Podcast: Wenn Gefühle krank machen

Franziska König

Gefühlsausbrüche kennt sicher jeder von uns. Manchmal gehen die Emotionen mit einem durch und man regiert mit übermäßiger Freude, Liebe, aber auch mit Wut, Trauer und Verzweiflung. Doch ab wann stellen andauernde negative Gefühle eine Gefahr für die eigene Gesundheit dar und was kann man dagegen tun? Dies und vieles mehr klärt der Berliner Psychologe Özgür Karasu in einer neuen Folge VITATALK.  

Frau liegt mit zerzausten Haaren, die ihr Gesicht bedecken, auf dem Bett
Negative Gefühle können auf Dauer körperliche Symptome wie Rückenschmerzen auslösen Foto:  iStock/visualspace
Inhalt
  1. Negative Gefühle - wie wirken sie sich auf Dauer aus?
  2. Gefühlsausbruch – Was kann man tun?
  3. Warum unterdrücken wir unser Leiden?
  4. Ist der Schmerz psychischer Natur?
  5. Ist Unzufriedenheit angeboren?
  6. VITATALK: Der Gesundheitspodcast online

Negative Gefühle wirken nicht nur im Kopf: Auf Dauer können emotionale Belastungen körperliche Symptome wie Rückenschmerzen und Schlaflosigkeit hervorrufen. Doch wie kann man für sich herausfinden, was einem zusetzt? Ab wann ist eine Psychotherapie sinnvoll? In unserem Podcast VITATALK dreht sich alles rund um dieses Thema.

 

Negative Gefühle - wie wirken sie sich auf Dauer aus?

„Wenn aber das autonome Nervensystem überhandnimmt, z.B. durch chronischen, unbewussten oder unverarbeiteten Stress, dann reicht es nicht mehr, dass ich mich zusammenreiße, sondern dann nimmt sozusagen der Körper die Regie in die Hand“, erklärt Dr. Cora Stefanie Weber, Oberärztin an der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie an der Charité Berlin. Erhöhter Herzschlag & Blutdruck, Rückenschmerzen, Migräne, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen können als Symptome unterdrückter Negativgefühle die Folge sein.

In der Psychologie spricht man von Somatisierung: Gefühle, die unterdrückt und „nicht gefühlt werden dürfen“, treten nach einer gewissen Zeit als körperliches Symptom wieder auf. Getreu dem Motto „Seele und Körper vergessen nichts“, kehren belastende Gefühle, mit denen wir nicht umgehen können, als Schmerzen oder andere Symptome zurück.

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Gefühlsausbruch – Was kann man tun?

Der Berliner Psychologe Özgür Karasu erklärt: „Wenn Gefühle über einen hereinbrechen und das immer wieder passiert, sollte man sich anschauen, in welchem Kontext das auftritt“:

  • Es kann auf bestimmte, vereinzelte Situationen beschränkt sein, was nicht gleich problematisch ist. Man sollte hinterfragen: Was hat in der Situation dazu geführt?
  • Es kann unkontrolliert, in unpassenderen Situationen auftreten. Das kann ein Problem sein, wenn man nicht herausfindet woran die Ausbrüche liegen könnten oder Betroffene ihre Probleme mit ihren eigenen Bewältigungsmechanismen nicht mehr in den Griff bekommen. Dann rät der Experte meist zu einer Psychotherapie.

Özgür Karasu rät, sich mit den Gefühlen auseinanderzusetzen. Unterdrücken ist keine dauerhafte Lösung. Es tut gut, sich mit ausgewählten, vertrauten Mitmenschen auszutauschen. Man sollte für sich erkennen: Wie sehr schränkt mich der individuelle Leistungsdruck ein? Habe ich überhaupt Austauschmöglichkeiten oder wäre eine Therapie hilfreich?

 

Warum unterdrücken wir unser Leiden?

„Es gibt Personen, die dazu neigen, innere Konflikte zu verkörperlichen“, sagt Özgür Karasu. So kann der sprichwörtliche Herzschmerz bei Beziehungsproblemen tatsächlich auftreten. Ist jemand nicht in der Lage, einen bestimmten Konflikt mit dem Partner auszutragen, wird dieser als körperliches Symptom sichtbar. Man kann sagen: Der Körper symbolisiert den nicht ausgetragenen Konflikt in Form von Schmerzen.

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Ist der Schmerz psychischer Natur?

Meist ist dem Betroffenen die Ursache seines Symptoms, beispielsweise Rückenschmerzen, gar nicht bewusst. Kann der Arzt einen körperlichen oder organischen Grund ausschließen, sind die Beschwerden häufig psychosomatisch. In einer Therapie wird „dem Unbewussten auf den Grund gegangen, anhand der Symptome, die sich zeigen“, so Özgür Karasu. Welche individuelle Geschichte, Erfahrungen und Prägungen hat der Betroffene und welche Rückschlüsse können daraus gezogen werden?

 

Ist Unzufriedenheit angeboren?

Jeder Säugling besitzt ein angeborenes Temperament: „Ein Kind, das eher zurückhaltend und ängstlich ist, wird diese Eigenschaft wohl auch später beibehalten“, sagt Özgür Karasu. Dies muss jedoch nicht entscheidend für die persönliche Zufriedenheit im Laufe seines Lebens sein: „Das zurückhaltende Kind ist nicht zwangsläufig unglücklicher und unzufriedener als das Erkundungsfreudigere“. Vielmehr geht es darum, mit dieser Unterschiedlichkeit umzugehen: „Wie kann ein jeder sein eigenes Potential entfalten und ein für seine Begriffe möglichst zufriedenes Leben führen?“

Doch es gibt sehr prägende Konflikte und Erfahrungen, die sich auf unsere Psyche auswirken und über diese Disposition hinausgehen. Kommen dadurch ausgelöste Gefühle, wie ein geringer Selbstwert, immer wieder zum Vorschein, ist die Frage, inwieweit sie einen behindern, einschränken und ob eine Therapie angebracht ist.

Unsere Experten

Özgür Karasu – Psychologe
Dr. Cora Stefanie Weber – Oberärztin der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie Charité Berlin

 

VITATALK: Der Gesundheitspodcast online

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