Fördern Milchprodukte Pickel?

Redaktion PraxisVITA
Milchprodukte können Pickel hervorrufen
Hochgradig zuckerhaltige Milchprodukte lassen den Blutzuckerspiegel stark ansteigen und unterstützen so den Entzündungsprozess von Pickeln auf der Haut © istock/kirin_photo

Viele Menschen, die täglich Milch konsumieren, beklagen sich über Hautunreinheiten. Vor allem Teenager haben oft mit Akne zu kämpfen. Aber lässt sich tatsächlich ein Bezug von Pickeln zu Milchprodukten herstellen?

 

Ist Milch schuld an meinen Pickeln?

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg über einen Zusammenhang von Milchprodukten und Pickeln. Dennoch wird diese Empfehlung hartnäckig ausgesprochen – in Ratgebern, im Internet und manchmal auch von Hautärzten. Was aber stattdessen vorliegt: der Nachweis über einen Zusammenhang der Talgdrüsenstimulation in der Haut und einer Ernährung mit hohem glykämischem Index (extrem kohlenhydrathaltige Lebensmittel wie Süßigkeiten, Nudeln usw.).

Das klingt zunächst etwas kompliziert, ist es aber gar nicht: Pickel entstehen durch eine Überproduktion von Talg in den Talgdrüsen, die an jedem Haarfollikel liegen. Der Talg kann infolge einer verstärkten Verhornung des oberen Haarkanals nicht abtransportiert werden. Kommen dann noch Bakterien hinzu, ruft das eine Entzündung hervor – den Pickel.

Dieser Prozess wird von Lebensmitteln mit einem hohen glykämischen Index unterstützt, weil sie ihren Zucker schnell ins Blut abgeben. Jetzt kommt es zu einer Kettenreaktion: Der erhöhte Blutzucker treibt die Produktion des Hormons Insulin an.

Eine hohe Insulin-Konzentration im Blut lässt die Haarfollikel größer werden und verstärkt die Produktion von Androgenen. Das sind Männlichkeitshormone, die wiederum die Talgproduktion und die Verhornung anregen. Durch diesen dynamischen Prozess entsteht eine flächige Entzündung der Haut – im schlimmsten Fall eine Akne.

Akne ist die häufigste Hauterkrankung bei Jugendlichen, die oft seelische sehr belastet und das Selbstwertgefühl mindert
Akne ist die häufigste Hauterkrankung bei Jugendlichen, die oft seelische sehr belastet und das Selbstwertgefühl beeinträchtigt © IStock/energyy
 

Diese Milchprodukte verschlimmern Pickel

Doch zurück zur eingangs gestellten Frage: Auch in meiner Praxis berichten immer wieder Patienten von einem Rückgang der Pickel, nachdem sie Milchprodukte weggelassen hatten. Fragt man genauer nach, wird schnell begreiflich, warum: Sie haben auf Schokolade, Schlagsahne, Milchshakes, Eis, Pudding verzichtet – alles hochgradig zuckerhaltige Nahrungsmittel mit hohem glykämischem Index. Ganz klar, dass sich bei einer solchen Ernährungsumstellung auch die Akne verbessert.

Was tun? Sich bei vielen Pickeln jedes Stück Schokolade zu verkneifen muss nicht sein. Man sollte aber in der Summe eine ausgewogene Ernährung anstreben – hauptsächlich Vollkornprodukte, wenige Fast-Food-Sünden und reichlich Obst und Gemüse. Damit kann man das Hautbild maßgeblich verbessern.

Bei einer Akne sollte eine professionellen Akne-Therapie in Anspruch genommen werden, zu der eine medizinische Tiefenreinigung alle zwei bis vier Wochen gehört. Starke Beschwerden dürften dann bald der Vergangenheit angehören.

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