Bayern: Verminderter Corona-Impfschutz durch Chemikalie in Trinkwasser?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Führt Perfluoroktansäure (PFOA) zu einem verminderten Corona-Impfschutz? Zahlreiche Menschen in Bayern, die die potenziell gesundheitsgefährdende Chemikalie jahrzehntelang über das Trinkwasser aufgenommen haben, verlangen die Klärung dieser Frage.

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Inhalt
  1. Bayern: Spätfolgen von verunreinigtem Trinkwasser  
  2. PFOA: Immuntoxische Chemikalie
  3. Altötting: Verminderter Corona-Impfschutz?

Könnte es sein, dass die Menschen im Kreis Altötting, Bayern, trotz vollständiger Impfung weniger gut gegen das Coronavirus geschützt sind, weil sie jahrzehntelang die potenziell gesundheitsgefährdende Chemikalie Perfluoroktansäure (PFOA) über das Trinkwasser aufgenommen haben? Aktivisten in der Region werden aktiv. 

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Bayern: Spätfolgen von verunreinigtem Trinkwasser  

Altötting litt jahrzehntelang unter verunreinigtem Trinkwasser, in dem sich die potenziell gesundheitsgefährdende Chemikalie PFOA befand. PFOA (Perfluoroktansäure) wird unter anderem bei der Herstellung von Teflon verwendet und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Der Stoff wird in der Region Altötting produziert. 
Ende 2020 gingen zwei Aktiv-Kohlefilter-Anlagen, die die PFOA-Belastungen im Grundwasser herausfiltern, in den Regelbetrieb. Damit ist die unmittelbare Gefahr durch die Chemikalie im Trinkwasser gebannt. 

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Durch die aktuelle Corona-Pandemie gerät nun allerdings eine mögliche Spätfolge der PFOA-Belastung in den Fokus: die Frage, ob die Chemikalie langfrisitig zu einem verminderten Impfschutz führt. 

 

PFOA: Immuntoxische Chemikalie

Seit Beginn der weltweiten Impfkampagne gegen COVID-19 wird immer wieder untersucht, ob und wie sich Umweltgifte auf die Wirksamkeit der zugelassenen Vakzine auswirken. Im Fokus dabei stehen vor allem die sogenannten per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), zu denen über 4.500 Chemikalien – auch PFOA – zählen. Diese Verbindungen gelten als "immuntoxisch", also schädigend für das menschliche Immunsystem.

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Im Januar 2021 fanden Forscher:innen der Universität in Odense, Dänemark in einer Studie mit 323 Corona-Erkrankten heraus, dass Personen, die größere Mengen bestimmter per- und polyfluorierter Alkylverbindungen (PFAS) aus der Umwelt aufgenommen hatten, ein höheres Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf aufweisen. 

 

Altötting: Verminderter Corona-Impfschutz?

Um die "Einflüsse auf Immunantworten bei Impfungen einzuordnen", verlangt die Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser (BINT) in Altötting ein zeitnahes Blutmonitoring der Bürger:innen. Im Interview mit dem "br" betont die betroffenen Carmen Seehuber mit Blick auf ihre Corona-Impfung: "Ich bin PFOA belastet, und das beunruhigt mich." Das Blut der Altöttingerin ist mit 42 Mikrogramm PFOA belastet. Werte ab 10 mg gelten als bedenklich. Mithilfe eines Antikörpertests wurde Carmen Seehuber selbst aktiv und ließ ihren Impfschutz bestimmen. 

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Das Ergebnis: Ein Impfschutz liegt vor, Seehubers Antikörper-Wert ist allerdings unterdurchschnittlich. Ob das tatsächlich an der PFOA-Belastung liegt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Dazu bräuchte es eine detaillierte Studie mit mehreren Hundert Teilnehmer:innen. 

Dem Landratsamt in Altötting fehlen derzeit aber laut eigener Aussagen die Kapazitäten dazu. Ein Blutmonitoring sei in der Region erst 2022 geplant. Ob dieses einen Antikörpertest mit Blick auf den Corona-Impfschutz umfasst, stehe noch nicht fest. 

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Quellen:
Angst in Altötting: Wirkt die Corona-Impfung dort schlechter?, in: br.de
BINT – Bürgerinitiative Netzwerk Trinkwasser, in: bint.bayern
Severity of COVID-19 at elevated exposure to perfluorinated alkylates, in: medrxiv.org

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