Vierlinge mit 65: Wie riskant ist das?

künstliche Befruchtung
Laut deutschem IVF-Register gab es von 2000 bis 2012 in Deutschland 18 Vierlingsgeburten nach künstlicher Befruchtung. Bei nur einer davon war die Mutter über 40 Jahre alt © Fotolia

Die Schwangerschaft einer 65-Jährigen wirft medizinische und ethische Fragen auf. Wie kann eine Frau in diesem Alter noch schwanger werden und was für gesundheitliche Konsequenzen drohen ihr und den Ungeborenen? Praxisvita geht den Fragen auf den Grund.

Eine 65-jährige Berlinerin hatte sich durch Samen- und Eizellenspenden künstlich befruchten lassen. Eine Befruchtung auf natürlichem Weg war ausgeschlossen. Erst die letzte Behandlung mit vier Eizellen war ein Erfolg. Moralische Bedenken habe sie keine: „Ich halte es, wie ich es für richtig halte.“

 

Wie kann eine Frau mit 65 überhaupt noch schwanger werden?

Schwangerschaften ab 40 sind heutzutage angesichts der modernen Fortpflanzungsmedizin immer häufiger. Und so funktioniert es: "Nach der Menopause wird eine Eizellspende einer jungen Frau benötigt", erklärt Prof. Jan-Steffen Krüssel vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin. In Deutschland ist diese jedoch angesichts des Embryonenschutzgesetzes verboten. In Ländern wie Spanien und Tschechien wird die Eizellspende hingegen als Standardtherapie durchgeführt.

 

Warum steigt bei einer künstlichen Befruchtung die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt?

Im Reagenzglas wird die Eizelle der Spenderin mit dem Sperma eines Spenders befruchtet und anschließend der Spenderfrau implantiert. Frauen wird dabei häufig mehr als eine befruchtete Eizelle eingepflanzt, um die Chance, dass sich wenigstens ein Embryo in der Gebärmutter einnistet, zu erhöhen – damit steigt die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsschwangerschaft.

 

Welche gesundheitlichen Folgen hat die Schwangerschaft für die Mutter?

 „Der 65-jährige Körper ist definitiv nicht darauf ausgerichtet, eine Schwangerschaft auszutragen, nicht von einem Kind und schon gar nicht von Vierlingen“, betont Prof. Holger Stepan, Leiter der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum Leipzig. Der Körper einer 65-Jährigen ist im Falle einer Schwangerschaft hohen Belastungen ausgesetzt. „Das Herz und der Kreislauf werden stark beansprucht und die Gebärmutter wird stark überdehnt, was zu Frühgeburtsbestrebungen und verstärkten Blutungen nach der Geburt führen kann.” Eine so späte Geburt kann demnach durchaus lebensbedrohlich sein – für die Mutter.

 

Welchen Gefahren sind die Kinder ausgesetzt?

Auch die Kinder sind gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt. Eine Untersuchung ergab, dass Kinder einer Mehrlingsschwangerschaft häufiger zu früh zur Welt kommen, als Kinder in einer Einzelschwangerschaft. Die oftmals stark verkürzte Schwangerschaftsdauer kann dazu führen, dass die Kinder noch nicht voll entwickelt und untergewichtig sind. Schwere Erkrankungen wie Hirnblutungen, Infektionen aufgrund eines noch nicht vollständig ausgebildeten Immunsystems oder Lungenschäden sind leider keine Seltenheit.

Die Grundschullehrerin hat bereits 13 Kinder und sieben Enkel. Wenn die Schwangerschaft ohne Komplikationen verläuft, ist sie im Sommer 17-fache Mutter – und gleichzeitig die älteste Vierlingsmutter der Welt.

Hamburg, 13. April 2014

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