Viren im Kinderzimmer

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Kinder mit Spielzeug
Bestimmte Viren können bis zu 24 Stunden auf Spielzeug überleben. © Fotolia

Ihr Kind ist schon wieder krank? Die Ursache könnte im Kinderzimmer lauern.

Eine US-amerikanische Studie hat kürzlich die Keimbelastung auf Kinderspielzeug aus Plastik getestet. Sie fanden heraus, dass sogenannte behüllte Viren bis zu 24 Stunden auf Gummi- und Plastikspielzeug überleben können. Behüllte Viren sind Erreger, die dank einer schützenden Außenschicht nicht unmittelbar auf einen Wirt angewiesen sind. Dies trifft auf Grippe-Viren aber auch auf SARS oder MERS zu. Das Gegenteil davon sind nackte oder unbehüllte Viren wie zum Beispiel das HI-Virus, welches bereits nach kurzer Zeit an der Luft abstirbt.

 

 

Auch Gegenstände können Viren übertragen

 

Die Forscher der Georgia State University raten Eltern, die Gefahr durch Viren nicht zu unterschätzen. „Kaum jemand denkt daran, dass Viren auch von nicht lebenden Objekten übertragen werden können“, erklärt Richard Beaden II, Haupt-Autor der Studie. „Die Leute denken, dass man Viren nur von anderen Leuten bekommen kann. Kinder sind besonders anfällig dafür, sich mit Infektionskrankheiten anzustecken, da sie ständig die Hände und Gegenstände in den Mund nehmen. Außerdem ist ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt.“

 

Vorhergehende Studien haben Spielzeug bereits als Überträger von Krankheiten in Kindergärten, Wartezimmern und anderen Bereichen, in denen Spielzeug geteilt wird, identifiziert. Bisher war allerdings unklar, wie lange Viren auf Gegenständen überleben können und wie oft eine Desinfizierung vonnöten ist.

Gesundheitsexperten empfehlen, Plastikspielzeug von kürzlich erkrankten Kindern einmal am . Ist das Kind krank oder hatte Besuch von kranken Spielkameraden, sollte das Spielzeug anschließend zusätzlich desinfiziert werden.

Allgemein gilt, dass Plastikspielzeug keimbelasteter ist als Holzspielzeug. Holz hat nämlich, obwohl es schwieriger abzuwaschen ist, antibakterielle Substanzen, die es insgesamt hygienischer machen.

Dies gilt für Holzsorten wie Kiefer, Eiche, Lärche und Pappel. Versuche mit Kiefernkernholz-Paletten haben gezeigt, dass diese auch bei starker Verschmutzung mit Fett und Eiweiß eine Art Selbstreinigungs-Effekt besaßen. Plastik-Paletten hatten bei gleichem Verschmutzungsgrad eine weit höhere Keimbelastung. Es wird vermutet, dass die antibakterielle Wirkung durch die poröse Struktur des Holzes bedingt ist. Feuchtigkeit, welche Bakterien für ihre Lebensfähigkeit und Vermehrung benötigen, wird so entzogen und die Bakterien sterben ab.

 

 

 

Spielzeug am besten aus Holz

 

Eltern sollten vor diesem Hintergrund lieber Holz-Spielzeug, wenn möglich unbehandelt, für ihren Nachwuchs kaufen. Plastikspielzeug sollte ab und zu desinfiziert werden. Auch die Wissenschaftler, die die Studie durchgeführt haben, raten zu einer Reinigungs-Routine: „Der Hauptfokus für Eltern, Betreuungseinrichtungen, Arztpraxen und allen Orten, wo Kinder Spielzeug teilen, sollte auf einer Implementation von Dekontaminationsstrategien liegen, um sicher zu gehen, dass Spielzeug nicht zu einem Reservoir für Erreger wird“, erklärt Beaden.

 

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Hamburg, 26. Juni 2016

 

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