Von der Nase ins Knie: Neuer Therapieansatz für Knorpelverletzungen

Knorpel aus der Nase
Vor allem alte Menschen und Sportler sind von Knorpelverletzungen im Knie betroffen © Fotolia

Sogenannte Knorpelläsionen im Knie sind in Deutschland keine Seltenheit und entstehen durch die Abnutzung oder Verletzung des Knorpelgewebes. Das Problem dabei: Solche Gelenkschäden sind äußerst schwer zu behandeln, erfordern oft komplizierte Operationen und lange Reha-Zeiten. Schweizer Forscher fanden nun einen schonenden Weg Knorpel nachzubilden – und dazu benötigen sie nicht mehr als ein Stück Nase. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Für das kürzlich in einer Studie vorgestellte Verfahren entnehmen Forscher der Universität von Basel eine kleine Zell-Probe aus der Nasenscheidewand. Nach der Entnahme wird das gewonnene Gewebe im Labor vergrößert. Dazu gibt man es in eine Schale mit speziellen Nährstoffen und wartet bis es die gewünschte Größe – von rund 40 Millimetern – erreicht hat.

Vereinfacht dargestellt, wird das „maßgeschneiderte Gewebe aus der Nase“ anschließend mit einem kleinen Eingriff an die Stelle im Knie verpflanzt, wo der Knorpel beschädigt ist. Erste klinische Tests zeigen, dass der verpflanzte Zell-Flicken aus der Nase tatsächlich in der Lage ist, das verschlissene oder durch Unfälle zerstörte Knorpelgewebe zu ersetzen.

 

Wieso aus der Nase?

Das Zellgewebe in der Nasenscheidewand hat besondere Wachstumseigenschaften, erklärt Studienleiter Professor Ivan Martin. Demnach besitzen die Zellen der Nasenscheidewand grundsätzlich eine ausgeprägte Fähigkeit zur Selbsterneuerung und Anpassung an äußere Umstände. Wie sich herausstellte, lässt sich diese Eigenschaft auf einen fremden Gewebetyp im Körper übertragen. Möglich macht das ein besonderes Gen (Hox-Gen) in den Zellen der Nasenscheidewand.

Hamburg, 30. August 2014

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