Völlegefühl und Aufstoßen: Was steckt dahinter?

Susanne Petersen Medizinredakteurin

Wenn sich zu viel Luft im Magen ansammelt, etwa weil wir zu hektisch oder zu fettig essen, macht sich das mit einem Drücken und Spannen im oberen Bauch bemerkbar. Dieser Druck kann über Aufstoßen gemildert werden. Warum genau wir bei Völlegefühl aufstoßen müssen und was sich dagegen tun lässt!

Völlegefühl und ständiges Aufstoßen sind lästig
Völlegefühl und ständiges Aufstoßen sind lästig Foto:  Antonio_Diaz
Inhalt
  1. Was versteht man unter Völlegefühl?
  2. Warum muss man bei Völlegefühl aufstoßen?
  3. Druck im Oberbauch nicht durch Essen allein
  4. Ursachen für Magendruck, Übelkeit und Aufstoßen
  5. Was tun, um ständiges Aufstoßen und Völlegefühl zu verhindern?
  6. Natürliche Mittel gegen Blähbauch

Zu schwer gegessen? Zu viel Luft geschluckt? Viele kennen das unangenehme Drücken im Oberbauch, ein Völlegefühl, das zum Aufstoßen führt. „Rülpser“ verbunden mit Völlegefühlen sind ganz normale Begleiterscheinungen des Verdauungsprozesses.

 

Was versteht man unter Völlegefühl?

Der Name lässt bereits erahnen, dass es sich beim Völlegefühl nicht unbedingt um einen wirklich aufgeblähten Bauch handeln muss. Es reicht das subjektive Empfinden, gerade bei Menschen mit einem übersensiblen Verdauungssystem (hypersensible Viszeralität). Manche haben schon morgens beim Aufwachen das Gefühl, als würde ein Stein im Magen liegen. Bei anderen pumpt sich der Bauch im Tagesverlauf auf. Die Bauchdecke wölbt sich unangenehm nach vorne, der Magen rumort eventuell, die Magengegend schmerzt. Das Gefühl des Vollseins kann entstehen, wenn wir zu viel oder zu schnell essen. Wird beim Essen zu viel Luft geschluckt, nennt sich das „Aerophagie“.

Kommen zum regelmäßigen Völlegefühl noch Bauchkrämpfe, Übelkeit oder Erbrechen hinzu, dann ist ein Arztbesuch ratsam. Treten zum Beispiel mit leerem Magen Symptome wie Völlegefühl und Bauchweh auf, kann ein Zwölffingerdarmgeschwür die Ursache sein. Melden sich Übelkeit und Bauchschmerzen nach dem Verzehr von Speisen, ist eine Magenschleimhautentzündung oder sogar ein Magengeschwür der mögliche Auslöser. Findet der Mediziner keine solcher Krankheitsbilder, kann es auch ein Reizmagen sein.

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Warum muss man bei Völlegefühl aufstoßen?

Der Magen-Darmtrakt ist ein zusammenhängendes Gebilde. Deswegen kommt ein Völlegefühl meist nicht allein, sondern tritt oft mit anderen Beschwerden wie Aufstoßen gemeinsam auf. Der Magen hat je nach Körpergewicht ein Fassungsvermögen von ungefähr 1,5 Litern. Sowohl Essen als auch Gase, die wir beim Schlucken von Luft oder durch Kohlensäure aufnehmen, wirken sich auf die sogenannten Dehnungsrezeptoren in der Magenwand aus. Diese nehmen die Füllung des Magens wahr und übermitteln dem Gehirn, dass wir „voll“ sind und die maximale Kapazität erreicht ist. Die Botenstoffe aus dem Magen melden allerdings erst ungefähr 20 Minuten nach der Nahrungsaufnahme, ob wir wirklich zu viel gegessen haben.

Menschen mit einem kleineren Magen (zum Beispiel schlanke Menschen) haben eher das Gefühl, dass ihr Magen gefüllt ist, als Menschen, die durch übermäßiges Essen den Magen bereits überdehnt haben.

Frauen leiden häufiger unter Völlegefühl als Männer, da sie eine etwas trägere Peristaltik, also weniger rhythmische Kontraktionen des Magen- und Darmtraktes haben, mit der Nahrung bzw. Verdauungsreste weiterbefördert werden.

Schwangere leiden ebenfalls häufiger an Völlegefühl und Aufstoßen, denn der Embryo drückt – besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel – den Magen zusammen und sorgt dafür, dass Gase nach oben entweichen wollen.

 

Druck im Oberbauch nicht durch Essen allein

Oft kommen zur eigentlichen Nahrung noch Gase, die sich bilden, wenn Magenenzyme und Salzsäure das Essen verarbeiten.

Oder wenn wir aus anderen Gründen Luft schlucken durch:

  • Kohlensäurehaltige Getränke (Cola, Limonaden, Mineralwasser)
  • Hastiges Sprechen
  • Hastiges Essen
  • Kaugummi kauen
  • Rauchen

Lebensmittel, die bereits im Magen Gase erzeugen und damit Aufblähung sowie Aufstoßen verursachen:

  • Hülsenfrüchte
  • Paprika
  • Vollkornprodukte
  • Sahne
  • Kaffee
  • Hefe

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All diese Gase steigen nach oben, denn sie sind leichter als die Nahrung. Dort drücken sie auf das Zwerchfell. Durch das Aufstoßen werden wir die überschüssigen Gase, die sich im Magen sammeln, wieder los. Das Aufstoßen entlastet den vollen Magen, da es das Füllungsvolumen etwas reduziert. Auch Stress und Ärger können übrigens die Beschwerden auslösen, denn das vegetative Nervensystem reguliert unsere Verdauung. Sind wir gestresst, dann behindert der Sympathikus-Nerv eine reguläre Verdauung und trägt dazu bei, dass ein Völlegefühl und Aufstoßen auftreten kann.

 

Ursachen für Magendruck, Übelkeit und Aufstoßen

Muss man häufig und ohne ersichtlichen Grund aufstoßen, kann dies auf eine Funktionsstörung des Verdauungstraktes hinweisen. Wenn durch gestörte Verdauungsprozesse im Magen vermehrt Gas produziert wird, bläht sich der Bauch auf. Dieser Druck auf den oberen Magenausgang kann sogar dazu führen, dass sich der Mageneingangspförtner (Pylorus) am Magenmund (Kardia) dehnt und Magensäure oder sogar Speisereste in die Speiseröhre zurückfließen. In diesem Fall spricht man von Sodbrennen oder der Refluxkrankheit, die unbedingt von einem Arzt behandelt werden sollte, da so auf Dauer die Schleimhaut der Speiseröhre geschädigt wird.

„Eine häufige Ursache für Aufstoßen und Reflux ist ein Zwerchfellbruch, die sogenannte Hiatushernie, wenn also der Verschluss zwischen Magen und Speiseröhre undicht ist. Es muss nicht immer sofort operiert werden. Wenn Patienten ihr Leben umstellen und Säurehemmer medikamentös verabreicht werden, können die Beschwerden nachlassen“, erklärt Expertin Dr. Katrin Niemax, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie und ergänzt: „Vor einer möglichen Magenspiegelung sollte außerdem geklärt werden, ob das Bakterium Helikobacter pylori Ursache der Magenbeschwerden ist. Dies kann über einen Stuhl-Antigentest ermittelt werden.“

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Was tun, um ständiges Aufstoßen und Völlegefühl zu verhindern?

Zunächst sollte eine mögliche Grunderkrankung behandelt werden. Wenn Völlegefühl und Aufstoßen jedoch harmlose Ursachen hat oder Symptome eines Reizmagens oder Reizdarms ist, dann können folgende Maßnahmen helfen, die Beschwerden erst gar nicht aufkommen zu lassen:

  • Tempo raus beim Kauen: wenn wir langsam essen und kauen, vermeiden wir, zu viel Luft zu schlucken.
  • Redepausen einlegen: während des Redens die Gabel beiseitelegen. Das hilft, damit wir weniger Luft in den Magen bekommen.
  • Weniger fettige Speisen: wir entlasten die Verdauung, wenn wir auf zu fette und zu schwere Gerichte verzichten
  • Zucker reduzieren: bei der Verdauung von Zucker entstehen Gase
  • Weniger Kohlensäure: weniger „Blubberblasen“ im Magen, weniger Luft
  • Kleinere Mahlzeiten: schaffen uns mehr Platz im Magen – weniger Aufstoßen!
  • Reizstoffe meiden: Alkohol und Nikotin stressen den Magen unnötig
  • Ruhepausen einlegen: Stress reizt den Magen
  • Wärme und Bewegung: bringen unser Verdauungssystem auf Trab

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Natürliche Mittel gegen Blähbauch

Magen und Darm-Beschwerden hängen eng zusammen. Wenn sich viel Luft im Magen ansammelt und große Nahrungsmengen durch den Darm gedrückt werden, entstehen auch im Darm unangenehme Gase. Der Bauch bläht sich auf, Luft wird nach oben Richtung Zwerchfell gedrückt. Und schon fühlt man sich voll, hat Bauchschmerzen und muss aufstoßen.

Eine ausgewogene Lebensweise mit ausreichend Bewegung, Schlaf und gesundem Essen ist die Grundlage für eine gesunde Verdauung. Stressreduktion hilft, dass sich der Magen-Darmtrakt entspannen kann und in der Folge weniger schmerzende Gase entstehen.

Wärmeanwendungen wie Bauchwickel und das Auflegen einer Wärmflasche können Ersthelfer zur Beseitigung des Völlegefühls sein. Sanfte Bauchmassagen helfen ebenfalls, dass die Gase über den After aus dem überblähten Bauch befördert werden. Massieren Sie dabei immer von rechts unten über den Oberbauch nach links unten – das ist der Weg des Dickdarms in Richtung Darmausgang.

Als pflanzliche Therapeutika haben sich hochdosiertes Kümmelöl und Pfefferminzöl als Wirkstoffkombination bewährt. Kümmelöl wirkt aktivitätshemmend auf gasbildende Bakterien, so dass Völlegefühl gemindert wird. Weniger Gase im Bauch bedeuten auch, dass das Aufstoßen nachlässt. Kümmel ist eine der effektivsten Heilpflanzen bei Magen-Darm-Beschwerden. Pfefferminzöl ergänzt in seiner schmerzlindernden Wirkung. Es hat kühlende Effekte auf Darmnerven, führt zur Beruhigung benachbarter Schmerzsensoren und damit zu einer Reduktion möglicher Schmerzen und Überempfindlichkeiten, die bei Völlegefühl auftreten können. Die Einnahme sollte hochdosiert in Kapselform erfolgen, am besten vor einer Mahlzeit. Damit sich die volle Wirkung dieser kombinierten Phytotherapeutika entfalten kann, sollten diese über einen Zeitraum von mindestens drei Wochen täglich eingenommen werden (entsprechend der Empfehlungen auf dem Beipackzettel). Dauerhaftes Aufstoßen und Völlegefühl können so gut verträglich behandelt werden. 

Unsere Expertin: Dr.med. Katrin Niemax, Fachärztin für Innere Medizin und Gastroenterologie.

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Quellen:

Ratgeber Gastritis und Reizmagen, in: gastro-liga.de

Vegetatives Nervensystem, in: amboss.com

Ständiges Aufstoßen - Ursachen und Behandlung, in: heilpraxisnet.de

Funktionelle Dyspepsie: ein reizendes Syndrom, in: ugb.de

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