Verminderter Impfschutz: Diese 4 Personengruppen sind betroffen

Mona Eichler Health-Redakteurin

Es gibt Menschen, bei denen die Corona-Impfung weniger Wirkung entfaltet als angenommen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) weist aktuell besonders auf vier Gruppen hin und beschreibt, warum man von einem verminderten Impfschutz ausgehen muss. Alle infos!
 

Video Platzhalter
Inhalt
  1. Medikamente bremsen Impfschutz
  2. Krebspatienten: Frühere Zweitimpfung sinnvoll?
  3. Menschen nach einer Organtransplantation
  4. Ältere: Antikörper reifen langsamer
  5. Rheumapatienten: Schwächere Antikörperbildung

In Deutschland sind inzwischen über 65 Millionen Menschen geimpft – mehr als 41 Millionen haben die Erstimpfung erhalten, knapp 24 Millionen die Zweitimpfung. Darunter gibt es allerdings Personen, bei denen die Impfung weniger wirksam ist als angenommen. Dazu gehören beispielsweise Patienten mit Adipositas oder auch jene, die an einer Immunerkrankung leiden. 

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat nun vier weitere Gruppen herausgestellt, die mit einem verminderten Impfschutz nach der Corona-Immunisierung rechnen müssen. 

Mann im hellblauem Hemd mit Mundschutz erhält Impfung in den Oberarm
Service Sind Corona-Impfungen bei Immunkranken unwirksam?
 

 

Medikamente bremsen Impfschutz

Bei der Frage nach der Wirksamkeit der Corona-Schutzimpfung spielen die unterschiedlichen Vakzine eine untergeordnete Rolle. Mit einem verminderten Impfschutz müssen vielmehr Menschen rechnen, die unter einer bestimmten medikamentösen Behandlung stehen. 

„Es gibt inzwischen mehrere Studien, die zeigen, dass die Impfung gegen COVID-19 bei Menschen, deren Immunsystem medikamentös gebremst wird, nicht so gut wirkt wie bei anderen. […] Abhängig vom Ausmaß der Immunsuppression und den verwendeten Medikamenten ist die Immunantwort sogar trotz vollständiger Impfung deutlich schlechter oder fällt ganz aus“, erklärte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) den Zeitungen der Funke Mediengruppe dazu. „Wir müssen davon ausgehen, dass es nicht nur Einzelfälle sind.“

Aktuell hat die Stiko vier weitere Personengruppen, bei denen die Immunantwort nach der Corona-Impfung schwächer ausfallen könnte, genauer im Blick.

Impfstofflaschen von vier verschiedenen Herstellern in einer Reihe
Service Corona-Impfstoffe: Unterschiede zwischen Biontech, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson

 

Krebspatienten: Frühere Zweitimpfung sinnvoll?

Menschen, die an Krebs erkrankt sind, haben häufig ein geschwächtes Immunsystem und gehören deswegen zu den Corona-Risikogruppen. Das Deutsche Krebsforschungszentrum empfiehlt eine COVID-19-Impfung nach individueller Abwägung zwar. Zugleich lässt sich aber nicht sagen, ob eine Impfung bei Krebspatienten im vollen Umfang wirkt, da diese Personengruppe bei den bisherigen Corona-Zulassungsstudien ausgeschlossen war. 

Eine kleine Studie der Polyclinic Saint Jean bei Nizza hat allerdings ergeben, dass Krebspatienten von einer früheren Zweitimpfung profitieren könnten. In der Vergleichsstudie zeigte sich, dass an Krebs erkrankte Menschen nach der Erstimpfung eine Antikörperkonzentration von 48% aufwiesen. Die Probanden ohne Krebs lagen indes nach der ersten Dosis bereits bei 95% Antikörperkonzentration. Bei den Erkrankten stellte sich eine Antikörperkonzentration von 95% erst nach der zweiten Impfung ein, was ein schnelleres Impfen sinnvoll macht. 

Diabetes Blutzucker-Test
Service Neue Studie: (Wie) Kann Corona Diabetes auslösen?
 

 

Menschen nach einer Organtransplantation

Hat ein Mensch ein fremdes Organ erhalten, muss er lebenslang Medikamente einnehmen, die die Abwehrreaktion des Körpers unterdrücken. Diese Immunsuppressiva sollen verhindern, dass der Körper das neue Organ abstößt. Das macht das Immunsystem anfälliger für Infekte und schwächt die Schutzwirkung von Impfungen ab.

 

Ältere: Antikörper reifen langsamer

Nach zahlreichen Corona-Ausbrüchen in Altenheimen, in denen die Bewohner:innen bereites geimpft waren, kam der Verdacht auf, dass die Corona-Impfung bei dieser Personengruppe keinen vollständigen Schutz liefert. 

Wissenschaftler:innen der Berliner Charité führten daraufhin eine Studie durch, die unter anderem ergab, dass ältere Menschen wesentlich langsamer Antikörper bilden als junge. So hatten drei Wochen nach der ersten Impfdosis etwa 87 Prozent der Jüngeren Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet. Bei den Älteren waren es nur 31 Prozent.

Ältere Frau wird geimpft
Krankheiten & Behandlung Corona-Infektion trotz Impfung: Darum sind vor allem Ältere betroffen
 

 

Rheumapatienten: Schwächere Antikörperbildung

Auch Menschen mit Rheuma gehören laut Stiko zur Risikogruppe für einen verminderten Impfschutz. Ein Bericht der Deutschen Rheuma-Liga scheint dies zu bestätigen. Darin schreiben die Experten, dass Rheumatiker:innen eine schwächere Antikörperbildung aufweisen als gesunde Menschen. Dieser Erkenntnis liegen laut DRL „zwei kleine Studien aus Deutschland“ zugrunde.

Trotz eines möglichen verminderten Impfschutzes ist eine Corona-Impfung immer dann sinnvoll, wenn es der individuelle Zustand eines Menschen erlaubt. Die Impfung schützt zwar nicht zu 100 Prozent vor einer Ansteckung mit COVID-19, kann in den meisten Fällen aber einen schweren Krankheitsverlauf verhindern. 

Corona-Impfung: Bessere Wirkung, wenn Sie das meiden
Service Corona-Impfung: Bessere Wirkung, wenn Sie das meiden

Quellen:
Stiko: Einige Geimpfte ohne Immunschutz, in: zdf.de
COVID-19-Impfung: Der Krebsinformationsdienst informiert, in: krebsinformationsdienst.de
Täglicher Lagebericht des RKI zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19), in: rki.de
Kein wirksamer Corona-Schutz? 4 Gruppen schützt die Impfung schlechter als gedacht, in: focus.de
Impfstoffe gegen Corona: Hinweise für Rheuma-Betroffene, in: rheuma-liga.de

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2021 praxisvita.de. All rights reserved.