Verhütungsmittel für Männer: der Stand der Forschung

Verena Elson

Ein Gel, das auf den Rücken gesprüht wird, ein Ventil für den Samenleiter, eine „Pille für den Mann“: Verschiedene Verhütungsmittel für Männer befinden sich zurzeit in der Entwicklung. Welche davon könnten es tatsächlich in die Apotheken schaffen?

Die Verhütung ist meist Frauensache – Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran, das zu ändern
Die Verhütung ist meist Frauensache – Forscher auf der ganzen Welt arbeiten daran, das zu ändern © AleksandarNakic/iStock

Außer dem Kondom hat sich bisher kein Verhütungsmittel etabliert, mit dem Männer ihre Verhütung selbst kontrollieren können. Geforscht wird auf diesem Gebiet viel – und unter den neuen Verfahren sind einige vielversprechende Kandidaten. Das neueste in der Liste der Verhütungsmittel für Männer ist eine Entwicklung von Forschern der University of Washington: Das Gel, das auf Rücken und Schultern gesprüht wird, enthält Testosteron und ein bestimmtes Gestagen, also ein weibliches Geschlechtshormon. Diese Wirkstoffkombination soll die Spermienproduktion unterbinden.

In einer von der US-Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) geförderten Studie wird das Verfahren jetzt an 420 Paaren getestet. Vor dem Eintritt in die eigentliche Testphase sprühen sich die Männer für vier bis zwölf Wochen täglich mit dem Gel ein. In dieser Zeit wird regelmäßig ihre Spermienzahl überprüft. Hat diese einen angestrebten Grenzwert unterschritten, beginnen die Probanden mit der 52-wöchigen Testphase, in der sie ausschließlich mit dem Gel verhüten.

 

Mögliche Nebenwirkungen machen Zulassung fraglich

Ob das Gel schließlich zugelassen wird, ist allerdings selbst bei guter Wirksamkeit fraglich. Denn bei der Frage der Zulassung sind auch die Nebenwirkungen entscheidend: In der Vergangenheit wurde bereits eine Studie mit einer ähnlichen Wirkstoffkombination zur Verhütung bei Männern abgebrochen, weil die Probanden über Beschwerden wie Stimmungsschwankungen, abnehmende Libido und Gewichtszunahme klagten.

Viele Frauen würden hier vermutlich einwenden, dass genau solche Nebenwirkungen auch mit der Einnahme der Anti-Baby-Pille einhergehen. Dass sie trotzdem zugelassen ist, liegt daran, dass in den 1960er Jahren keine vergleichbar strengen Kriterien zur Zulassung von Medikamenten bestanden. Viele Experten halten es für fraglich, ob die Pille bei den heute geltenden Anforderungen eine Zulassung erhalten würde.

 

Hormonfreie Verhütungsmittel für Männer

Gleichzeitig wird aber auch an zahlreichen hormonfreien Verhütungsverfahren für Männer geforscht, die weniger Nebenwirkungen haben. Dazu gehört etwa ein aus dem indonesischen Gendarussa-Busch gewonnener Wirkstoff, der in Pillenform eingenommen wird. Er schwächt ein Enzym, das dafür verantwortlich ist, dass ein Spermium in die Eizelle der Frau eindringen kann. Der Pflanzenextrakt wirkt mit einer 99-prozentigen Sicherheit und hat kaum Nebenwirkungen – das ergab eine Studie mit rund 350 Probanden.

Ein alternativer Wirkstoff für die „Pille für den Mann“ fungiert ebenfalls als Spermienbremse: Das Präparat namens EP055 schaltet die Schwimmfähigkeit der Spermien aus, indem es an ein bestimmtes Protein an ihrer Oberfläche bindet und sie so „lähmt“. Bisher wurde dieser Wirkstoff allerdings nur an Rhesusaffen getestet, die ihn per Infusion verabreicht bekamen. Forscher arbeiten zurzeit an der Entwicklung einer Pille, die von Männern eingenommen werden kann.

 

Ventil für den Samenleiter

Einen ganz anderen Weg geht ein Münchner Urologe mit dem sogenannten Samenleiterventil: Bei Betätigung eines von außen tastbaren Schalters schließt sich das implantierte Ventil und verhindert, dass Spermien den Samenleiter verlassen. Das Verfahren wurde allerdings noch nicht an großen Probandengruppen getestet – Kritiker bemängeln außerdem ein Entzündungsrisiko durch den Einbau des Ventils.

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