Verursachen Geldscheine Pickel?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Wie keimbelastet ist unser Geld?
Wie keimbelastet ist unser Geld? © IStock

Wie giftig ist eigentlich unser Geld und was können uns die Bakterien auf den Geldscheinen anhaben?

Die Bäckerin nimmt mit derselben Hand das Geld an, mit der sie die Brötchen einpackt. Das Baby lutscht gedankenverloren an einem 50-Centstück. Das Sparschwein wird auf dem Küchentisch ausgeleert und die Münzen gezählt. Alles alltägliche Situationen, in denen wir den Bakterien, die es sich auf unserem Bargeld gemütlich machen, näher kommen, als Hygieneexperten empfehlen. Doch was kann uns durch „schmutziges“ Geld eigentlich wirklich passieren? Um das herauszufinden, hilft es, zunächst einmal zu analysieren, was genau sich alles auf dem Geld tummelt. Die gute Nachricht vorab: Münzen sind in aller Regel weniger schmutzig, als viele denken. Das liegt einerseits an ihrer glatten Metalloberfläche, an der Bakterien weniger Möglichkeiten haben, haften zu bleiben, aber auch an ihrem Kupferanteil, der unter anderem bei Euromünzen verarbeitet wird. Dieser wirkt antibakteriell.

Und wie sieht es mit Scheinen aus? Sie bestehen in den meisten Ländern (USA, Euro-Raum, China etc.) aus einem Baumwoll-Mischgewebe. Nach etwas 1,5 bis zwei Jahren müssen die Scheine ausgetauscht werden, da sie durch den häufigen Gebrauch schnell verschleißen. Bis dahin wandern sie durch viele Hände und Brieftaschen und werden dabei von zahlreichen Bakterienkolonien besiedelt.

 

Wie schmutzig ist unser Geld?

Für die Analyse dieser Bakterien haben vor einigen Jahren amerikanische Forscher das „Dirty Money Project“ ins Leben gerufen. Mit Hilfe von DNA-Analysen bestimmten sie, was genau wir eigentlich in unserem Geldbeutel umhertragen. Das Ergebnis ist nicht nur faszinierend, sondern auch erschreckend: Auf den Banknoten wurden über 3000 verschiedene Bakterienarten identifiziert. Darunter auch Pilze und Pathogene, wie das Bakterium E. coli, das zu Durchfall und Lebensmittelvergiftungen führen kann sowie sehr kleine Spuren von Anthrax und Diphterie-Erregern. Auch Bakterienarten, die zu Lungenentzündungen, Magengeschwüren und Akne führen können, wurden gefunden. Wer unter einer unreinen Haut oder häufigem Durchfall leidet, sollte also seine Brieftasche als Ursache in Betracht ziehen. Übrigens: Nicht alle gefundenen Bakterien waren menschlichen Ursprungs. Nicht nur die DNA von einigen Pflanzenarten Hunden und Pferden wurde gefunden. Auch Spuren eines Breitmaulnashorns wurden auf einem Schein identifiziert.

 

Wir alle tragen Second Hand...

Um auf die bakterielle Verschmutzung der Geldschiene hinzuweisen, hat ein kolumbianischer Hygiene-Gel-Hersteller im Jahr 2014 eine aufsehenerregende Werbekampagne gestartet. Das Unternehmen stempelte Geldschiene im Wert von 3500 Dollar mit einem QR-Code (über das Handydisplay auslesbarer Code), der dem Scheinbesitzer Informationen darüber lieferte, wieviele Besitzer die Banknote vorher hatte (im Schnitt sind es 75.000 Besitzer pro Jahr) und wieviele Bakterien auf ihm sitzen. Durch den sogenannten „Bacteria Tracker“ sollten die Anwender zu häufigerem Händewaschen animiert werden.

 

Was können Sie gegen die Bakterien tun?

Das empfehlen auch Hygiene-Experten im Umgang mit Geld. Nach dem Geldzählen oder Bezahlen sollten man sich die Hände waschen. Nur so lässt sich vermeiden, dass über die Haut oder die Schleimhäute aufgenommene Bakterien Infektionen im Körper verursachen. Wenn das Händewaschen unterwegs nicht möglich ist, sollte man seine Hände zumindest nicht in den Mund nehmen und sein Gesicht nicht anfassen. Wem das als Hygienemaßnahme nicht reicht: Wer nur noch mit Münzen zahlt, hat weniger Bakterienkontakt. Schließlich enthalten Münzen, wie wir wissen, weniger Bakterien als Scheine. Wem auch diese, zugegebenermaßen etwas unpraktische Maßnahme nicht reicht, dem bleibt nur noch das Auswandern übrig: Und zwar am besten nach Kanada, Australien oder Neuseeland. Hier bestehen die Geldscheine nicht aus Baumwolle, sondern aus Polymerfolie (Kunststoff). Diese bietet Bakterien durch ihre geringe Saugfähigkeit einen schlechteren Nährboden. EC- und Kreditkarten bestehen zwar auch nicht aus Baumwolle, eine keimlose Alternative bieten sie aber leider nicht. Schuld sind die Tasten an Bankautomaten und Kartenlesegeräten. Auf diesen fanden Forscher ähnlich viele Bakterien wie auf öffentlichen Toiletten.

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