Versteckte Ursache für Mundgeruch: Mandelsteine

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Mandelsteine
Sogenannte Tonsillolithe hat fast jeder in seinem Mund. Für einige Menschen können die Ablagerungen an den Mandeln jedoch einen unangenehmen Nebeneffekt haben. © iStock

Sogenannte Tonsillolithe hat fast jeder in seinem Mund. Für einige Menschen können die Ablagerungen an den Mandeln jedoch einen unangenehmen Nebeneffekt haben.

Die Mandeln gehören zu den wichtigsten Abwehrsystemen unseres Körpers. Durch ihre Lage im hinteren Mundraum erkennen sie durch Nahrung und Luft eindringende Erreger sofort und leiten die Information an das Immunsystem weiter. Leider gehört jedoch zu diesem wichtigen Teil unseres Abwehrsystems auch ein eher unappetitlicher Zusatz: Mandelsteine, auch Tonsillolithe genannt. Bei einigen Menschen können sie zu starkem Mundgeruch führen. Die kalkartigen Gebilde bestehen aus Essensresten, abgestorbenen Hautzellen und weißen Blutkörperchen, die sich in den Furchen (Krypten) der Mandeln abgelagert haben. Dort bleiben sie meistens unbemerkt und – die gute Nachricht – richten keinen Schaden an. Zum Problem werden sie allerdings, wenn sie an die Mandeloberfläche gelangen. Dort können sie für starken Mundgeruch sorgen. Das ist zwar medizinisch immer noch unbedenklich, kann das Sozialleben Betroffener allerdings erheblich beeinträchtigen. Der unangenehme Geruch entsteht durch in der Mundhöhle lebende Bakterien, die die Zell- und Nahrungsreste zersetzen.

 

Mandelentzündung oder Mandelstein?

Häufig kann man die Steine mit dem bloßen Auge am hinteren Gaumenrand erkennen. Sie zeigen sich als kleine weiße Punkte auf der Mandeloberfläche. Teilweise lassen sie sich auch mit der Zunge erfühlen. Wenn die Steine mit Schluckbeschwerden und einem Engegefühl im Rachen auftreten, werden sie teilweise mit einer Mandelentzündung verwechselt. Wer nicht ganz sicher ist, sollte einen HNO- oder Zahnarzt aufsuchen. Patienten, die häufig unter Mandelentzündungen leiden, sind übrigens eher von Mandelsteinen betroffen, als andere Menschen. Das liegt daran, dass durch die Entzündung entstandene Kleinstnarben die Furchen in den Gaumenmandeln verengen und sich abgestorbene Zellen dort eher ablagen und zu Mandelsteinen entwickeln können.

 

Wie wird man die Mandelsteine los?

Nicht erschrecken: In Einzelfällen lösen sich die Tonsillolithe von selbst und bei einem kräftigen Niesen oder Husten fliegen plötzlich die sogenannten Steinchen durch die Luft. Im Normalfall können die Mandelsteine ansonsten selbst entfernt werden. Wer keinen allzu stark ausgeprägten Würgereiz hat, kann dazu einen dünnen Plastikspatel von unten gegen die Gaumenmandeln drücken. Der Stein tritt dann hervor. Wer davon würgen muss, kann es auch mit der Zunge versuchen, da so ein weniger starker Würgereiz entsteht. Auch eine Munddusche kann helfen, hier sollte der Strahl allerdings nicht zu stark eingestellt sein, da sonst Gewebeschäden drohen. Um die Entstehung der Mandelsteine einzuschränken, helfen antibakterielle Mundwasser und ein vorsichtiges Reinigen der Mandeloberfläche mit der Zahnbürste.

Wer die Tonsillolithen lieber professionell entfernen lassen will, sollte einen Termin beim HNO-Arzt vereinbaren. Dieser kann die Mandelsteine mit Hilfe der sogenannten Roeder-Methode durch Unterduck – ähnlich wie beim Schröpfen –  absaugen. Diese Prozedur muss allerdings alle paar Monate wiederholt werden, da sich die Steine wieder neu bilden.

 

Lohnt sich eine teilweise Entfernung des Mandelgewebes?

Wer sich des Problems komplett entledigen möchte, sollte nicht gleich über eine komplette Entfernung der Mandeln nachdenken. Ein Chirurg kann mit einer sogenannten intrakapsulären Tonsillektomie das Mandelgewebe entfernen. Dadurch verringert sich auch die Anzahl der Furchen im Gewebe und es können kaum noch Ablagerungen entstehen. Ob man selbst für dieses Verfahren infrage kommt, muss zuvor aber gründlich mit einem HNO-Arzt abgeklärt werden.

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