Verlustangst: Symptome, Ursachen und Tipps

Daphne Sekertzi

Verlustangst ist ein Gefühl, das jeder kennt. Eine nahestehende Person zu verlieren, möchte niemand erleben – das ist normal. Kreisen die Gedanken jedoch ständig darum, dass man jederzeit seinen Partner oder ein Familienmitglied verlieren könnte, ist die Grenze zwischen normaler und irrationaler Angst überschritten. Wie sich eine Verlustangst äußert, welche Ursachen dahinterstecken und was Betroffene tun können.

Eine Frau sitzt auf einem Stuhl und hält sich den Kopf
Verlustangst ist ein natürliches Gefühl, in ihrer extremen Form jedoch kann sie die Lebensqualität stark beeinträchtigen Foto:  istock_spukkato
Inhalt
  1. Was ist Verlustangst?
  2. Woher kommt die Angst, jemanden zu verlieren?
  3. Die häufigsten Ursachen von Verlustangst
  4. Wie äußert sich Verlustangst in Beziehungen? Die häufigsten Symptome
  5. Wie man Verlustangst bekämpfen kann

In begrenztem Maße ist Verlustangst ein normales Gefühl, das uns in Beziehungen – nicht nur in romantischen – begleitet. Die Vorstellung, eine geliebte Person durch eine Krankheit, einen Unfall oder eine Trennung zu verlieren, löst natürlicherweise Angst aus. Doch wenn sich die Verlustangst bei jedem noch so kleinen Anlass bemerkbar macht, sollten Betroffene die Ursachen ergründen.

 

Was ist Verlustangst?

Verlustangst beschreibt die Angst davor, eine geliebte Person oder eine wichtige Sache, wie den Job, zu verlieren. Zwar kann sich die Angst, jemanden zu verlieren, potentiell auf jede nahestehende, geliebte Person richten. Jedoch ist die Verlustangst in Paarbeziehungen besonders stark ausgeprägt. Pathologisch wird diese Angst, wenn sie nicht durch eine reale Bedrohung ausgelöst wird und die Lebensqualität stark beeinträchtigt – dann handelt es sich um eine Angststörung.

Alles wird den Anstrengungen untergeordnet, eine Trennung zu verhindern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die eigenen Bedürfnisse durch den Partner erfüllt werden oder ob man mit ihm glücklich ist. Die Angst vor einer Trennung ist so groß, dass Betroffene eine emotionale Abhängigkeit entwickeln und daher oft in schädlichen oder toxischen Beziehungen bleiben.

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Woher kommt die Angst, jemanden zu verlieren?

Meist wurzelt Verlustangst in der Kindheit. Frühkindliche Traumata, wie der Tod einer nahestehenden Person oder die Trennung der Eltern können sie auslösen – vor allem dann, wenn die Erfahrung nicht verarbeitet und ein gesunder Umgang damit nie erlernt wurde.

Ein erneuter Verlust im Erwachsenenalter, z.B durch die Trennung vom Partner, lässt die Betroffenen das unverarbeitete Trauma der Kindheit durchleben. Denn Verlustangst bei Kindern ist kein temporärer Zustand, der sich von alleine wieder normalisiert, sondern ein Gefühl, das unterschwellig jede Beziehung des Betroffenen im Erwachsenenalter beeinflusst.

Es müssen jedoch nicht immer traumatische Erlebnisse hinter den Verlustängsten stecken. Auch der Erziehungsstil kann dazu beitragen. So können etwa überängstliche Eltern, die möglicherweise selbst unter Verlustängsten leiden, ihre Angst auf das Kind projizieren. Das geht oft Hand in Hand mit der Erziehung zur Unselbstständigkeit, die die Angst, alleine zu sein, beim Kind fördert. Ebenso kann eine starke Vernachlässigung in der Kindheit ein ungesundes Bindungsverhalten im Erwachsenenalter zur Folge haben.

 

Die häufigsten Ursachen von Verlustangst

  • unverarbeitete Verlusterfahrungen in der Kindheit
  • überängstliche und überfürsorgliche Eltern
  • Erziehung zur Unselbstständigkeit
  • Angst, alleine zu sein durch erlernte Hilflosigkeit
  • fehlende Bewältigungsstrategien
  • emotionale Vernachlässigung in der Kindheit

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Wie äußert sich Verlustangst in Beziehungen? Die häufigsten Symptome

In Beziehungen macht sich Verlustangst durch typische Anzeichen, wie Eifersucht, Klammern, Kontrollverhalten und Trennungsangst, bemerkbar. In jedem freundschaftlichen Kontakt und in Unabhängigkeitsbestrebungen des Partners werden vermeintliche Anzeichen fürs Fremdgehen und Gefahren für die Beziehung gewittert.

Betroffene versuchen mit allen Mitteln, eine Trennung abzuwenden – auch dann, wenn sie unglücklich sind und die Beziehung ihnen nicht guttut oder sogar schädlich ist. Weil sie dem Partner keinen Trennungsgrund geben möchten, verhalten sich die Betroffenen extrem angepasst:

  • Sie sind nachgiebig,
  • haben Schwierigkeiten damit, „nein“ zu sagen,
  • behalten ihre Bedürfnisse für sich,
  • gehen Diskussionen aus dem Weg und
  • reagieren panisch bei einem Streit

Zudem brauchen Menschen mit Verlustangst viel Bestätigung und Anerkennung von ihrem Partner, um sich ihrer Liebe sicher zu sein. Bleibt das aus, kann das die Verlustängste mit ihren negativen Begleiterscheinungen befeuern. Die emotionale Abhängigkeit vom Partner und das Kontrollverhalten belasten die Beziehung und münden zwangsläufig in eine Trennung. Die eigene Verlustangst treibt den Partner letztendlich dazu, das zu tun, wovor man am meisten Angst hat: verlassen zu werden.

Negative Beziehungserfahrungen und die Angst vor einer erneuten Trennung können aber auch dazu führen, dass Betroffene Nähe-Distanz-Probleme und eine Bindungsangst entwickeln. In Beziehungen halten sie ihren Partner auf Abstand oder sie gehen erst gar keine Beziehung ein, um keinen Trennungsschmerz spüren zu müssen.

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Wie man Verlustangst bekämpfen kann

Wenn die Verlustangst so stark ist, dass sie mit einem hohen Leidensdruck einhergeht und sie immer wieder zu Beziehungsabbrüchen führt, sollten Betroffene gemeinsam mit einem Therapeuten den Ursachen auf den Grund gehen. Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie können falsche Überzeugungen erkannt und korrigiert werden, während in einer tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie unverarbeitete Traumata aufgearbeitet werden.

Darüber hinaus können folgende Tipps helfen, die Verlustangst zu überwinden und mehr Kontrolle über das eigene Verhalten zu gewinnen:

  1. Damit sich etwas ändert und Betroffene an ihren destruktiven Verhaltensweisen arbeiten können, müssen sie ein Bewusstsein dafür entwickeln, durch was die Verlustangst ausgelöst wird und in welchen Situationen sie sich zeigt. Hilfreich ist es dabei, Tagebuch zu führen.
  2. Jede Angst verliert etwas von ihrer Wirkkraft, wenn man über sie spricht und ihnen durch die objektive Sicht des Gesprächspartners, wie etwa eines Freundes oder eines Therapeuten, einem Realitätscheck unterzieht. Wenn man zudem mit seinem Partner offen über seine Ängste redet, lassen sich viele Beziehungsprobleme vermeiden.
  3. Entspannungs- und Achtsamkeitsmethoden, wie Yoga und Meditation, helfen dabei, negative Gedankenspiralen zu stoppen und sich nicht von ihnen vereinnahmen zu lassen.

Auch wenn es viel Arbeit bedeutet und es ein langwieriger Prozess ist: Durch eine Kombination aus Therapie, Achtsamkeit und Offenheit gegenüber dem Partner kann man seine Verlustangst überwinden und ein gesundes Beziehungsverhalten entwickeln.

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Quellen

Trennungsangststörung im Erwachsenenalter: Häufig nicht erkannt, in: Ärzteblatt

Verlustangst, in: Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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