Viagra lässt Krebszellen schneller wachsen

Ein Mann nimmt Viagra
Viagra lässt Hautkrebs schneller wachsen – das ergibt eine aktuelle Studie deutscher Wissenschaftler © Fotolia

Der Wirkstoff Sildenafil, besser bekannt als Viagra, regt das Wachstum von Melanomen, also Krebszellen an – das fanden deutsche Forscher in ihrer aktuellen Studie heraus.

Das Team um Prof. Robert Feil an der Universität Tübingen konnte in Tierversuchen und an menschlichen Zellkulturen nachweisen, dass Sildenafil die Wirkung des sogenannten cyclischen Guanosimonophosphat (cGMP) verstärkt. Dieser Botenstoff spielt in vielen Stoffwechselvorgängen eine wichtige Rolle, von den Zellen der Blutgefäße und des Herzens bis hin zu Nerven- und Sinneszellen. Seine genaue Wirkung auf erwünschte und unerwünschte Wachstumsprozesse im Körper ist noch weitgehend unerforscht. Die Tübinger Wissenschaftler fanden nun heraus, dass er das Wachstum von Hauttumoren (Melanomen), also Krebszellen, fördert.

 

Sildenafil schaltet körpereigene „Bremse“ aus

„Wir haben entdeckt, dass auch Zellen des malignen Melanoms den cGMP-Signalweg für ihr Wachstum nutzen“, erklärt Prof. Feil. Normalerweise sorgt laut Angaben der Forscher ein körpereigenes Kontrollsystem dafür, dass cGMP kontinuierlich abgebaut wird – dafür zuständig ist das Enzym Phosphodiesterase 5 (PDE5). Der Wirkstoff Sildenafil hemme jedoch die Wirkung von PDE5. „PDE5 wirkt in der Zelle wie eine Bremse auf das cGMP“, so Prof. Feil: „Die Einnahme von Sildenafil schaltet diese Bremse gewissermaßen aus.“ Die Folge sei, dass die Melanome stärker wachsen.

Krebszellen
Laut einer Studie regt ein Wirkstoff in Viagra das Wachstum von Krebszellen an© iStock
 

Krebszellen: Zusammenhang mit Viagra bestätigt

Mediziner vermuten bereits seit Längerem einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Viagra und Krebszellen, die bei Hautkrebs eine Rolle spielen. So wies 2014 eine Langzeitstudie mit rund 15.000 US-amerikanischen Männern darauf hin, dass Sildenafil das Risiko für bösartige Melanome erhöht. Dieser Verdacht erhärtete sich 2015 durch eine weitere Studie an etwa 24.000 Männern aus Schweden.

Die beiden Untersuchungen konnten jedoch nicht abschließend klären, ob das erhöhte Melanomrisiko tatsächlich auf eine biologische Wirkung des Arzneimittels auf die Tumorzellen zurückzuführen ist. Nicht ausgeschlossen wurde, dass das vermehrte Auftreten von Krebszellen bei Männern, die Viagra einnehmen, auch eine Folge ihres Lebensstils sein könnte, der durch zahlreiche Urlaube mit intensiven Sonnenbädern oder Besuche in Solarien geprägt war.

 

Sollten Männer jetzt kein Viagra mehr nehmen?

Feil betont, auch vor dem Hintergrund der neuen Ergebnisse bestehe kein Anlass, Männern generell von der gelegentlichen Einnahme von Viagra abzuraten. Zunächst seien weitere Untersuchungen notwendig, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den Menschen abzuschätzen. Es sei aber eher unwahrscheinlich, dass der Wirkstoff bereits die Entstehung von Hautkrebs begünstige. „Wir gehen davon aus, dass Sildenafil und möglicherweise auch andere PDE5-Hemmer in erster Linie das Fortschreiten bereits vorhandener Melanome verstärken könnten, vor allem wenn diese Medikamente dauerhaft in hohen Dosen eingenommen werden“, sagte Feil.

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