Vibratorweste zur Behandlung von Lungenkrankheiten

Rettungsweste für Lungenkranke
Amerikanische Forscher haben in San Francisco eine aufblasbare Weste vorgestellt, die chronisch lungenkranken Menschen helfen soll, besser mit ihrer Krankheit zu leben © Fotolia

Eine Rettungsweste, die nicht vor dem Ertrinken schützt, dem Benutzer aber trotzdem das Leben rettet? Amerikanische Forscher haben in San Francisco eine aufblasbare Weste vorgestellt, die chronisch lungenkranken Menschen helfen soll, besser mit ihrer Krankheit zu leben.

Etwas merkwürdig klingt das schon: Eine Weste, die sich in Intervallen mit Luft füllt und dadurch schleimlösend in den Lungen wirkt. Der Anwender soll schon nach einer 20-minütigen Behandlung mit der Weste den Effekt von 18.000 Mal Husten haben. Wer das braucht? Menschen, die von einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (kurz: COPD) betroffen sind – darunter fallen etwa ein Lungenemphysem oder eine chronische Bronchitis – leiden häufig unter festsitzendem Schleim in den Lungen. Freies Atmen ist dabei kaum möglich. Durch ständiges Husten und Räuspern versuchen die Betroffenen ihrem Leid Abhilfe zu schaffen und ihre Lungen zu befreien. Das ist ein natürlicher Abwehrmechanismus des Körpers, denn das Sekret ist infektiös und kann weitere Krankheiten, etwa eine Lungenentzündung, verursachen. Das Problem: Jedes Mal Husten belastet die Lunge und die Bronchien und kann sehr schmerzhaft sein.  

 

Eine  Vibrationsweste soll Betroffenen beim Husten helfen

Die neuartige Weste soll den Effekt des Hustens jetzt sanft nachbilden. Dafür wird mit einem Schlauch Luft in die Kammern einer Weste gepumpt, die an eine Rettungsweste erinnert. Die mit Luft gefüllten Kammern pressen sich in Intervallen an die Brust des Trägers. 15 Mal in der Sekunde füllt sich die Weste mit Luft und erzeugt damit eine Vibration, durch die die Lunge in Schwingungen versetzt, der Auswurf gelöst und ein einfaches Abhusten ermöglicht wird. Während der 20-minütigen Behandlung sollen sich die Patienten immer wieder Pausen nehmen, um das gelöste Sekret abhusten zu können.

 

Unkomplizierte Behandlungsmethode für zu Hause

Durch die unkomplizierte Anwendung soll die Weste ideal für die Behandlung zu Hause geeignet sein: Einfach überstreifen, vor der Brust verschließen und den kleinen Generator einschalten. Studien haben außerdem ergeben, dass bei täglicher Anwendung die Lebensqualität der Betroffenen deutlich steigt und Antibiotika um die Hälfte verringert werden konnten. Besonders geeignet ist die „Vibra-Weste“ für Patienten, die zu geschwächt zum eigenständigen Abhusten sind oder unter sehr festsitzenden Ablagerungen in den Lungen leiden. Ein Schnäppchen ist die Erfindung eines deutschen Herstellers mit einem Kaufpreis von 5.000 Euro allerdings nicht – ein Antrag zur Kostenübernahme kann mit Rezept oder Verordnung aber bei der Krankenkasse gestellt werden. Eine vorherige Absprache mit dem behandelnden Arzt ist, wie bei jedem therapeutischen Hilfsmittel, empfehlenswert.

Hamburg, 24. Oktober 2016

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