Vibrionen-Alarm: Killer-Bakterien in der Ostsee

Vibrionen in der Ostsee
Vibrionen-Infektionen, die erst nach zwei Tagen festgestellt werden, führen bei jedem Vierten zum Tod. Besonders gefährdet sind Kinder und alte Menschen © Fotolia

Seit rund 20 Jahren warnen Ärzte vor ihnen – und doch kennt sie kaum jemand: Vibrionen. Vor allem die Ostsee bietet den gefährlichen Erregern optimale Lebensbedingungen und führt so immer wieder zu Todesfällen und schweren Verstümmelungen. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Zuletzt verstarb ein Ostsee-Urlauber Ende Juli an einer Vibrionen-Infektion. Ein weiterer Mann lag drei Wochen im Koma und könnte nun ein Bein verlieren. Der 73-Jährige war mit einer kleinen Wunde in der Ostsee schwimmen.

 

Die Ostsee ist ein Hoch-Risiko-Gebiet für Vibrionen         

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Mecklenburg Vorpommern (LAGuS) warnt in einem aktuellen Bericht vor dem Erreger. Demnach lässt sich das tödliche Bakterium mittlerweile im gesamten Ostseeraum und allen salzhaltigen Boddengewässern nachweisen. Für eine optimale Entwicklung benötigen Vibrionen Salzwasser und eine Wassertemperatur von rund 20 Grad Celsius.

Aufgrund dieser Vorliebe für warmes Salzwasser gelten die Erreger vor allem in tropischen Gewässern als Gefahr. Tatsächlich ist aber auch die Ostsee ein Vibrionen-Hoch-Risiko-Gebiet. Eine Studie zeigte, dass sich die Ostsee siebenmal schneller erwärmt, als andere Meere – nach Meinung vieler Forscher ein wichtiger Grund für das hohe Bakterienrisiko.

 

Wie kann man sich infizieren?

Nach Aussagen des LAGuS infizieren sich die meisten Betroffenen mit Vibrionen, wenn sie mit offenen Hautverletzungen im Meer schwimmen gehen. Ein weiterer Weg, sich mit dem gefährlichen Erregern anzustecken, ist der Verzehr von rohen oder halbrohen Meeresfrüchten – vor allem Austern, Muscheln, Krabben, aber auch Fischen. Offiziellen Angaben zufolge sind für das Jahr 2014 bisher sechs Infektions-Fälle im Ostseeraum gemeldet.

 

Wie lässt sich eine Erkrankung feststellen?

In der Regel führt eine Infektion mit Vibrionen bei den Betroffene zu einer Blutvergiftung. Zudem bilden sich Geschwüre oder sogenannte Nekrosen – das sind zum Teil tiefe Gewebeschäden, die durch das großflächige Absterben von Zellen am lebenden Körper ausgelöst werden. Vom Infektionsherd ausgehend befallen die Bakterien zumeist auch andere Körperbereiche.

Weitere Symptome sind Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit, Durchfall, Krämpfen, Organversagen und starke Schmerzen. Im Falle einer Aufnahme des Erregers durch ein Nahrungsmittel kann es zu einem Darmbrand – das Absterben bestimmter Darmteile.

 

Was tun bei Verdacht

Grundsätzlich sollten Sie bei wärmeren Temperaturen darauf achten, dass Sie mit offenen Wunden nicht mit Ostseewasser in Kontakt kommen. Wenn Sie nach dem Bad in der Ostsee den Verdacht hegen, sich mit Vibrionen infiziert zu haben – z.B. aufgrund einer Wundinfektion oder Anzeichen einer Blutvergiftung –, sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Dort wird Ihnen eine Blutprobe entnommen und bis zur genauen Diagnose vorbeugend ein Antibiotikum verabreicht.

Grundsätzlich gilt: Je schneller mit einer Behandlung begonnen wird, desto besser sind die Heilungschancen. Wird die Infektion sofort erkannt, liegt die Sterberate bei rund fünf bis zehn Prozent. Sind zwei bis drei Tage seit der Infektion vergangen, stirbt bereits jeder vierte Patient.

Hamburg, 2. September 2014

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