Virusinfekt: Wann eine Sportpause sinnvoll ist

Dr. med. Nadine Heß

Immer wieder hört man, dass mit einem Virusinfekt besser auf Sport verzichtet werden soll. Wenn es einem selbst oder dem Kind noch richtig schlecht geht, ist jedem klar, dass das Sportprogramm ausgesetzt werden muss. Aber warum sollte man nicht gleich, nachdem der Virusinfekt vorbei ist, wieder auf den Sportplatz oder ins Fitnessstudio?

Kinderärztin Dr. Nadine warnt: Keinen Sport machen bei Virusinfekt, Myokarditis-Risiko
Expertin Dr. Hess zu Myokarditis: „Das kann insbesondere dann passieren, wenn man schon zu früh wieder mit Sport begonnen hat und das Herz in dem Moment zwei Stressfaktoren ausgesetzt ist – dem Infekt, mit der notwendigen Abwehrreaktion, und Sport.“ © privat
 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess:

Es gibt diverse, sogenannte kardiotrope Viren, also Viren, beispielsweise nicht nur Husten und Halsschmerzen auslösen, sondern auch das Herz befallen können. Am häufigsten sind bei uns die sogenannten Coxsackieviren auslösend. In circa 1 Prozent der Virusinfekte kommt es dann wirklich zu einer manifesten Entzündung des Herzens, des Herzmuskels, (Myokarditis) manchmal auch zusätzlich der Herzinnenhaut (Endokarditis) und/oder des Herzbeutels (Perikarditis). Aber auch einige Bakterien können das Herz schädigen. Am bekanntesten sind hierfür wahrscheinlich die Erreger des Scharlach: Streptokokken der Gruppe A.

 

Virusinfekt: Risiko Herzmuskelentzündung

Meist läuft eine Myokarditis ab, ohne dass man sie bemerkt – man ist durch den Infekt ohnehin schon schlapp und die Virusinfektion verschwindet mit ein bisschen Ruhe ebenso, wie die begleitende Herzmuskelentzündung. Aber, egal ob Bakterien oder Viren, beide Erreger können das Herz durch die Entzündung auch so stark in Mitleidenschaft ziehen, dass es auf Dauer nicht mehr ausreichend Blut in den Kreislauf pumpen kann. Das kann insbesondere dann passieren, wenn man schon zu früh wieder mit Sport begonnen hat und das Herz in dem Moment zwei Stressfaktoren ausgesetzt ist – dem Virusinfekt, mit der notwendigen Abwehrreaktion, und Sport.

 

Wie wird eine Myokarditis behandelt?

Bei einer schweren Myokarditis wird das Herz größer (weil immer Blut in den Herzkammern zurückbleibt), man ist schon nach kurzen Anstrengungen völlig erschöpft und muss sich ausruhen. Ist es zu einer Herzmuskelentzündung gekommen, ist die wichtigste Maßnahme, die Grundkrankheit – also den Virusinfekt – zu behandeln, sofern das möglich ist. Zusätzlich ist Bettruhe und körperliche Schonung unabdingbar. Je nach Grad der Immobilisation muss auch mit blutverdünnenden Medikamenten gearbeitet werden, um Thrombosen und Embolien zu verhindern. In vielen Fällen heilt die Myokarditis wieder aus, wenn man Glück hat, auch ohne dauerhafte Einschränkungen der Herzkraft. Aber bei einigen Patienten ist das Herz schon so stark geschädigt, dass keine vollständige Heilung mehr möglich ist, schlimmstenfalls besteht Lebensgefahr und die Notwendigkeit einer Herztransplantation – wenn ein Spenderherz zur Verfügung steht.

Hat man sich nur einen einfachen Schnupfen eingefangen oder kratzt es ein bisschen im Hals, spricht nichts dagegen, mit einem leichten Training fortzufahren. Begleitet jedoch Fieber den Virusinfekt, sollte man sich mehrere Tage wieder völlig beschwerdefrei fühlen, bis man wieder Sport betreibt. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie vertrauensvoll Ihren Arzt.

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