Verwirrt im Krankenhaus: So beugen Sie einem Delirium vor

Eine alte Frau liegt im Krankenhaus
Für alte Menschen ist ihre gewohnte Umgebung extrem wichtig – werden sie für längere Zeit aus ihr herausgerissen, kann das zu einem Delirium führen. Gespräche mit anderen Menschen geben Halt und können vorbeugend wirken © Fotolia

Forscher haben eine Reihe von Maßnahmen definiert, die das Risiko eines Deliriums im Krankenhaus mehr als halbieren. Erfahren Sie hier, was Sie als Angehörige selbst tun können.

Mehr als ein Viertel der über 60-jährigen Krankenhauspatienten erleidet laut Expertenschätzungen ein Delirium. Der Begriff stammt von dem lateinischen „De lira ire“ ab und bedeutet soviel wie „aus der Spur geraten“. Das beschreibt den Zustand der Betroffenen gut: Sie sind unruhig, schläfrig, verwirrt und haben Halluzinationszustände, viele Betroffene erkennen ihre Angehörigen nicht mehr. Der Auslöser ist häufig eine Narkose, aber auch schon die fremde Umgebung im Krankenhaus kann einen alten Menschen in einen Verwirrtheitszustand versetzen.

 

Wenn das Delirium ins Pflegeheim führt

Meist vergeht dieser Zustand wieder – manchmal hält er aber auch an. Das bedeutet für den Patienten nicht selten den Umzug ins Pflegeheim. Darum ist es wichtig, dass Ärzte, Krankenpfleger und Angehörige alles dafür tun, ein Delirium bei alten Patienten zu vermeiden und wenn es doch dazu kommt, richtig zu reagieren. Häufig geschieht das noch nicht: Pflegekräfte erkennen den Zustand des Patienten zu spät, Angehörige sind nicht aufgeklärt oder fühlen sich überfordert.

Wissenschaftler des Brigham and Women’s Hospital in Boston erstellten darum jetzt einen Katalog von Maßnahmen, mit denen sich einem Delirium ohne Medikamente vorbeugen lässt. Dazu analysierten sie 14 internationale Studien mit 4.267 Patienten in 12 Kliniken. Die Patienten waren durchschnittlich 79,7 Jahre alt.

Die Ergebnisse wurden kürzlich im Journal of the American Medical Association veröffentlicht. Zu den genannten Vorbeuge-Maßnahmen gehört beispielsweise eine möglichst kurze Nüchternheit vor der Narkose, eine klare Strukturierung des Tages, ein störungsfreier Schlaf und eine enge Beziehung zum Pflegepersonal. Doch auch Angehörige können einiges tun, um ein Delirium bei ihren Lieben zu verhindern.

 

Delirium-Vorbeugung: Das können Angehörige tun

  • Den Patienten so häufig wie möglich besuchen: Bekannte Gesichter und vertraute Stimmen geben ihm Halt und Orientierung
  • Betroffene immer wieder daran erinnern, wo sie sich befinden, welcher Tag und welche Uhrzeit es gerade ist
  • Eine Uhr und einen Kalender auf dem Nachttisch deponieren
  • Für eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sorgen (mindestens 1,5 Liter pro Tag)
  • Darauf achten, dass der Betroffene benötigte Hör- und Sehhilfen immer trägt

Mit diesen Schritten lässt sich das Risiko eines Deliriums um 53 Prozent senken – die Zahl der Stürze infolge von Delirien verringert sich durch die Maßnahmen sogar um 62 Prozent.

Hamburg, 16. Februar 2015

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