung der Bronchien und Kortison-Tabletten. Damit kam sie einige Jahre ganz gut zurecht. Doch dann verschlimmerte sich ihr Zustand dramatisch: "Die 32 Stufen von der Eingangstür zu unserer Wohnung konnte ich kaum noch bewältigen. Es war, als wenn die Luft, die ich einatmete, nicht mehr dort ankam, wo sie hin sollte. Manchmal hatte ich regelrecht Angst zu ersticken", erinnert sich Marianne Keller.

Eines Tages schob dann ihr Mann das vom Arzt verordnete Sauerstoffgerät ins Zimmer: eine große 45-Liter-Flasche mit einem langen Schlauch, den sie sich in die Nase schieben sollte. "Da wurde mir endgültig klar, dass ich nicht einmal mehr das machen konnte, was mir im Leben besonders wichtig ist: reisen. Wie sollte ich mit dieser Sauerstoffflasche jemals wieder in ein Flugzeug steigen können?", fragte sich die 72-jährige damals.

 

Emphysem in der Lunge

Doch es sollte noch schlimmer kommen: In der Lunge hatte sich ein sogenanntes Emphysem gebildet. Dabei blähen sich Lungenbläschen so sehr auf, dass sie auf andere gesunde Bereiche drücken. Die unmittelbare Folge: starke Atemnot, die bei Marianne Keller zudem häufig Panik-Attacken auslöste. "Ich wurde immer schwächer, traute mir und meinem Körper nichts mehr zu", sagt die Rentnerin. So konnte es nicht weitergehen: Auf den Rat ihres Arztes versuchte sie es zunächst mit einer Atem-Therapie, zu der auch Kräftigungs-Übungen gehörten. Das half zumindest ein wenig.

 

Die Ventil-Therapie machte Hoffnung

Ventil-Therapie
Der Eingriff dauert unter Vollnarkose höchstens eine Stunde. Mediziner führen einen kleinen Schlauch durch die Nase, an dessen Ende eine Kamera sitzt. So findet der Arzt die Lungenabschnitte, in die ein Ventil eingesetzt werden muss.Die Ventile sorgen dafür, dass Luft aus der überblähten Lunge entweicht und sie wieder schrumpft. So drückt sie nicht mehr auf das Zwerchfell und die Atmung funktioniert besser.

Doch den entscheidenden Tipp bekam Marianne Keller schließlich beim Lungen-Sport von einem anderen COPD-Patienten. Voller Begeisterung berichtete er von der sogenannten Ventil-Therapie. Dadurch sollten sich die Überblähungen in der Lunge deutlich mindern lassen – sofern die Behandlung möglich wäre, was nicht bei jedem COPD-Patienten der Fall ist. Die 72-Jährige hatte Glück. Der ihr empfohlene Lungenfacharzt Prof. Dr. Felix Herth stellte nach einer kurzen Untersuchung fest, dass das Verfahren bei ihr durchgeführt werden konnte. Der Experte versicherte der Rentnerin: "Die Ventile geben ein großes Stück Lebensqualität zurück. Dank dieser Therapie können Sie wieder aktiv am Leben teilnehmen. Und mit etwas Glück bleibt es bei dem einmaligen Eingriff." Das Emphysem können sie jedoch damit nicht beheben.

 

Ventil-Therapie gegen Emphysem

Marianne Keller entschied sich, es zu versuchen – zumal die Operation gute Erfolgsaussichten hatte und sie nur eine Nacht im Krankenhaus bleiben musste. Unter Vollnarkose bekam die Rentnerin von den Ärzten über einen Katheter vier Ventile zwischen Bronchien und Lungenklappen eingesetzt. Der Eingriff dauerte 40 Minuten. Als sie erwachte, spürte sie vorerst noch keine Besserung. Anfangs wehrte sich ihr Körper sogar gegen die Kunststoff-Ventile. Daher war eine begleitende Kortison-Therapie nötig. Aber schon nach einigen Wochen fühlte sich Marianne Keller viel besser. "Und heute stöbere ich mit meinem Mann wieder in Reise-Katalogen. Wir wollen an den Gardasee fahren. Es ist, als hätte ich mein Leben zurückbekommen. Ich kann durchatmen und fühle mich rundum befreit", erzählt sie.

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