Erstaunlicher Patientenfall Versteckte Ursache für Schnupfen

Stephanie Pingel Medizinredakteurin
Kendra Jackson
Kendra Jackson lebte fünf Jahre mit einer laufenden Nase, bevor die richtige Ursache dafür entdeckt wurde © Nebraska Medicine

Nach einem Autounfall leidet die Amerikanerin Kendra Jackson über fünf Jahre lang an einer kontinuierlich laufenden Nase. Nach mehreren falschen Diagnosen findet ein Spezialist schließlich eine verblüffende Ursache.

Im Jahr 2013 änderte sich das Leben der Amerikanerin Kendra Jackson von einer Sekunde auf die andere: Die aus Nebraska stammende Frau stieß sich bei einem Autounfall stark den Kopf an – und litt ab diesem Moment an einer konstant laufenden Nase. „Wenn ich ausging, hatte ich immer mehrere Packungen Taschentücher dabei, mit denen ich alle meine Taschen vollgestopft habe“ so Jackson. Ihre Nase „tropfte wie ein Wasserfall, kontinuierlich, schließlich lief die Flüssigkeit sogar bis in den Rachen.“

 

Weder Allergie noch Erkältung

Neben dem Schnupfen litt die Amerikanerin unter dauerhaften Beschwerden wie Husten, Niesen, Schlafstörungen und starken Kopfschmerzen. „Ich konnte kaum schlafen, fühlte mich wie ein Zombie“, erklärt Jackson. Sie lief von Arzt zu Arzt, bekam aber immer wieder die gleichen Diagnosen: Allergien, eine andauernde Erkältung oder psychisch bedingter Stress.

Erst ein Spezialist im Nebraska Medical Center entdeckte fünf Jahre nach dem Unfall die wahre Ursache für Jacksons Beschwerden: Durch eine Art Leck im Gehirn lief sogenannte Cerebrospinalflüssigkeit (CFS, auch Nerven- oder Gehirnflüssigkeit) aus ihrer Nase – rund 237 Milliliter täglich. Die Cerebrospinalflüssigkeit sorgt normalerweise dafür, dass das Gewicht des Gehirns weniger auf die Schädelbasis drückt und schützt so auch das Nervengewebe vor Stößen.

 

Ein Leck im Gehirn

„Die Hauptursache eines solchen Lecks ist ein Trauma, wie bei einem Autounfall“, so Dr. Amber Loung, die als HNO-Ärztin am University of Texas Health Sciences Center tätig ist. Aber auch durch erhöhten Druck im Schädel kann es spontan zu einem Leck kommen. Ältere Menschen sind eher betroffen als junge, weil der Druck bei ihnen schneller den Knochen abtragen kann.

Kendra Jackson konnte nach der richtigen Diagnose endlich geholfen werden: Bei einem kleinen Eingriff wurde das Leck in ihrem Gehirn durch körpereigenes Fettgewebe gestopft. Seither fühlt sie sich viel besser: „Ich muss nicht mehr ständig Taschentücher mit mir herumschleppen und bekomme deutlich mehr Schlaf.“

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