Vierjähriger erhält erste künstliche Bauchspeicheldrüse

Die Grafik einer Bauchspeicheldrüse
Die Aufgabe der Bauchspeicheldrüse ist es, Insulin zu produzieren – bei Diabetikern tut sie das nicht oder in zu geringen Mengen © Fotolia

Sein unbeschwertes Leben verdankt der kleine Xavier einer Revolution in der Diabetesforschung: Eine künstliche Insulinpumpe regelt seinen Blutzuckerspiegel – genau wie eine Bauchspeicheldrüse.

Der vierjährige Xavier Hames aus dem australischen Perth leidet an Typ-I-Diabetes – bisher schwebte er in der ständigen Gefahr, eine lebensgefährliche Unterzuckerung zu erleiden.

 

Meilenstein in der Diabetesforschung

Damit ist es jetzt vorbei: Die Ärzte des Princess Margaret Krankenhauses in Perth entwickelten ein neues Gerät, dass automatisch Xaviers Blutzuckerspiegel kontrolliert und Insulin ausschüttet, sobald er es braucht.

Laut Professor Tim Jones vom Princess Margaret Krankenhaus bringt dieser Fortschritt Eltern von diabeteskranken Kindern eine große Erleichterung – besonders nachts, wenn die Gefahr einer Unterzuckerung am größten ist. „Die meisten Eltern müssen jede Nacht zwei- oder dreimal aufstehen und den Blutzuckerspiegel ihres Kindes messen. Diese Eltern fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, dass das System eine Unterzuckerung verhindert.“

So funktioniert die künstliche Bauchspeicheldrüse

Die Aufgabe des in der Bauchspeicheldrüse produzierten Hormons Insulin ist es, den Blutzuckerspiegel zu steuern. Ein zu hoher oder zu niedriger Blutzuckerspiegel kann lebensgefährlich werden. Bei Menschen mit Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse zu wenig oder kein Insulin. Diabetiker müssen sich darum regelmäßig Insulin entweder spritzen oder mit einer Insulinpumpe zuführen. Diese Pumpen geben ständig Insulin an den Körper ab, um den Insulingrundspiegel zu gewährleisten. Wie bei der Spritztechnik muss der Diabetiker jedoch zusätzlich vor jeder Mahlzeit seinen Blutzucker messen und die Insulinpumpe auf die benötigte Menge programmieren.

Bei der neuen Technik ist das nicht mehr notwendig. Die batteriebetriebene Pumpe funktioniert wie eine natürliche Bauchspeicheldrüse: Ein eingebauter Sensor kontrolliert den Blutzuckerspiegel ständig. Fehlt Insulin, pumpt das Gerät die benötigte Menge durch einen Plastikschlauch, der unter der Haut befestigt ist. Nach etwa vier Jahren muss die Pumpe ausgetauscht werden.

Mit der künstlichen Bauchspeicheldrüse ist den australischen Medizinern ein Meilenstein in der Diabetesforschung gelungen. Die Entwickler betonen, die Technik sei nicht nur für Kinder geeignet – gerade alleinlebende Erwachsene könnten sehr davon profitieren.

Hamburg, 23. Januar 2015

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