Visier als Corona-Schutz: Sichere Alternative zur Maske?

Luise Bergelt

Das Visier scheint zu Corona-Zeiten für immer mehr Menschen eine praktische Alternative zur Maske. Doch wie gut schützt ein Visier? Und ist es als Alternative zur Mund-Nasen-Bedeckung überhaupt erlaubt?

Inhalt
  1. Wie sieht ein Visier aus?
  2. Vorteile des Visiers gegenüber einer Maske
  3. Tröpfcheninfektion und Aerosole spielen eine wichtige Rolle
  4. Mangelnder Schutz gegen Corona durch ein Visier
  5. Eingeschränkte Erlaubnis
  6. Visier als ergänzender Corona-Schutz zur Maske

Das Visier ist in Zeiten von Corona eine praktische Alternative zur Maske für immer mehr Menschen: Die Brille beschlägt nicht, es lässt sich unbeschwert atmen und leichter zu pflegen ist es auch. Doch der Schutz durch ein Visier und dessen Zulassung als Alternative zur Maske ist umstritten. Alle Infos zur Masken-Alternative. 

 

Wie sieht ein Visier aus?

Anders als die herkömmlichen DIY-Stoffmasken, auch „Community Masken“ genannt, besteht ein Visier aus Kunststoff, das sich wie ein Schild vom Kinn bis zur Stirn vor das Gesicht wölbt (daher auch „Face Shield" genannt). Mit einem Gummiband an der Stirn befestigt, ermöglicht es so ein unbeschwertes Atmen und eine freie Sicht auf das Gesicht. 

 

Vorteile des Visiers gegenüber einer Maske

Ein Visier weist im Gegensatz zur Maske viele praktische Vorteile auf: 

  • unbeschwertes Atmen: ungehinderte Luftzufuhr
  • geringeres Beengungsgefühl: Visier liegt nicht eng an
  • Schutz der Augen: zusätzlich zum Mund- und Naseschutz
  • weniger Berührungen im Gesicht: kein Richten der Maske 
  • angenehme Kommunikation: besseres akustisches Verständnis
  • Brille beschlägt nicht: bedingungslose freie Sicht
  • leichtere Pflegen: Kunststoff lässt sich mit weniger Aufwand reinigen. Das Visier durchfeuchtet auch nicht wie eine Stoffmaske, die in diesem Fall an Schutz verliert

Stoff wird zerschnitten
Service Masken selber falten: DIY-Mundschutz ohne Nähen

 

Tröpfcheninfektion und Aerosole spielen eine wichtige Rolle

Das Coronavirus kann durch die sogenannte Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Um beurteilen zu können, wie gut die Plastikvisiere vor einer Tröpfcheninfektion schützen, gilt es zunächst einen Blick auf die unterschiedlichen Arten von Tröpfchen zu werfen:

Bei einer klassischen Tröpfcheninfektion fliegen „großen Tröpfchen“ beim Husten oder Niesen ein Stück weit auf gerader Bahn und fallen dann zu Boden.

Es gibt jedoch auch Tröpfchen, die so klein sind, dass sie über den feinen Nebel beim Ausatmen verbreitet werden und keiner „direkten Flugbahn“ folgen, sondern über längere Zeit in der Luft verbleiben. Sie werden „Aerosole“ genannt. Die Rolle der Aerosole für das Corona-Infektionsgeschehen ist nach wie vor nicht ganz geklärt, doch mehrere internationale Forschungsgruppen u.a. das Robert Koch Institut konnten mittlerweile Coronaviren in solchen Aerosolen nachweisen und schließen daher eine Aerosolinfektion bei dem Coronavirus nicht aus. „Auch wenn eine abschließende Bewertung zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, weisen die bisherigen Untersuchungen insgesamt darauf hin, dass SARS-CoV-2-Viren über Aerosole auch im gesellschaftlichen Umgang übertragen werden können“, so das RKI. 

Frauen mit Masken unterhalten sich draußen
Service Corona-Übertragung durch Sprechen? Studie hält das für möglich

 

Mangelnder Schutz gegen Corona durch ein Visier

Bei beiden Arten von Tröpfchen, aber insbesondere bei der vom RKI als theoretisch möglich eingeschätzten Aerosolinfektion, schützt das Visier nicht ausreichend. Als Komplettschutz tauge ein Visier dabei natürlich nicht, da es kein geschlossenes System sei, bestätigt auch das Institut für medizinische Virologie der Uni Frankfurt. Denn von der Seite oder von unten könnten Viren immer noch ihren Weg finden. Und auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weißt darauf hin, dass die Gesichtsbedeckung richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen müsse. So könne das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten maximal minimiert werden und die Geschwindigkeit des Atemstroms und Tröpfchenauswurfs bestmöglich reduziert werden. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Visiere „i.d.R maximal (nur) die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen“, stuft auch das Robert Koch Institut „die Verwendung von Visieren (…) nicht als gleichwertige Alternative zur Mund-Nasen-Bedeckung“ ein. 

Selbstgenähte Gesichtsmasken frisch gewaschen
Service Selbstgenähte Maske: Richtig anwenden und reinigen

 

Eingeschränkte Erlaubnis

In fast allen Bundesländern wird ein Visier gemäß den Einschätzungen des RKI daher nicht als Alternative zur Maske anerkannt. Ausnahme bilden hier Hamburg, Hessen und Rheinland-Pfalz.

 

Visier als ergänzender Corona-Schutz zur Maske

Ein Visier schützt also nicht ausreichend vor einer Corona Infektion und darf daher nicht als Alternative zur Mund-Nasen-Bedeckung verwendet werden. Das heißt jedoch nicht, dass es wertlos ist: Gerade im Bereich des Handwerks, der Gastronomie oder Medizin kann es als ergänzende Schutzmaßnahme verwendet werden. Und auch Menschen, die aufgrund psychischer Erkrankungen wie Demenz oder Klaustrophobie oder körperlicher Einschränkungen keine Maske tragen können, haben durch ein Visier so die Chance, sich an den Corona-Schutzmaßnahmen zu beteiligen und sich wie mit einer Maske solidarisch zu zeigen.

 

Quellen:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Fragen und Antworten, in; Infektionsschutz.de

Risikoinformationen/Medizinprodukte/Schutzmasken, in: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte 

Neuartiges Coronavirus/Steckbrief, in: Robert Koch Institut

Infektion über die Luft nicht auszuschließen, in: aerzteblatt.de

Infektion über Aerosole immer wahrscheinlicher, in: pharmazeutische-zeitung.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2020 praxisvita.de. All rights reserved.