Verlängern Chilis wirklich das Leben?

Phyllis Kuhn

Wer scharf essen kann, hat Glück: Chili, Peperoni und Pfefferschoten sind nicht nur echte Geschmacksbomben, sie haben auch Heilkräfte. Einer neuen Studie zufolge verlängern Chilis sogar das Leben.

Es ist nicht das erste Mal, dass die roten Schoten im Fokus der Wissenschaft stehen. So weiß man bereits, dass das Essen von Chilis die Körpertemperatur ansteigen lässt und uns nicht nur warm, sondern auch glücklich macht. Die Schärfe löst nämlich eine Schmerzreaktion aus, woraufhin unser Körper Endorphine (Glückshormone) ausschüttet. Deshalb fühlt man sich nach scharfem Essen häufig besonders entspannt. Verantwortlich für die Schärfe ist das in Chilis enthaltene Capsaicin. Der Wirkstoff fördert nicht nur die Durchblutung in der Mundschleimhaut, sondern auch im Rest unseres Körpers. Deshalb werden Bestandteile der Chili auch in Rheumapflastern angewendet.

 

Welche Langzeitwirkung hat Chili auf unseren Körper?

Aber wie wirken sich die zahlreichen Kurzzeit-Effekte des Chilis langfristig auf unsere Gesundheit aus? Dieser Frage sind jetzt US-amerikanische Forscher nachgegangen. Die Wissenschaftler der Universität von Vermont sammelten dazu über einen Zeitraum von 23 Jahren die Daten von 16.000 Amerikanern. Dabei stellte sich heraus, dass der typische Chili-Konsument männlich und verheiratet ist. Zusätzlich zu Chili hat er eine Vorliebe für Alkohol und Zigaretten sowie eine eher schlechte Bildung und ein geringeres Einkommen, als US-Amerikaner, die wenig Chilis essen. Gerade die letzteren Merkmale sind eigentlich keine gute Voraussetzung, bis ins hohe Alter gesund zu bleiben. Tatsächlich waren es aber gerade die Alkohol trinkenden, rauchenden Chili-Esser, die im Vergleich zu den anderen Teilnehmern der Untersuchung eine um 13 Prozent geringere Mortalität verzeichneten. Besonders Herzinfarkte und Schlaganfälle schienen dieser Gruppe am wenigsten anhaben zu können. Was waren die Hintergründe?

 

Schützen Chilischoten die Darmflora?

Dass Alkohol und Tabak bei den Teilnehmern einen lebensverlängernden Effekt hatten, kann ausgeschlossen werden. Bleiben also die Chilischoten. „Auch wenn der Mechanismus, durch welchen Chilischoten den Tod verzögern, noch nicht ganz klar ist, könnten sogenannte TRP-Kanäle (Transient Receptor Potential), die vor allem Rezeptoren für scharfe Stoffe wie Capsaicin sind, verantwortlich für den beobachteten Zusammenhang sein“, vermuten die Studienautoren Mustafa Chopan und Benjamin Littenberg. Die Forscher vermuten, dass das in den Chilis enthaltene Capsaicin zelluläre und molekulare Eigenschaften haben könnte, die vor Übergewicht schützen, den Blutfluss regulieren und sogar mikrobielle Eigenschaften besäße, die „den Wirt indirekt beeinflussen, indem sie seine Darmflora veränderten“.

Scoville-Skala

Der Wert auf der Scoville-Skala gibt an, wie viel Wasser nötig wäre, um den Chili-Geschmack zu neutralisieren. Beispiel: Für einen Milliliter reinen Capsaicins wären 15 Millionen ml (=15.000 Liter) Wasser nötig, um keine Schärfe mehr festzustellen. Die Skala wurde 1912 von dem Pharmakologen Wilbur L. Scoville entwickelt.

 

Vorsicht bei der Zubereitung

Chilis sind für unsere Gesundheit übrigens umso wirksamer, je schärfer sie sind. Dabei sollte man es jedoch nicht übertreiben, da gerade bei fehlender Gewöhnung allergische Reaktionen und Atemnot drohen können. Der Schärfegrad wird dabei in der Einheit Scoville angegeben. „Anfänger“ beginnen am besten mit italienischen Peperoni, die mit einem Scoville-Wert von 10-100 noch vergleichsweise mild sind. Deutlich schärfer sind bereits mexikanische Jalapeños (etwa in Tabasco-Sauce), die Schärfegrade bis zu 5000 Scoville schaffen. Richtig scharf wird es bei Habanero-Chilischoten (bis zu 500.000 Scoville). Hier gilt schon äußerste Vorsicht und nur geübte Chili-Esser sollten sich diesen Schoten nähern. Nicht nur der Verzehr kann nämlich zu heftigen Hustenanfällen führen. Auch jeglicher Kontakt mit Schleimhäuten (Auge, Nase) sollte unbedingt vermieden werden. Deshalb gilt: Beim Kochen am besten Handschuhe tragen und Messer und Geschirr sorgfältig im Anschluss waschen.

Die schärfste in der Natur wachsende Schote ist übrigens die Züchtung „Carolina Reaper Hybrid Chili“ (2,2 Millionen). Noch höhere Werte erreichen Chili-Saucen, die häufig aus verschiedenen Chili-Mischungen und zusätzlichem Capsaicin-Extrakt hergestellt werden wie „Mad Dog 357 No. 9 Plutonium“, die derzeit schärfste Chilisauce der Welt. Den höchsten Grad auf der Scoville-Skala erreicht übrigens reines kristallines Capsaicin (etwa 15 Millionen).

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