Vitiligo – was hilft gegen die weißen Flecken?

Antientzündliche Cremes können bei Vitiligo zur Repigmentierung führen
Antientzündliche Cremes können bei Vitiligo die Größenzunahme der Flecken-Herde stoppen und zur Repigmentierung führen © Fotolia

Wenn an manchen Stellen plötzlich die Pigmente fehlen, ist die Verunsicherung groß. Hautarzt Prof. Dr. Kristian Reich über Ursachen und Therapien.

Sie ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. Trotzdem stellt Vitiligo oder die "Weißfleckenkrankheit", wie sie auf Deutsch heißt, Experten noch immer vor Rätsel. Hautarzt Prof. Dr. Kristian Reich vom Dermatologikum Hamburg klärt auf.

 

Worum handelt es sich?

An mehr oder weniger großen Stellen gehen die Pigmentzellen zugrunde. So entstehen scharf begrenzte, weiße Flecke. Meist um die Gelenke, auf dem Handrücken, in den Achseln, im Gesicht sowie im Genitalbereich. Die Flecke können an Zahl und Größe zunehmen und sich verbinden. Sie können aber auch spontan wieder Farbe annehmen. Da die Krankheit gutartig und nicht ansteckend ist, handelt es sich in erster Linie um ein kosmetisches Problem.

 

Was sind die Ursachen?

Es gibt verschiedene Theorien. Oft findet man Entzündungszellen in den weißen Flecken – als ob das Immunsystem die eigenen Pigmentzellen angreifen würde. Tatsächlich kommen bei Menschen mit Vitiligo Autoimmunerkrankungen, etwa solche der Schilddrüse, häufiger vor. Außerdem im Verdacht sind Störungen im Stoffwechsel der umgebenden Hornzellen oder der Pigmentzellen selbst. Nicht selten sind auch Familienangehörige betroffen.

 

Kann es jederzeit auftreten?

In der Hälfte der Fälle entstehen die ersten Flecke vor dem 20. und in einem Viertel der Fälle vor dem 10. Lebensjahr. Insgesamt sind in Deutschland etwa 5 von 1000 Menschen betroffen.

Alternative Therapie in der Spezialklinik

Die Spezialklinik Neukirchen (Bayern) konzentriert sich auf die Behandlung von Allergien, Haut- und Umwelterkrankungen. Bei Vitiligo setzt man dort auf einen ganzheitlichen Therapie-Ansatz

„In Studien haben wir bei Betroffenen nicht nur eine höhere Schadstoffbelastung festgestellt. In den Vitiligo-Herden selbst findet sich auch eine hohe Konzentration an freien Radikalen", erklärt Dr. John Ionescu von der Spezialklinik Neukirchen. "Daher steht bei uns nicht die lokale Hautbehandlung im Vordergrund, sondern wir versuchen, die Entgiftungsfunktion der Leber anzuregen und die freien Radikale abzufangen. Dazu nutzen wir antioxidative Stoffe wie Betacarotin oder bestimmte Enzyme. Mit Aminosäuren und Mineralstoff-Präparaten wird zusätzlich die Pigment-Produktion angeregt. Nicht zuletzt setzen wir auf Entspannungstechniken wie Yoga. Denn auch Stress erzeugt freie Radikale."

Infos unter Tel.: 099 47 / 280 oder www.spezialklinik-neunkirchen.de

 

Ist Vitiligo gefährlich?

Im Prinzip nicht. Allerdings fehlt an den Stellen die Bräunung als Schutz vor UV-Strahlen. Insofern kann es schnell zum Sonnenbrand kommen. Aber das Hautkrebsrisiko ist nicht erhöht.

 

Wie wird therapiert?

Bei einigen Patienten können antientzündliche Cremes die Größenzunahme der Herde stoppen und zur Repigmentierung führen. Im Gesicht haben sich kortisonfreie Cremes mit den Stoffen Pimecrolimus oder Tacrolimus bewährt. Sie werden eigentlich bei Neurodermitis eingesetzt. Allerdings muss über mehrere Monate gecremt werden. Verschiedene Formen der Lichttherapie können helfen und die Einsatzmöglichkeiten von Laser behandlungen werden erforscht. Es gibt daneben Verfahren, bei denen körpereigene Pigmentzellen transplantiert werden. Die Bedeutung dieses aufwendigen Vorgehens ist aber noch nicht abschließend zu beurteilen.

 

Ist jeder weiße Fleck Vitiligo?

Keine Sorge. Häufig kommen helle Flecke oder Pünktchen von Ekzemen oder Pilzinfektionen. Es gibt auch angeborene depigmentierte Stellen, quasi farblose Muttermale, die sich nicht ausbreiten. Nicht zuletzt kommt es durch starke Sonneneinstrahlung oft zu kleinen Pigmentstörungen.

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